Ölpreise steigen weiter, Unsicherheit über Hormus-Exporte überwiegt Lageraufbau und schwachen Raffineriedurchsatz

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Die Rohölpreise setzten ihre Erholung am Mittwoch im asiatischen Handel fort, weil die Unsicherheit über Exporte durch die Straße von Hormus einen kräftigen Aufbau der US-Rohölbestände und den schwachen chinesischen Raffineriedurchsatz überlagerte. Nach zeitverzögerten CME-Daten lag der WTI-Futures-Kontrakt mit Fälligkeit Oktober 2026 am 19. August um 03:27 Uhr MESZ bei 84,93 US-Dollar je Barrel. Zeitverzögerte ICE-Daten wiesen den Brent-Futures-Kontrakt mit Fälligkeit Oktober 2026 um 03:26 Uhr MESZ mit 91,90 US-Dollar je Barrel aus.

Reuters zufolge notierten die nächstfälligen WTI- und Brent-Futures um 02:04 Uhr MESZ höher und verzeichneten damit die vierte Sitzung in Folge mit Kursgewinnen. Gestützt wurde der Markt vor allem durch widersprüchliche Aussagen aus den USA und dem Iran zur Offenheit der Straße von Hormus für die Schifffahrt. Der zentrale Konflikt bleibt damit bestehen: Das Risiko für die physische Versorgung stützt die Preise für kurzfristig verfügbare Mengen, während die US-Lagerdaten und der schwache Raffineriedurchsatz in Asien gegen einen ungebremsten Preisanstieg sprechen.

Aktuelle Lage am Ölmarkt

WTI- und Brent-Terminkurven mit deutlicher Backwardation

Die Börsendaten zeigten über die ersten sechs betrachteten Kontrakte hinweg eine deutlich fallende Terminkurve. WTI sank vom Oktober-2026-Kontrakt bei 84,93 US-Dollar auf 77,87 US-Dollar je Barrel für März 2027. Brent fiel im selben Fälligkeitsfenster von 91,90 auf 83,48 US-Dollar je Barrel.

Diese Backwardation deutet darauf hin, dass der Markt kurzfristig lieferbaren Barrel einen höheren Wert beimisst. Die Terminkurve allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, welcher Anteil dieser Prämie auf Schifffahrtsrisiken, knappe Lagerbestände oder andere Faktoren zurückgeht.

Der jüngste Reuters-Bericht bestätigte die kurzfristig positive Richtung, ohne die Referenzpreise der Börsendaten zu ersetzen. Um 02:04 Uhr MESZ lag Brent laut Reuters um 0,26 US-Dollar höher bei 91,28 US-Dollar und WTI um 0,37 US-Dollar höher bei 85,31 US-Dollar je Barrel. Da Reuters die jeweiligen Kontraktmonate nicht nannte, eignen sich diese zeitgleichen Angaben vor allem als Richtungsindikator und nicht als Ersatz für die CME- und ICE-Kontraktdaten.

US-Rohölbestände setzen gegenteiliges Signal

Die jüngsten verfügbaren Daten der US-Energieinformationsbehörde (EIA) für die Woche bis zum 7. August zeigen einen Anstieg der kommerziellen Rohölbestände ohne die Strategische Erdölreserve der USA (SPR) um 17,422 Mio. Barrel auf 424,410 Mio. Barrel. Die Bestände in Cushing erhöhten sich um 1,611 Mio. Barrel auf 22,566 Mio. Barrel.

Die nächste offizielle Wochenveröffentlichung der EIA war für später am 19. August vorgesehen. Sie wird zu einem wichtigen kurzfristigen Test dafür, ob sich der starke Lageraufbau bestätigt oder umkehrt.

Der Bestandsanstieg bildet ein bearishes Gegengewicht zur geopolitischen Risikoprämie. Er beseitigt jedoch nicht die breitere Sorge um international gehandelte Rohölmengen: In ihrem August-Ausblick erwartet die EIA, dass die kommerziellen US-Rohölbestände bis Ende 2026 unter dem Tief des Fünfjahreszeitraums 2021 bis 2025 bleiben.

Chinas Raffineriedaten begrenzen die Nachfrageperspektive

Das chinesische Nationale Statistikamt meldete für Juli einen Rückgang der Rohölverarbeitung in Industrieunternehmen oberhalb der festgelegten Größenordnung um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 53,11 Mio. Tonnen. Die heimische Rohölförderung stieg dagegen leicht um 0,8 Prozent auf 18,27 Mio. Tonnen.

Der Rückgang bei der Verarbeitung liefert einen konkreten nachfrageseitigen Bremsfaktor, während die Angebotsrisiken derzeit das Marktgeschehen dominieren. ING Research bezeichnete zudem den Zeitpunkt einer Rückkehr chinesischer Käufe als eine der größten Unsicherheiten für den Markt.

Analyse des Ölmarkts

Hormus-Risiko bleibt für den kurzfristigen Markt entscheidend

Laut dem jüngsten Reuters-Update wägen Händler gegensätzliche Aussagen aus Teheran und Washington darüber ab, ob die Straße von Hormus für die Schifffahrt offen ist. Diese Unsicherheit ist relevant, weil der Markt nachhaltige Verladungen und sichere Schiffspassagen sehen muss – nicht nur diplomatische Erklärungen –, bevor ein großer Teil der Risikoprämie für die Versorgung abgebaut werden kann.

