Deutliche Erholung: Israels BIP legte im Zeitraum April bis Juni um 15,4% auf Jahresbasis zu
Deutliche Konjunkturerholung
Das vom israelischen Zentralamt für Statistik am 16. veröffentlichte reale BIP Israels (Bruttoinlandsprodukt, saisonbereinigt) stieg im Zeitraum April bis Juni 2026 auf Jahresbasis um 15,4% gegenüber dem Vorquartal. Durch den im Juni vereinbarten Waffenstillstand zwischen den USA und Iran erholte sich die Wirtschaftstätigkeit.
Deutlich über den Markterwartungen
Das Ergebnis lag weit über der vorab von der US-Nachrichtenagentur Bloomberg genannten Prognose von 8,3%. Nachdem seit Ende Februar in ganz Israel iranische Raketenangriffe anhielten und die Behörden Pendeln, Schulwege und den Betrieb von Gewerbeimmobilien erheblich einschränkten, war das erste Quartal mit einem Minus von 2,2% noch rückläufig.
Exporte und Investitionen erholen sich
Im Zeitraum April bis Juni legten die Exporte um 25,2% zu, auch der private Konsum verbesserte sich. Der Unternehmenssektor wuchs um 16,6%. Neben der Stärke der Hightech-Branche, die rund ein Fünftel des BIP ausmachen soll, zog den Angaben zufolge auch die Verteidigungsindustrie, deren Leistungsfähigkeit sich im realen Einsatz bestätigt hat, Nachfrage aus dem In- und Ausland an. Die Staatsausgaben stiegen um 19,5%.
Zentralbank hebt Wachstumsprognose an
Falls der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran Bestand hat, dürfte sich das Wachstum weiter beschleunigen, so die verbreitete Einschätzung. Auch die Erwartung, dass die Einberufung von Reservisten deutlich zurückgeht und der Arbeitskräftemangel nachlässt, stützt diese Sicht.
Israel verzeichnet seit dem Angriff der islamistischen Hamas im Jahr 2023 weiterhin nur geringes Wachstum. Da Arbeitskräfte für den Reservedienst herangezogen wurden und zudem die Aufnahme palästinensischer Arbeiter eingeschränkt wurde, hatte sich der Arbeitskräftemangel verschärft.
Die israelische Zentralbank hob im Juli ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2026 von 3,8% auf 4% an. Sie begründete dies damit, dass sich mit dem Waffenstillstand zwischen den USA und Iran die Reservisten wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten und sich die Beschränkungen auf dem Arbeitsmarkt lockerten. Sollte es zudem zu keinen neuen Kämpfen gegen Iran kommen und die Militäroperationen im Libanon zurückgefahren werden, rechnet sie für 2027 mit einem Wachstum von 5,5%.
Israels Investmentgesellschaft Value Gateway Capital Partners und deren geschäftsführender Partner sowie CEO, Bar Klara Mendez Macconon, sagte: 'Die israelische Wirtschaft wird durch Krisen eher stärker. Kapital und personelle Ressourcen können in aussichtsreichere Branchen umgelenkt werden, um Wachstum zu erzielen.'
Die Zentralbank senkte im Juli zum zweiten Mal in Folge bei zwei aufeinanderfolgenden Sitzungen den Leitzins auf 3,5% pro Jahr. Sie verwies unter anderem darauf, dass der Aufwärtsdruck auf die Preise infolge des Konflikts mit Iran nachgelassen habe, und stellte weitere Zinssenkungen in Aussicht. Sollte dies umgesetzt werden, wäre das ein weiterer Stützfaktor für die Konjunktur.
Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe mit Iran kommen jedoch nicht voran. Israel setzt seine Militäroperationen im Libanon und im palästinensischen Gazastreifen fort, sodass das von der Zentralbank gezeichnete Wachstumsszenario weiterhin scheitern könnte.
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