Tokyo-Aktien drehen mit steigenden Zinsen nach unten, Verkäufe weiten sich auf Immobilien und Versicherungen aus
Steigende Zinsen belasten den Markt
Am 18. Handelstag in Tokio drehte der Nikkei-225 ins Minus und schloss 1759 Punkte tiefer bei 67.460 Punkten. Gestützt von der robusten Unternehmensberichterstattung hatte sich der Markt zwar zunehmend in Richtung eines ertragsgetriebenen Handels bewegt, doch die weltweite Zinssteigerung wirkte als Belastung. Mit Blick auf mögliche Folgen für die Gewinne kam es zu Verkäufen bei großen Immobilienkonzernen und bei Teilen der Versicherungsaktien.
Höhere Inlandszinsen als Warnsignal
Am 18. Handelstag am heimischen Anleihemarkt stieg die Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen zeitweise auf 2,945 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 30 Jahren. Neben den Sorgen über eine Verschlechterung der Staatsfinanzen verstärkte sich die Erwartung, die Bank of Japan könnte zu deutlicheren Zinserhöhungen gezwungen sein. Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz und Halbleiter gelten wegen ihres Bewertungsniveaus als besonders anfällig, zugleich wachsen die Sorgen über höhere Finanzierungskosten und die Folgen für den privaten Konsum.
Verkäufe bei Immobilien und Versicherern
Immobilienaktien reagieren besonders empfindlich auf steigende Zinsen. Bei Unternehmen mit hoher verzinslicher Verschuldung steigen die finanziellen Belastungen, zudem droht eine Verschlechterung der Rentabilität von Entwicklungsprojekten. Am 18. Handelstag markierten Mitsubishi Estate, Mitsui Fudosan und Sumitomo Realty & Development gemeinsam neue Jahrestiefs. Auch bei Versicherungswerten kam es zu Verkäufen, darunter Tokio Marine Holdings und T&D Holdings. Zwar können steigende Zinsen auch das Anlageumfeld verbessern, zunächst rückt jedoch meist der wachsende Bewertungsverlust bei in- und ausländischen Anleihen in den Vordergrund.
Breitere Suche nach Gewinnern
Nachdem die Ergebnisveröffentlichungen der Unternehmen mit Geschäftsjahresende im März weitgehend abgeschlossen sind, verlagert sich der Markt zunehmend zu einem ertragsgetriebenen Handel, der auf dem Gewinnwachstum der Unternehmen basiert. Für das am 31. März 2027 endende Geschäftsjahr der börsennotierten Unternehmen wird ein Rekordgewinn erwartet. Am 18. Handelstag machten Kursgewinner unter den im Prime-Segment gelisteten Unternehmen an der Tokioter Börse rund 50 Prozent aus und lagen damit über dem Anteil der Verlierer von 40 Prozent. Getragen wird der Markt nicht nur von KI-Halbleiterwerten, sondern von einem breiteren Spektrum an Branchen mit soliden Ergebnissen.
Unter den Nikkei-225-Mitgliedern seit Ende Juli legte Yamaha Motor um mehr als 40 Prozent zu, auch Omron gewann 30 Prozent. Bankenaktien profitierten ebenfalls von den Erwartungen an höhere Zinsen, und einige Regionalbanken wie Fukuoka Financial Group und Chiba Bank erreichten neue Jahreshochs. Chisa Kobayashi, Strategin bei UBS SuMi TRUST Wealth Management, geht davon aus, dass eine Rückkehr zu einem nahezu ausschließlich auf KI ausgerichteten Marktumfeld schwierig ist und Anleger eher in Titel mit hoher Wettbewerbsfähigkeit und verlässlichem Gewinnwachstum umschichten dürften.
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