Die EIA geht in ihrem August-Short-Term Energy Outlook davon aus, dass die schweren Transitbeschränkungen bis August fortbestehen. Die Behörde erwartet, dass die regionale Rohölförderung Anfang 2027 überwiegend wieder nahe an die Durchschnittswerte vor dem Konflikt zurückkehrt. Gleichwohl prognostiziert sie Unterbrechungen von rund 0,6 Mio. Barrel pro Tag bis Ende 2027. Unter diesen Annahmen erwartet die EIA für Brent-Spotrohöl im dritten Quartal 2026 einen Preis von rund 85 US-Dollar je Barrel, bevor der Durchschnitt 2027 bei 69 US-Dollar liegen soll, wenn die Lagerbestände wieder aufgebaut werden.

Die Schiffsanalyse von Kpler vom 31. Juli mahnt zur Vorsicht mit Blick auf den physischen Markt. Ein Anstieg der rohstoffbezogenen Schiffspassagen durch die Straße von Hormus am 28. und 29. Juli hielt demnach am 30. Juli nicht an. Kpler argumentierte, dass die Preise stärker auf geopolitische Schlagzeilen als auf beobachtete Verkehrsströme reagiert hätten. Das Unternehmen hielt ein Aufwärtspotenzial für Brent bis 110 US-Dollar je Barrel für realistisch, solange China weiterhin nicht als marginaler Käufer auftrat, und verwies damit auf die Asymmetrie fragiler Schifffahrtsbedingungen.

Unterschiedliche Prognosen hängen vom Erholungspfad ab

EIA, ING und Kpler stimmen weitgehend darin überein, dass die Schifffahrt durch den Persischen Golf kurzfristig die entscheidende Variable bleibt. Ihre Einschätzungen unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Geschwindigkeit und Dauerhaftigkeit einer Normalisierung.

Die Brent-Prognose der EIA von 85 US-Dollar für das dritte Quartal setzt anhaltende schwere Einschränkungen bis August voraus. Das niedrigere Basisszenario von ING vom 9. Juli – 80 US-Dollar je Barrel im dritten und 74 US-Dollar im vierten Quartal – hängt davon ab, dass es zu keiner weiteren erheblichen Störung der Verkehrsströme durch Hormus kommt. ING lässt zugleich ein verschärftes Szenario zu, in dem Brent im dritten Quartal 100 US-Dollar testen könnte, falls sich die Angebotsbedingungen erneut verschlechtern.

Das höhere Aufwärtsszenario von Kpler beruht dagegen auf der Möglichkeit, dass sich die tatsächlichen physischen Ströme nicht erholen, selbst wenn diplomatische Schlagzeilen auf eine Entspannung hindeuten.

Hochfrequente Daten werden zum entscheidenden Prüfstein

Die Bandbreite der institutionellen Einschätzungen macht den Markt besonders empfindlich für zeitnahe überprüfbare Daten. Schiffspassagen, tatsächliche Exportverladungen und die Form der kurzfristigen Terminkurve dürften aussagekräftiger sein als unbestätigte Angaben über eine Wiederöffnung der Wasserstraße.

Der starke Aufbau der US-Rohölbestände und der niedrigere chinesische Raffineriedurchsatz zeigen zugleich, warum die Preise schnell nachgeben könnten, falls sich die Schifffahrtsbedingungen tatsächlich und nachhaltig verbessern. Die Backwardation bei WTI und Brent stützt zwar die Bedeutung des kurzfristigen Angebots, ist aber keine Prognose für künftige Spotpreise.

Wichtige Charts zum Ölmarkt

WTI-Terminkurve mit Prämie für kurzfristige Lieferung

WTI-Futures-Kurve von Oktober 2026 bis März 2027

Die zeitverzögerte CME-Terminkurve fällt bei jedem Kontrakt von Oktober 2026 bis März 2027. Das Muster weist auf eine Prämie für näher liegende Liefertermine hin, sollte jedoch zusammen mit Lager- und Schifffahrtsdaten interpretiert werden und nicht als Beleg für eine einzelne Ursache.

Brent-Kurve mit noch steilerem Rückgang

Brent-Futures-Kurve von Oktober 2026 bis März 2027

Auch die zeitverzögerte ICE-Terminkurve fällt bis März 2027. Der vordere Bereich der Brent-Kurve bleibt gegenüber späteren Kontrakten besonders hoch, was mit anhaltenden Sorgen über Verfügbarkeit und Transport international gehandelten Rohöls vereinbar ist.

Fazit

Der kurzfristige Ölmarkt bleibt durch die Unsicherheit über Hormus-Exporte, mögliche erneute Angriffe auf die Schifffahrt und eine noch nicht verifizierte, dauerhafte Erholung des Schiffsverkehrs gestützt. Die Backwardation bei WTI und Brent unterstreicht die Bedeutung des kurzfristig verfügbaren Angebots. Der August-Ausblick der EIA deutet zudem darauf hin, dass die Auswirkungen der Störungen den unmittelbaren diplomatischen Zyklus überdauern könnten.

Gleichzeitig begrenzen der kräftige Aufbau der kommerziellen US-Rohölbestände und der stark gesunkene chinesische Raffineriedurchsatz die Nachfrageperspektive. Entscheidend sind nun die EIA-Lagerdaten vom 19. August, bestätigte Schiffspassagen und Exportverladungen durch die Straße von Hormus, chinesische Daten zur Rohölverarbeitung und zu Importen sowie die Frage, ob die vorderen Bereiche der Terminkurven erhöht bleiben. Solange diese Indikatoren kein einheitliches Bild ergeben, dürfte Rohöl auf Schlagzeilen empfindlich reagieren: Ein fester kurzfristiger Markt steht dabei weiterhin einem erheblichen mittelfristigen Abwärtsrisiko gegenüber.

Quellen

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