Nahostrisiken und knappe Bestände treiben die Ölpreise
Die Rohölpreise legten am Mittwoch den vierten Handelstag in Folge zu. Die Monatsgewinne näherten sich 30 %, nachdem Angriffe auf Tanker, US-Militärschläge gegen Iran sowie Drohungen gegen die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und das Rote Meer die Sorgen um die Versorgung verschärft hatten. Die Berichte nannten unterschiedliche Momentaufnahmen für den Mittwochsschluss: In einer wurde Brent mit 94,07 US-Dollar je Barrel und WTI mit 86,83 US-Dollar angegeben, während ein früherer Rückblick Schlussstände von 90,67 beziehungsweise 86,90 US-Dollar auswies. Als Nächstes richtet sich der Blick auf die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 14:30 Uhr deutscher Zeit (08:30 Uhr ET) und den wöchentlichen Erdgas-Speicherbericht der US-Energieinformationsbehörde EIA um 16:30 Uhr deutscher Zeit (10:30 Uhr ET).
Überblick über den Rohölmarkt
Ölpreise steigen den vierten Tag in Folge, während die Angebotsrisiken zunehmen
Die Ölpreise stiegen am Mittwoch kräftig, nachdem die Huthi-Bewegung im Jemen mitgeteilt hatte, zwei saudische Tanker im Roten Meer angegriffen zu haben. Zugleich führten die Vereinigten Staaten die elfte Nacht in Folge Militärschläge gegen Iran aus. Die internationalen Rohölpreise gewannen im Sitzungsverlauf bis zu 3 %. Ein Marktbericht zeigte, dass WTI zeitweise über 89 US-Dollar gehandelt wurde und schließlich mit einem Plus von 2,22 % bei 86,90 US-Dollar je Barrel schloss. Brent stieg wieder über 90 US-Dollar und beendete den Handel 1,47 % höher bei 90,67 US-Dollar.
Eine separate Markteinschätzung wies für den September-Kontrakt auf Brent einen Anstieg von fast 5 % und einen Sprung über 95 US-Dollar aus. Der Kontrakt schloss schließlich bei 94,07 US-Dollar je Barrel und damit auf dem höchsten Stand seit dem 8. Juni. Dies entsprach einem Plus von 3,4 % und einem Sechswochenhoch. Brent legte damit den vierten Handelstag in Folge zu und verzeichnete den größten Vier-Tages-Gewinn seit dem 29. April. Der September-Kontrakt auf WTI gewann fast 3 % und schloss bei 86,83 US-Dollar, dem höchsten Stand seit dem 11. Juni. Im Tagesverlauf war er bis auf 88,61 US-Dollar gestiegen.
Brent hat in dieser Woche mehr als 10 % gewonnen, während sich der monatliche Anstieg des Rohöls 30 % nähert. Angetrieben wurde die Rally von schwindenden Erwartungen an eine baldige diplomatische Einigung und wachsenden Risiken für Lieferunterbrechungen im Nahen Osten und anderen Förderregionen.
Drohungen in Hormus und im Roten Meer gefährden zwei zentrale Schifffahrtsrouten
Ein iranischer Regierungsvertreter bezeichnete die Behauptung von US-Präsident Donald Trump, Teheran habe um Verhandlungen gebeten, als „völlig haltlos“. Iran erklärte, es fänden keine formellen Gespräche statt; beide Seiten tauschten lediglich Mitteilungen aus. US-Außenminister Marco Rubio sagte, Washington sei weiterhin zu einer diplomatischen Einigung bereit. Iran handle jedoch nicht in gutem Glauben und habe nicht die Absicht, ernsthafte Verhandlungen aufzunehmen.
Trump warnte, die Vereinigten Staaten würden jedes Mal eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk zerstören, wenn Iran ein Schiff bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus angreife. Er drohte zudem mit Maßnahmen, falls die Huthi die Schifffahrt im Roten Meer behinderten, und stellte unabhängig davon Angriffe auf iranische Atomanlagen in Aussicht. Das iranische Militär entgegnete, Teheran werde im Fall einer Umsetzung dieser Drohungen sämtliche Ölströme durch den Golf stoppen und regionale Öl-, Erdgas-, Strom- und Wirtschaftsinfrastruktur angreifen.
Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist angesichts der zunehmenden Spannungen nahezu zum Erliegen gekommen. In der Nähe der Meerenge wurden bereits drei Tanker angegriffen. Das US-Zentralkommando erklärte, die jüngsten Operationen hätten iranischen Flugzeughangars, maritimen Kampffähigkeiten und Lagereinrichtungen für Drohnen gegolten. Ziel sei es gewesen, Irans Fähigkeit zu Angriffen auf die Handelsschifffahrt einzuschränken. Israelische Medien berichteten, die USA hätten Israel über Pläne zur Ausweitung ihrer Angriffe gegen Iran in den kommenden Tagen informiert. Unterdessen zog das Vereinigte Königreich sein diplomatisches Personal aus Iran ab.
Auch im Roten Meer nehmen die Risiken zu. Den Huthi wird vorgeworfen, Raketen und Drohnen für Angriffe auf Handelsschiffe in Stellung gebracht zu haben. Zudem kündigten sie eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Einige Schiffe setzten ihre Fahrten aus oder kehrten um, während andere die Region weiterhin passieren. Drei saudische Tanker brachen die Durchfahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab ab und änderten ihre Route über den Suezkanal. Während des Konflikts diente das Rote Meer als wichtige Route für saudische Exporte, die die Straße von Hormus umgehen sollten. Damit sind Rohöllieferungen aus dem Nahen Osten nun entlang zweier zentraler Schifffahrtskorridore Risiken ausgesetzt.
Niedrige Bestände und weitere Ausfälle verstärken die Rally
Die Angebotsrisiken beschränken sich nicht auf den Nahen Osten. Das Terminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC) an der russischen Schwarzmeerküste, über das der Großteil der kasachischen Rohölexporte abgewickelt wird, ist weiterhin Angriffen ausgesetzt. Die Verladungen am CPC-Terminal lagen im Juni bei durchschnittlich rund 1,7 Millionen Barrel pro Tag. Ein längerer Stillstand könnte Kasachstan letztlich dazu zwingen, seine vorgelagerte Förderung zu reduzieren.
Auch die Terminkurve signalisiert eine angespannte Versorgungslage. Die kurzfristigen Spreads für Brent und WTI haben sich auf eine Backwardation von mehr als 3 US-Dollar je Barrel ausgeweitet, verglichen mit nur wenigen Cent unter normalen Bedingungen. Diese Struktur zeigt, dass Händler bereit sind, für sofort verfügbare Lieferungen einen erheblichen Aufschlag zu zahlen.
Daten der US-Energieinformationsbehörde EIA zeigten, dass die kommerziellen Rohölbestände in der Woche bis zum 17. Juli entgegen den Erwartungen um 2 Millionen Barrel gestiegen sind. Dies entsprach dem zuvor vom American Petroleum Institute (API) gemeldeten Signal. Auch die Vorräte an raffinierten Produkten nahmen zu und sorgten damit kurzfristig für eine gewisse Entlastung. Der jüngste Aufbau der Rohölbestände war auf eine geringere Raffinerieverarbeitung und höhere Nettoimporte zurückzuführen. Die Bestände am Auslieferungszentrum Cushing blieben jedoch niedrig.
Dem Anstieg der kommerziellen Vorräte stand ein Rückgang der strategischen Erdölreserve um 5,1 Millionen auf 311,4 Millionen Barrel gegenüber. Damit fiel sie auf den niedrigsten Stand seit 1983. Die OECD-Bestände sind von 2,824 Milliarden Barrel Ende Februar auf 2,603 Milliarden Barrel gesunken. Die gesamten kommerziellen US-Vorräte gingen zugleich von 1,271 Milliarden auf 1,204 Milliarden Barrel zurück. Die Lagerlage ist daher deutlich angespannter als noch im März.
Der frühere Preisrückgang von mehr als 120 auf rund 70 US-Dollar wurde durch umfangreiche Lagerbestände, alternative Transportrouten, ein wachsendes Angebot außerhalb der OPEC+, Freigaben aus strategischen Reserven, Ausnahmen von Sanktionen, die Vergrößerung der Schattenflotte und eine preisbedingte Nachfrageschwächung begünstigt. Mehrere dieser Puffer sind inzwischen schwächer geworden. Die Vereinigten Staaten haben ihre Sanktionen gegen Iran wieder aufgenommen, Ausnahmeregelungen mit Bezug zu Russland sind ausgelaufen, und die Huthi-Blockade könnte saudische Exporte nach Asien beeinträchtigen. Ein Angriff auf die saudische Ost-West-Pipeline könnte Exporte von 5 Millionen Barrel pro Tag gefährden.
