Starke Gewinnaussichten lassen Nikkei-Index-Prognose für Ende 2026 auf 75.000 Punkte überwiegen
Die Erwartung steigender Kurse am japanischen Aktienmarkt nimmt zu. Unter Finanzinstituten wächst die Ansicht, dass der Nikkei-Index bis Ende 2026 bei rund 75.000 Punkten liegen wird. Nach den Ergebnissen für das Quartal April bis Juni haben sich die Erwartungen an ein Gewinnwachstum japanischer Unternehmen erhöht, und ein Szenario, in dem das im Juni erreichte Rekordhoch übertroffen wird, gilt als am wahrscheinlichsten.
Hochstufungen der Prognosen
Auf die Einschätzung des Nikkei-Index bei zehn Wertpapierhäusern und Banken angesprochen, lag die zentrale Prognose für Ende 2026 bei rund 75.000 Punkten. Citigroup Securities lag mit 90.000 Punkten am höchsten, gefolgt von Daiwa Securities mit 80.000 Punkten. Am niedrigsten war Okasan Securities mit 64.600 Punkten.
Seit Juni haben mehrere Häuser ihre Jahresendprognosen nacheinander angehoben. Mitte August, als die Ergebnisse für das Quartal April bis Juni 2026 weitgehend vorlagen, korrigierte auch Nomura Securities seine frühere Prognose von 68.000 auf 70.000 Punkte nach oben.
Tomoya Kitaoka, Chief Equity Strategist bei Nomura Securities, sagte, das Quartal April bis Juni mit einer Reihe starker Ergebnisse sei im positiven Sinne eine Überraschung gewesen. Sollten die soliden Geschäfte auch im nächsten Halbjahr April bis September anhalten, hält er einen Anstieg über 70.000 Punkte hinaus für durchaus möglich.
Rekordhoch in Sicht
Der Nikkei-Index hat seinen Aufwärtstrend seit Jahresbeginn verstärkt, getragen von Aktien aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Halbleiter, darunter Kioxia Holdings. Am 25. Juni erreichte er mit 72.366 Punkten ein Allzeithoch, geriet danach jedoch unter Korrekturdruck, da Überhitzung bei globalen KI-bezogenen Investitionen stärker wahrgenommen wurde.
Ende Juli fiel der Index auf etwas über 60.000 Punkte, erholte sich jedoch mit Beginn der Berichtssaison wieder, gestützt auf die verbesserte Geschäftsentwicklung der Unternehmen. Inzwischen hat er sich auf die obere Hälfte der 68.000er-Marke zurückbewegt, womit die 70.000-Punkte-Schwelle erneut in Sicht kommt. Masatsugu Akutsu, Chief Japan Equity Strategist bei BofA Securities, sagte: 'Der Sommergewitterzug ist vorüber. Künftig dürfte sich die Nachfrage auch auf zurückgebliebene Binnenwerten ausweiten.'
Marktteilnehmer gehen zunehmend davon aus, dass das Gewinnniveau japanischer Unternehmen weiter steigen wird. Nach Angaben von QUICK und FactSet liegen die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie in den kommenden zwölf Monaten der im TOPIX enthaltenen Unternehmen etwa 9% über dem Stand von Ende März.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, ein Maßstab für Aktienbewertungen, wird berechnet, indem der Kurs durch das EPS geteilt wird. Steigt das EPS im Nenner in der Zukunft, rückt ein niedrigeres erwartetes KGV in den Fokus, was den Eindruck von günstig bewerteten Aktien verstärkt. Auch darin sehen einige Marktbeobachter einen möglichen Kaufimpuls für die Zukunft.
Vorsicht vor KI-Investitionen lässt nach
Zugleich hat sich die übermäßige Vorsicht gegenüber KI-Investitionen etwas abgeschwächt. Ryota Sakagami, Aktienstratege bei Citigroup Securities, der für den Nikkei-Index 90.000 Punkte prognostiziert hatte, nennt als Grund, dass der Investitionswille der sogenannten Hyperscaler, also großer Cloud-Anbieter, weiterhin stark sei.
Auch in den USA gingen seit Juli die Berichte zur Ergebnisaison für das Quartal April bis Juni weiter. Unternehmen wie Microsoft signalisierten neben der derzeit robusten Geschäftsentwicklung die Absicht, die groß angelegten Investitionen etwa in Rechenzentren fortzusetzen.
Als Kurstreiber für den Rest des Jahres stehen neben der KI auch die Geldpolitik in Japan und den USA im Fokus. Bei der Bank of Japan wird am Markt eine Zinserhöhung bereits so früh wie im September eingepreist. Sollte die Yen-Schwäche korrigiert werden und so zur Eindämmung der Inflation beitragen, könnte sich über eine Erholung des Konsums der Wachstumsspielraum für Einzelhandel und Lebensmittelwerte erweitern. Auch die Erwartung an die von Sanae Takaichi in ihrer Wachstumsstrategie betonte Content-Industrie bleibt ausgeprägt.
Gleichwohl bleiben Risiken. Zwar gibt es Stimmen, die auf eine Normalisierung der Lage im Nahen Osten hoffen, doch der Ausblick ist weiterhin unklar. In den USA stehen im November Zwischenwahlen an, und Berichte sprechen von einer Schwäche der regierenden Republikaner. Je nach Ausgang bleibt auch die Sorge bestehen, dass die Amtsführung von Präsident Trump ins Stocken geraten könnte.
Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities setzte seine Jahresendprognose für den Nikkei-Index auf 68.000 Punkte. Kohei Onishi, leitender Forschungsanalyst für Anlagestrategie bei dem Haus, sagte: 'Es ist möglich, dass der Index vorübergehend dem Rekordhoch nahekommt, doch die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten in Japan und den USA sind nicht zu ignorieren.' Während der Rückenwind aus der Ergebnisverbesserung stärker wird, bleibt eine Phase erforderlich, in der auch die Risikofaktoren im Blick behalten werden.
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