Nvidia baut Unterstützung für KI-Kunden aus und verstärkt den Finanzierungskreislauf
Investitionen und Kreditabsicherung
Der US-Chiphersteller Nvidia entwickelt sich über die Rolle eines Halbleiterentwicklers hinaus zu einem Geldgeber für die gesamte Künstliche-Intelligenz-Branche. Mit der Bereitstellung von Mitteln für den Kauf von Chips und mit Kreditgarantien für Kunden schafft das Unternehmen selbst Nachfrage. Das kann die tatsächliche Investitionsnachfrage im KI-Sektor verschleiern und in einer Abschwungphase das Risiko für die gesamte Branche erhöhen.
Nvidias Finanzierung lässt sich grob in zwei Bereiche einteilen. Zum einen investiert das Unternehmen mit seinen hohen Barmitteln direkt in KI-Startups und andere Firmen. Zum anderen stützt es Kunden mit extern eingeworbenem Kapital. In beiden Fällen trägt der Anbieter selbst einen Teil der Kosten für den Kauf der GPUs, die für die KI-Entwicklung nötig sind, sodass ein Finanzierungskreislauf entsteht.
Auf Basis einer Analyse des US-Forschungsunternehmens CB Insights hat die Nikkei Securities Group die Offenlegungen des vergangenen Jahres ausgewertet. Demnach kam Nvidia bei Investitionen in KI-Unternehmen, Cloud-Startups und andere Kunden oder potenzielle Kunden auf mindestens 24 Fälle. Allein die sieben Unternehmen, die Investitionssummen offenlegten, kamen zusammen auf 48,6 Milliarden Dollar, rund 7,7 Billionen Yen.
Das größte Einzelgeschäft ist die Beteiligung über 30 Milliarden Dollar an der US-Firma OpenAI, die hinter ChatGPT steht. Zudem entschied sich Nvidia für eine Investition von bis zu 10 Milliarden Dollar in Anthropic und stellt auch Cloud-Startups wie CoreWeave Mittel zur Verfügung. Unter Einbeziehung nicht offengelegter Startups dürfte das Volumen noch deutlich größer sein.
Es ist schwer, diese Beteiligungen klar von reinen Finanzinvestitionen zu trennen. Doch viele der finanzierten Unternehmen dürften das Geld für den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten einsetzen. Damit fließen Umsätze an Nvidia zurück, das im Markt für KI-Halbleiter einen weltweiten Anteil von mehr als 70 Prozent hält. Das ähnelt dem sogenannten Vendor Financing, wie es zur Zeit der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 zu beobachten war, als Hersteller den Kauf ihrer Produkte durch Kunden unterstützten.
Externe Mittel und Kreditabsicherung
Neben Direktinvestitionen baut Nvidia auch die Unterstützung von Kunden mit externem Kapital aus. Am 10. des Monats teilte das Unternehmen mit, gemeinsam mit sechs großen Finanzhäusern, darunter Apollo Global Management und BlackRock, eine Struktur zu schaffen, die den Ausbau der KI-Infrastruktur bei Kunden vorantreiben soll. Die Finanzgruppen wollen von externen Investoren Mittel in Höhe von 500 Milliarden Dollar, rund 80 Billionen Yen, einsammeln und einen Fonds für den Kauf von Nvidia-Halbleitern auflegen.
Aufstrebende KI-Unternehmen schließen mit diesem Fonds Leasingverträge ab und nutzen so die Chips. Nvidia garantiert einen bestimmten Anteil des Restwerts der Ausrüstung nach Ende der Leasinglaufzeit, und die KI-Firmen können sich dank der Bonität des Konzerns zu niedrigen Zinsen verschulden. Am 17. des Monats kündigte Nvidia zudem an, für die Miete eines riesigen OpenAI-Rechenzentrums im US-Bundesstaat Ohio im Mittleren Westen Zahlungen von bis zu 105 Milliarden Dollar zu garantieren. Indem Nvidia das Ausfallrisiko von OpenAI übernimmt, stützt es die Finanzierung eines Unternehmens der SoftBank Group, das die Anlage entwickelt.
Zurückweisung des Vorwurfs eines Kreislaufs
CEO Jensen Huang betont, dass es sich bei diesen Geschäften nicht um Kreislaufinvestitionen handle. An der Struktur ändert das jedoch wenig: Nvidia stellt selbst nicht das Geld bereit, übernimmt aber finanzielle Risiken der Kunden und erleichtert so den Produktkauf.
Nvidia stützt Kunden mit Direktinvestitionen und Kreditlinien, weil viele junge KI-Unternehmen die Mittel für den Chipkauf nicht aus eigener Kraft aufbringen können. Anders als Hyperscaler wie Amazon.com befinden sie sich noch in der Phase der Monetarisierung und verfügen nicht über die Bonität, um ausreichend Kapital für den Ausbau einzusammeln. Auch die großen Technologiekonzerne haben ihre Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen ausgeweitet, ihre Kaufkraft ist damit begrenzt.
Um den Kundenkreis zu erweitern, fungiert Nvidia selbst als eine Art Fonds der KI-Branche und hält so das hohe Wachstum aufrecht. Dieses Muster ist nicht auf Nvidia beschränkt. Advanced Micro Devices kündigte im Juli an, bis zu 5 Milliarden Dollar direkt in das US-KI-Unternehmen Anthropic zu investieren. Auch Broadcom unterstützt den Kauf seiner kundenspezifischen Chips über faktische Schuldgarantien.
Google hat im Jahr 2025 mindestens vier Verträge mit US-Startups und anderen Firmen abgeschlossen, die die Rückzahlung von Mitteln im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren absichern. Ziel dürfte die Ausweitung des Absatzes eigener KI-Chips und die Sicherung von Rechenressourcen sein. Die Kreditabsicherungen der Muttergesellschaft Alphabet gegenüber externen Unternehmen beliefen sich Ende Juni auf 51,4 Milliarden Dollar.
Die US-Ratingagentur Moody's warnte in einem Bericht vom Juli, die gegenseitige Abhängigkeit von KI-Entwicklern, Hyperscalern und Halbleiterfirmen könne eine Kreislaufstruktur schaffen, die die tatsächliche Nachfrage verdeckt. Bislang gibt es keine Anzeichen für eine Abschwächung der KI-Nachfrage. Doch die Unternehmensverflechtungen rund um Nvidia ziehen Wall Street immer stärker hinein und werden komplizierter. Sollte es bei einem Startup zu einem Zahlungsausfall kommen, dürfte die Sorge vor systemischen Risiken wachsen. Der KI-Kapitalmarkt expandiert weiter, während er Teilnehmer und frisches Geld anzieht.
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