Produktbestände steigen, doch neue Engpässe belasten die Raffineriekapazität
Die US-Benzinbestände stiegen um 765.000 Barrel, während die Destillatvorräte um 1,395 Millionen Barrel zunahmen. Beide Werte lagen über den Erwartungen. Die Raffinerieauslastung blieb mit 96,1 % außergewöhnlich hoch, und die wöchentliche Benzinproduktion erreichte 9,7 Millionen Barrel. Das Nachfragewachstum allein reichte nicht aus, um dieses Produktionsniveau aufzunehmen.
Höhere Nettoimporte, Freigaben aus der strategischen Erdölreserve und die begrenzte dämpfende Wirkung hoher Preise auf den Verbrauch der Endkunden trugen ebenfalls zu dem unerwarteten saisonalen Anstieg der Produktbestände bei. Der Aufbau wurde als vorübergehendes Missverhältnis zwischen einem starken Angebot und einer schwächeren Nachfrage eingeordnet, nicht als Hinweis auf einen Einbruch des Verbrauchs.
Gleichzeitig kam es in drei großen Raffinerien in den Vereinigten Staaten, Europa und Afrika zu ungeplanten Ausfällen infolge von Bränden, hohen Temperaturen und betrieblichen Belastungen. Zusammen betrafen die Störungen Verarbeitungskapazitäten von mehr als 1 Million Barrel pro Tag. Selbst wenn sich die Rohölversorgung erholt, könnten Raffinerieengpässe die Kraftstoffproduktion begrenzen. Dies würde die angespannte Lage am Produktmarkt sowie die Risiken für Rohölströme durch Hormus und Bab al-Mandab zusätzlich verschärfen.
Als Nächstes bewerten die Märkte die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die Woche bis zum 18. Juli, die um 14:30 Uhr deutscher Zeit (08:30 Uhr ET) veröffentlicht werden. Darauf folgt um 16:30 Uhr deutscher Zeit (10:30 Uhr ET) der EIA-Bericht zu den Erdgasvorräten für die Woche bis zum 17. Juli. Auch die nachfolgenden Daten zu den US-Rohölbeständen und -exporten dürften verstärkt beachtet werden, da Käufer nach US-Barrels suchen, um mögliche Lieferausfälle aus dem Nahen Osten auszugleichen.
Ausblick für den Rohölmarkt: Einschätzungen globaler Marktteilnehmer
Dieser Abschnitt fasst die wichtigsten Einschätzungen globaler Finanzinstitute und Marktteilnehmer zum Rohölmarkt zusammen. Das RYOEX Research Team hat die jeweiligen Positionen auf Grundlage öffentlich verfügbarer Informationen zusammengefasst und neu strukturiert. Die Nennung einer Institution oder Person bedeutet nicht, dass diese RYOEX oder dessen Ansichten unterstützt.
TD Securities | Extremrisiken nehmen mit sinkenden iranischen Ölströmen zu
TD Securities erklärte, das Extremrisiko eines außergewöhnlich starken Ölpreisanstiegs nehme zu, da Iran seine Rohölströme weiter einschränke. Trendfolgende Fonds hätten zudem wieder mit Käufen begonnen, nachdem Brent über 93 US-Dollar je Barrel gestiegen sei.
Equinor | Niedrige Bestände verstärken die Folgen physischer Lieferausfälle
Torgrim Reitan, Finanzvorstand von Equinor ASA, erklärte, die gegenwärtige Lage unterscheide sich von früheren Phasen, weil die Bestände niedrig seien und am Markt kein offensichtlicher Angebotsüberschuss bestehe. Tatsächliche Lieferunterbrechungen könnten sich deshalb schneller in den Preisen niederschlagen.
Bernstein | Bei anhaltendem Konflikt und sinkenden Beständen könnte Brent über 100 US-Dollar steigen
Bernstein erwartet, dass Brent noch vor Jahresende über 100 US-Dollar je Barrel steigen könnte, falls der Nahostkonflikt anhält und die kommerziellen OECD-Bestände weiter sinken.
Goldman Sachs | Dreistellige Rohölpreise sind möglich, aber nicht das Basisszenario
Goldman Sachs erklärte, die Rohölpreise könnten wieder in den dreistelligen Bereich steigen. Ein solches Ergebnis sei jedoch nicht das Basisszenario der Bank.
