Ölpreise bleiben hoch, Risiken in der Straße von Hormus treffen auf schwache Nachfrageindikatoren aus China

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Der Ölmarkt zeigte sich am 12. August im asiatischen Handel weiterhin angespannt. Um 03:15 Uhr MESZ lagen öffentlich verfügbare, zeitverzögerte Börsendaten für den September-2026-Kontrakt auf WTI-Rohöl bei 83,82 US-Dollar je Barrel und für den Oktober-2026-Kontrakt auf Brent-Rohöl bei 89,53 US-Dollar je Barrel. Die CME-Daten waren um mindestens zehn Minuten, die ICE-Daten um mindestens 15 Minuten verzögert. Wegen unterschiedlicher Börsen und Fälligkeiten sind die beiden Notierungen nicht unmittelbar vergleichbar.

Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein die Frage, ob ein Angebotsengpass oder eine Normalisierung überwiegt. Zwar scheinen wieder mehr Barrel den Persischen Golf zu passieren, doch bleiben die Transitbedingungen politisch und operativ fragil. Niedrige Lagerbestände und knappe Mitteldestillatvorräte lassen zudem wenig Spielraum für eine weitere Störung. Gleichzeitig begrenzen schwächere chinesische Industrie- und Raffineriedaten die Nachfrageseite der Preisreaktion.

Aktuelle Lage am Ölmarkt

WTI und Brent bleiben auf erhöhtem Niveau

Der September-2026-Kontrakt auf WTI-Rohöl an der NYMEX wurde am 12. August um 03:15 Uhr MESZ mit 83,82 US-Dollar je Barrel notiert. Der Oktober-2026-Kontrakt auf Brent-Rohöl an der ICE Futures Europe lag bei 89,53 US-Dollar je Barrel. Beide Kontrakte waren zum Beobachtungszeitpunkt auf den jeweiligen Börsenseiten die zuerst gelisteten und am aktivsten gehandelten nahen Fälligkeiten.

Der jüngste zugängliche offizielle Abrechnungspreis der CME für den September-WTI-Kontrakt lag am 10. August bei 82,13 US-Dollar je Barrel.

Der Ölmarkt reagierte weiterhin empfindlich auf Nachrichten zu Diplomatie und Schifffahrt. Nach einem Bericht von Associated Press vom 11. August erklärte US-Energieminister Chris Wright, dass nahezu 9 Mio. Barrel pro Tag die Straße von Hormus passierten; einschließlich der Pipelineflüsse seien es rund 15 Mio. Barrel pro Tag. Dabei handelt es sich um Angaben der US-Regierung und nicht um unabhängig abgeglichene Daten zu Tankerbewegungen. Iran knüpfte eine umfassendere Wiederöffnung weiterhin an Zugeständnisse der USA. Dies deutet auf eine teilweise Entspannung hin, nicht jedoch auf eine Rückkehr zur Normalität.

US-Rohölbestände steigen, Produktlager sinken

Der jüngste verfügbare Wochenbericht der US-Energieinformationsbehörde (EIA) für die Woche bis zum 31. Juli zeigt eine gemischte Erdölbilanz. Die kommerziellen US-Rohölbestände ohne die Strategische Erdölreserve der USA (SPR) stiegen um 2,5 Mio. Barrel auf 407,0 Mio. Barrel.

Die Benzinbestände sanken dagegen um 1,6 Mio. Barrel auf 209,7 Mio. Barrel. Die Destillatbestände gingen um 3,5 Mio. Barrel auf 107,2 Mio. Barrel zurück. Die kommerziellen Rohölbestände lagen damit weiterhin rund 6 Prozent unter ihrem saisonalen Fünfjahresdurchschnitt, die Destillatbestände rund 12 Prozent darunter.

Die Raffinerien arbeiteten mit 96,5 Prozent ihrer operativen Kapazität. Die geschätzte US-Inlandsförderung belief sich auf 13,804 Mio. Barrel pro Tag.

Der Aufbau der Rohölbestände kann die unmittelbaren Sorgen über eine Knappheit dämpfen. Die Rückgänge bei Benzin und Destillaten zeigen jedoch, dass der Markt für Mineralölprodukte angespannt bleibt. Die hohe Raffinerieauslastung bedeutet zudem, dass das US-System bei steigender Produktnachfrage oder höheren Exporten nur begrenzten Spielraum für eine weitere Ausweitung des Durchsatzes hat.

