Weltweite Zinsanstiege greifen um sich, Japans Langfristrenditen steigen tagelang weiter
Weltweiter Aufwärtsdruck
Weltweit greifen Zinsanstiege ineinander. Wegen der Wachsamkeit gegenüber der Lage im Nahen Osten bleibt das Rohöl teuer, der Inflationsdruck hält an, und auch Haushaltsrisiken in einzelnen Ländern und Regionen sowie milliardenschwere Anleiheemissionen von KI-Unternehmen belasten die Anleihemärkte.
Am 18. Handelstag am japanischen Anleihemarkt stieg die Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen zwischenzeitlich auf 2,945 Prozent. Das war 0,025 Prozentpunkte über dem Vortag und markierte den dritten Tag in Folge ein 30-Jahres-Hoch seit September 1996. Auch die Rendite 30-jähriger Anleihen legte um 0,085 Prozentpunkte auf 4,155 Prozent zu und näherte sich dem im Mai erreichten Höchststand von 4,200 Prozent.
Hinter dem Renditeanstieg stehen neben heimischen Faktoren wie der Erwartung einer beschleunigten Zinserhöhung der Bank von Japan und der expansiven Fiskalpolitik der Regierung Takaichi Sanae auch steigende Langfristrenditen im Ausland. In den USA kletterte die Rendite 30-jähriger Anleihen am 17. über 5,3 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 19 Jahren seit 2007. Die Rendite 10-jähriger Papiere lag bei 4,7 Prozent und rückte damit an die 4,8 Prozent von Januar 2025 heran. In Europa stieg die französische Langfristrendite in den Bereich von 4 Prozent und markierte ein 17-Jahres-Hoch, während Deutschland mit 3,2 Prozent auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren liegt.
Drei Treiber des Anstiegs
Der weltweite Zinsanstieg wird von drei Kräften getragen: dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran, Haushaltsbedenken und der Ausweitung von KI-bezogenen Investitionen. Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran kamen mit Blick auf die im Memorandum zur Beendigung der Kämpfe festgelegte 60-tägige Verhandlungsfrist nicht voran, und auch eine Verlängerung gelang nicht. Beide Seiten verschärften ihre Vorwürfe, und der Iran kündigte an, die Angriffsbereitschaft zu erhöhen.
Daraufhin setzte sich am Ölmarkt der Aufwärtstrend fort, und der Inflationsdruck führte zu Verkäufen bei Anleihen. Finanzseitig weitet sich das US-Defizit weiter aus. Das Haushaltsdefizit der ersten zehn Monate bis Juli erreichte 1,7988 Billionen Dollar, umgerechnet etwa 290 Billionen Yen, und lag damit bereits über dem Vorjahreswert. Kenji Yamamoto, Chefmarktökonom bei Daiwa Securities, sagt, mit Blick auf die Zwischenwahlen im November seien Debatten über strengere Haushaltsdisziplin schwer vorstellbar.
Auch in Frankreich rückt die Präsidentschaftswahl 2027 näher, und der rechtsextreme Oppositionsblock Rassemblement National (RN) unter der früheren Parteichefin Marine Le Pen fordert eine expansive Finanzpolitik. Im Jahr 2025 sorgte politische Unruhe für Schlagzeilen, etwa als der Premierminister bereits einen halben Tag nach der Kabinettsbildung seinen Rücktritt einreichte. Ein Spitzenmanager eines europäischen Vermögensverwalters verweist darauf, dass die Regierung nicht über die Fähigkeit verfüge, das Defizit einzudämmen.
Haushaltsrisiken und KI-Investitionen
Vor allem in den USA belastet auch der Boom bei KI-Investitionen das Angebot und die Nachfrage am Anleihemarkt. Hyperscaler finanzieren Investitionen in Rechenzentren über umfangreiche Anleiheemissionen, und Alphabet entschied sich in diesem Monat für die Ausgabe von Dollar-Anleihen im Umfang von 25 Milliarden Dollar.
Die Bonität von Technologieunternehmen gilt inzwischen nicht selten als mindestens ebenbürtig mit jener von Staaten, und die Erwartung wächst, dass neue High-Yield-Anleihen Kapital aus Staatsanleihen abziehen. Ed Al-Hussaini von Columbia Threadneedle Investments sagte, der Wettbewerb zwischen US-Staatsanleihen und Anleihen von Tech-Unternehmen werde vor allem bei Laufzeiten von mehr als 30 Jahren schärfer.
Zurückhaltung beim schnellen Einstieg
Auch die Ansicht, dass KI die Inflation beschleunigen könnte, gewinnt an Boden. In den am 10. veröffentlichten 'Hauptmeinungen' der geldpolitischen Sitzung der Bank von Japan im Juli wurde ebenfalls hervorgehoben, dass die weltweite KI-Nachfrage und die expansiven Fiskalpolitiken der einzelnen Länder die Nachfrage stützen und die Preise weiter nach oben treiben könnten.
Allein gemessen am Renditeniveau wirkt ein Einstieg zwar attraktiv, doch angesichts des allmählichen Anstiegs durch mehrere Faktoren ist es schwierig, einen Auslöser für sinkende Zinsen zu erkennen. H. Oizumi, Leiter der Wertpapierabteilung bei Fukoku Life Insurance, sagte, es gebe derzeit keinen Anlass, Käufe zu überstürzen. Am Markt überwiegt daher Zurückhaltung.
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