XTB | Höhere Ölpreise verstärken den Inflations- und Kostendruck auf Haushalte
Kathleen Brooks, Research-Leiterin bei XTB, sagte, der Wochengewinn von mehr als 10 % bei Brent werde die Herausforderungen der weltweiten Zentralbanken im Kampf gegen die Inflation verschärfen. Höhere Energiekosten könnten zudem die Ausgaben der Haushalte erhöhen und ihr verfügbares Einkommen in der zweiten Jahreshälfte verringern. Der eskalierende Konflikt erhöhe die Risiken für globale Lieferketten und die Inflation.
TradeStation | Die akute Krise hat nachgelassen, doch der Versorgungsausblick bleibt fragil
David Russell, globaler Leiter der Marktstrategie bei TradeStation, erklärte, der Markt befinde sich noch nicht in einer unmittelbaren Energiekrise. Die aktuelle Entwicklung der Versorgung bleibe jedoch anfällig. Er beschrieb die Lage mit den Worten: „Der Schmerz hat nachgelassen, aber die Blutung hält an.“
ING | Brent über 91 US-Dollar spiegelt die anhaltenden Störungsrisiken noch nicht vollständig wider
Die ING-Strategen Warren Patterson und Ewa Manthey erklärten, die Hoffnung auf eine kurzfristige Waffenruhe zwischen den USA und Iran sei geschwunden, nachdem Trump unmittelbare Verhandlungen ausgeschlossen habe. Die Vereinigten Staaten hätten gerade die zwölfte Nacht in Folge Angriffe gegen Iran ausgeführt. Zugleich habe die von den Huthi angekündigte Seeblockade gegen Saudi-Arabien Schifffahrtsunternehmen verunsichert und mehrere Tanker dazu veranlasst, vor der Meerenge Bab al-Mandab umzukehren.
Nach Einschätzung der ING zwingt die Umleitung Tanker dazu, beim Ein- oder Auslaufen in das beziehungsweise aus dem Roten Meer den Suezkanal zu nutzen. Dadurch erhöhten sich Zeitaufwand und Kosten für Fahrten nach Asien deutlich. Je länger der Betrieb am CPC-Terminal gestört bleibe, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass Kasachstan seine vorgelagerte Förderung reduzieren müsse.
Angesichts erneuter Störungen am Persischen Golf, der Risiken für saudische Rohölexporte durch das Rote Meer und der Entwicklungen am Schwarzen Meer hielt die ING einen Brent-Preis von knapp über 91 US-Dollar je Barrel für unterbewertet – insbesondere, falls die Störungen bis in den August anhielten. Eine Entlastung würde voraussetzen, dass sich die Ölströme aus dem Nahen Osten normalisieren und Raffinerien im Nahen Osten und in Asien ihre Auslastung erhöhen können. Zudem müssten die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien nachlassen.
Marktanalyse | Öl könnte in einer breiten Spanne nahe dem oberen Ende gehandelt werden
Das am 17. Juni von Iran und den Vereinigten Staaten unterzeichnete Memorandum of Understanding wird von beiden Seiten deutlich unterschiedlich ausgelegt. Nach der iranischen Version würde Iran den Schiffsverkehr überwachen, Schiffe müssten nach Norden fahren, und nach 60 Tagen könnten Gebühren erhoben werden. Die US-Version sieht einen bedingungslosen Zugang vor, erlaubt Schiffen die Nutzung der südlichen Fahrrinne und untersagt Gebühren. Eine einseitige Kontrolle der Schifffahrtsroute würde gegen internationales Recht verstoßen, wodurch das Dokument für Missbrauch offenbliebe.
Die Analyse erwartet, dass eine Waffenruhe letztlich wiederhergestellt wird, rechnet jedoch nicht mit dauerhafter Stabilität. Sie argumentiert, Iran habe erkannt, dass sein strategischer Einfluss über die Straße von Hormus größer sei als derjenige, den sein Atomprogramm biete. Ein dauerhafter Frieden gilt als unwahrscheinlich, während ein Rückzug der USA einer öffentlichen Demütigung gleichkäme. Ein Sturz der iranischen Regierung würde Bodentruppen und monatelange Operationen erfordern und könnte den Ölpreis deutlich über 100 US-Dollar je Barrel treiben.
Die Einschätzung betrachtet einen erneuten Anstieg über 100 US-Dollar nicht als unausweichlich. Erwartet wird eine breite Handelsspanne zwischen 70 und 100 US-Dollar, möglicherweise näher am oberen Ende. Vor den Zwischenwahlen im November sieht die Analyse kaum Aussicht auf eine grundlegende Veränderung.