OPEC+-Produktionsanpassung ist kein gesichertes zusätzliches Angebot

OPEC+ liefert nur einen begrenzten politischen Ausgleich. Sieben beteiligte Länder vereinbarten am 2. August, im September eine Produktionsanpassung um 188.000 Barrel pro Tag umzusetzen. Diese Zahl ist eine Zielanpassung und sollte nicht als bereits am Markt verfügbares Angebot verstanden werden.

In einem Markt, in dem Fördermenge und Seetransport im Persischen Golf mit Unsicherheiten von mehreren Millionen Barrel pro Tag behaftet sind, sind die tatsächliche Umsetzung und die physische Exportkapazität wichtiger als das Förderziel allein.

Analyse des Ölmarkts

Erholung der Schifffahrt beseitigt die Risikoprämie noch nicht

Die EIA geht in ihrem am 11. August veröffentlichten August-Ausblick Short-Term Energy Outlook davon aus, dass die gravierenden Einschränkungen der Transitpassagen durch die Straße von Hormus im August bestehen bleiben und sich erst ab September schrittweise lockern. Unter dieser Annahme schätzt die Behörde, dass die weltweiten Ölvorräte im zweiten Quartal mit einer Rate von 4,2 Mio. Barrel pro Tag abgebaut wurden. Für das dritte Quartal prognostiziert sie einen weiteren Lagerabbau von 3,8 Mio. Barrel pro Tag.

Die EIA erwartet für Brent-Spotpreise im dritten Quartal durchschnittlich rund 85 US-Dollar je Barrel und im vierten Quartal 78 US-Dollar je Barrel. Für 2027 rechnet sie mit einem Durchschnitt von 69 US-Dollar je Barrel, wenn sich Produktion und Lagerbestände erholen. Dabei handelt es sich um bedingte Prognosen und nicht um Beobachtungen der aktuellen Transportströme.

Kpler beurteilte die Geschwindigkeit der Erholung am 24. Juli zurückhaltender. Das Unternehmen prognostizierte für August Ausfälle von 10,5 Mio. Barrel pro Tag im Persischen Golf und erklärte, dass sich die vollständige regionale Fördererholung bis Anfang 2027 verzögern könnte. Umgehungsrouten sorgten zwar für eine spürbare Entlastung, doch längere Fahrten und die Risiken im Umfeld des Roten Meeres erhöhten Fracht- und Sicherheitskosten.

Entscheidend für die kurzfristige Angebotslage ist daher nicht die Durchflussmenge eines einzelnen Tages, sondern ein sicherer und nachhaltiger Transit.

Chinesische Nachfragesignale bleiben ein bedeutender Belastungsfaktor

Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im Juli auf 49,2 Punkte. Der Produktionsindex lag bei 49,9 Punkten, der Index für neue Aufträge bei 48,5 Punkten. Werte unter 50 signalisieren in der Umfrage eine monatliche Kontraktion, lassen sich jedoch nicht unmittelbar in eine bestimmte Veränderung des Ölverbrauchs übersetzen.

Direktere Hinweise liefert der Raffineriedurchsatz: Offizielle Daten bezifferten den chinesischen Rohöldurchsatz im Juni auf 51,24 Mio. Tonnen, 17,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr belief sich der Durchsatz auf insgesamt 343,87 Mio. Tonnen, ein Rückgang um 4,9 Prozent.

J.P. Morgan identifizierte in seinem Ausblick vom 16. Juli Nachfragezerstörung und das Tempo der Wiederherstellung des Angebots aus dem Persischen Golf als zentrale ausgleichende Kräfte. Die Prognose eines Überschusses von rund 1,2 Mio. Barrel pro Tag im August setzt voraus, dass sich das Angebot aus dem Persischen Golf auf etwa 90 Prozent des Vorkriegsniveaus erholt. Diese Annahme ist deutlich optimistischer als Kplers späteres Ausfallszenario. Beide Einschätzungen sollten daher als alternative Szenarien betrachtet und nicht zu einer gemeinsamen Mittelwertprognose zusammengeführt werden.

ING setzte in seinem Basisszenario vom 9. Juli für Brent durchschnittlich 80 US-Dollar je Barrel im dritten und 74 US-Dollar je Barrel im vierten Quartal an. Zugleich warnte die Bank, eine erneute Störung in der Straße von Hormus könne den Richtpreis in Richtung 100 US-Dollar treiben.

Der öffentliche Oil Market Report — July 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) beschrieb ebenfalls einen Markt mit zwei Geschwindigkeiten: Das Rohölangebot habe sich im Juni erholt, doch Ausfälle von Raffinerien im Persischen Golf und geringere Raffinerieläufe in Asien hielten die Märkte für Mineralölprodukte angespannt. Die IEA prognostizierte für 2026 zunächst einen Rückgang der weltweiten Ölnachfrage um 1 Mio. Barrel pro Tag, bevor das Wachstum gegenüber dem Vorjahr später im Jahresverlauf wieder einsetzen soll.

Japanische Bestände bieten einen Puffer, aber keine unbegrenzte Absicherung

Japan bietet einen regionalen Puffer, allerdings keinen unbegrenzten. Offizielle Daten für Ende Mai zeigten Gesamtölbestände, die auf der japanischen gesetzlichen Berechnungsbasis 204 Tagen entsprachen. Diese Kennzahl umfasst staatliche, private und gemeinsam mit Förderländern gehaltene Vorräte. Sie stammt zudem aus der Zeit vor den jüngsten Marktbewegungen.

Bereits im März hatten Freigaben begonnen, während die verpflichtende private Vorratshaltung reduziert worden war. Für die Einordnung sind daher sowohl das Alter der Daten als auch ihre Berechnungsgrundlage wichtig.

Unterschiedliche Annahmen bestimmen die Marktszenarien

Die institutionellen Einschätzungen unterscheiden sich vor allem wegen ihrer Annahmen zur Straße von Hormus. Eine nachhaltige Wiederöffnung würde blockierte Mengen freisetzen, das Frachtrisiko senken und die Wiederaufnahme stillgelegter Förderung und Raffineriekapazitäten ermöglichen.

Eine lediglich teilweise oder umstrittene Wiederöffnung würde den Markt dagegen weiter Angriffen auf Schiffe, Einschränkungen beim Versicherungsschutz und langsamen operativen Wiederanläufen aussetzen. Eine schwache chinesische Raffinerienachfrage kann den Ausfall von Angebot aus dem Persischen Golf zwar abfedern, das in den Rohöl- und Produktmärkten enthaltene Logistikrisiko jedoch nicht beseitigen.

Wichtige Charts zum Ölmarkt

US-Rohölbestände steigen, während Produktlager abnehmen

Die EIA-Daten für die Woche bis zum 31. Juli zeigen den Gegensatz zwischen einem Aufbau der kommerziellen Rohölbestände um 2,5 Mio. Barrel und Lagerabbauten bei Benzin und Destillaten. Die Zusammensetzung der Veränderung ist aussagekräftiger als die Rohölzahl allein, da sie auf anhaltenden Druck bei Kraftstoffen für Straßenverkehr, Industrie und Luftfahrt hinweist.

Wöchentliche Veränderungen der kommerziellen US-Bestände an Rohöl, Benzin und Destillaten

Chinas Juli-Umfrage signalisiert schwächere Industriedynamik

Alle drei ausgewählten offiziellen PMI-Kennzahlen lagen im Juli bei oder unter der Schwelle von 50 Punkten. Die neuen Aufträge waren die schwächste der drei Größen, was zu einem schwächeren kurzfristigen industriellen Umfeld passt. Die Umfrage allein kann die Nachfrage nach Erdöl jedoch nicht quantifizieren.

Chinas Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, Produktion und neue Aufträge im Juli 2026

Fazit

Kurzfristige Unterstützung für die Ölpreise kommt von der fragilen Schifffahrtslage im Persischen Golf, den prognostizierten starken Lagerabbauten und den knappen US-Produktbeständen. Dagegen stehen gemeldete höhere Durchflussmengen durch die Straße von Hormus, der Aufbau der US-Rohölbestände, schwache chinesische Industrie- und Raffineriedaten sowie die begrenzte geplante OPEC+-Produktionsanpassung für September.

Entscheidend bleibt die Geschwindigkeit der physischen Normalisierung. Bestätigte und anhaltende Tankerverkehre, sichere Passage durch die Straße von Hormus und das Rote Meer sowie sichtbare Wiederanläufe von Förderung und Raffinerien würden das Szenario einer Entspannung der Versorgungslage stärken. Neue Angriffe, niedrigere Transitvolumina oder Verzögerungen bei der Wiederinbetriebnahme würden dagegen die Risikoprämie für das Angebot untermauern.

Als nächste wichtige Prüfsteine stehen später am 12. August der wöchentliche EIA-Erdölbericht und der August-Oil Market Report der IEA an. Bis dahin bleiben Schifffahrtsdaten, US-Produktbestände und die chinesische Raffinerieaktivität die wichtigsten Indikatoren dafür, ob sich die Marktlage tatsächlich entspannt oder lediglich weniger angespannt wird.

Quellen

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