Wichtige Charts zum Rohölmarkt
Dieser Abschnitt stellt Charts vor, die die jüngsten Bewegungen am Rohölmarkt anhand von Veränderungen bei Angebot, Nachfrage und Marktstimmung veranschaulichen. Die Charts und Daten basieren auf Informationen Dritter. Sie geben weder die Ansichten von RYOEX wieder noch sind sie ein Hinweis auf künftige Preisbewegungen. Angesichts des Risikos plötzlicher Marktschwankungen bleibt ein angemessenes Risikomanagement unerlässlich.
EIA-Rohölbestände steigen stärker als erwartet
Nach Angaben der EIA stiegen die US-Rohölbestände in der Woche bis zum 17. Juli stärker als erwartet. Damit bestätigte sich das zuvor vom API gelieferte Signal. Die jüngsten Daten wechselten zwischen Bestandsaufbauten, Rückgängen und erneuten Aufbauten. Der aktuelle Anstieg war vor allem auf eine geringere Raffinerieverarbeitung und höhere Nettoimporte zurückzuführen. Gleichzeitig ist die strategische Erdölreserve auf ein Mehrjahrzehntetief gefallen, und die Bestände in Cushing bleiben niedrig.
Da die Ölströme durch die Straße von Hormus nahezu zum Stillstand gekommen sind und für die Meerenge Bab al-Mandab eine Blockadedrohung besteht, signalisiert ein einzelner wöchentlicher Bestandsaufbau für sich genommen noch keine Umkehr des übergeordneten Verhältnisses von Angebot und Nachfrage.
Benzin- und Destillatbestände verzeichnen unerwartete Zuwächse
Die Benzinbestände stiegen um 765.000 Barrel, während die Destillatvorräte um 1,395 Millionen Barrel zunahmen. Beide Werte lagen über den Erwartungen. Die Raffinerieauslastung blieb bei 96,1 %, und die wöchentliche Benzinproduktion erreichte 9,7 Millionen Barrel. Höhere Nettoimporte, Freigaben aus der strategischen Erdölreserve und ein gewisser Nachfragedruck durch hohe Preise trugen zu den unerwarteten Bestandsaufbauten bei.
Die Zuwächse sprechen eher für ein vorübergehendes Missverhältnis zwischen starkem Angebot und schwächerer Nachfrage als für einen Einbruch des Kraftstoffverbrauchs.
US-Rohölförderung gibt leicht nach
Der Chart zeigt einen moderaten Rückgang der US-Rohölförderung, während der Markt US-Barrels größere Bedeutung beimisst, um mögliche Lieferausfälle aus dem Nahen Osten auszugleichen.
Ungeplante Raffinerieausfälle betreffen mehr als 1 Million Barrel pro Tag
Drei große Raffinerien in den Vereinigten Staaten, Europa und Afrika mussten infolge von Bränden, hohen Temperaturen und betrieblichen Belastungen ungeplant heruntergefahren werden. Die Ausfälle betrafen zusammen Verarbeitungskapazitäten von mehr als 1 Million Barrel pro Tag.
Die Störungen zeigen, dass sich die angespannte Lage von der Rohölversorgung auf die Märkte für raffinierte Produkte ausgeweitet hat. Selbst wenn sich die Rohölströme erholen, könnte die reduzierte Raffineriekapazität die Kraftstoffproduktion begrenzen, während die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und die Meerenge Bab al-Mandab weiterhin unter Druck steht.
Zusammenfassung
Die Rohölpreise setzten ihre Rally fort, nachdem die Vereinigten Staaten und Iran die Aussicht auf kurzfristige Gespräche gedämpft hatten. Angriffe bedrohten die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und das Rote Meer, während Störungen am CPC-Terminal ein weiteres Angebotsrisiko darstellten. Unerwartete Zuwächse bei den US-Rohöl- und Produktbeständen boten nur einen begrenzten Puffer. Niedrige OECD-Vorräte, die strategische Erdölreserve auf dem tiefsten Stand seit 43 Jahren und ungeplante Raffinerieausfälle ließen den Gesamtmarkt anfällig bleiben.
Die nächsten angesetzten Impulse sind die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 14:30 Uhr deutscher Zeit (08:30 Uhr ET) und der Erdgas-Speicherbericht der EIA um 16:30 Uhr deutscher Zeit (10:30 Uhr ET). Anschließend dürften die US-Rohölbestände, Exporte sowie die Schifffahrtsbedingungen im Nahen Osten und am Schwarzen Meer verstärkt in den Fokus rücken.
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