Mehr entdeckte KI-Schwachstellen setzen die Behebung unter Druck, Gegenmaßnahmen verlagern sich in die Entwicklungsphase
Diagnose in der Entwicklungsphase im Fokus
Neu entdeckte Schwachstellen in Software erreichten in den sechs Monaten von Januar bis Juni 2026 36.000 Fälle. Mit dem Auftreten fortgeschrittener KI (künstliche Intelligenz) wie dem 'Claude Mythos' des US-Start-ups Anthropic stieg die Zahl der Entdeckungen, und das Risiko wächst, dass menschliche Korrekturen nicht hinterherkommen.
Schwachstellen bezeichnen Zustände, bei denen Fehler oder Mängel im den Softwarebetrieb steuernden Code dazu führen können, dass sich Programme anders als vorgesehen verhalten. Sie können zu Systemausfällen oder unbefugtem Zugriff führen, ebenso zu Datenabflüssen durch SQL-Injection oder Fehlfunktionen durch ausgenutzte Buffer-Overflows. Die Zahl der neuen Einträge in der weltweit veröffentlichten Schwachstellen-Datenbank CVE stieg 2025 auf rund 48.000 und lag damit 1,9-mal höher als 2022. Bis Juni 2026 waren bereits rund 36.000 erreicht.
Asymmetrie zwischen Angriff und Verteidigung
Anthropic erklärte, mit Mythos eine große Zahl von Schwachstellen gefunden zu haben, und die verbesserte Leistungsfähigkeit von KI gilt als ein Faktor für den Anstieg der Erkennungen. Nicht veröffentlichte Schwachstellen werden als 'Zero-Day' bezeichnet, und fortgeschrittene KI findet auch solche, die jahrelang übersehen wurden. Für die Behebung sind jedoch sorgfältige Prüfungen unter begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen nötig. Auch das US National Institute of Standards and Technology (NIST), das die Analyse von Schwachstellen übernimmt, hat erklärt, dass es seine Reaktion auf Fälle mit hoher Dringlichkeit beschränken will.
Junichi Murakami, Partner bei PwC Consulting, weist darauf hin, dass die von Cybersecurity-Behörden in Europa und Großbritannien sowie vom japanischen Innen- und Kommunikationsministerium veröffentlichten Leitlinien nicht von einer autonomen Behebung von Schwachstellen durch KI ausgehen. 2024 führte ein Update der Sicherheitssoftware von CrowdStrike in den USA zu einem großflächigen Ausfall von Windows, dem Betriebssystem von Microsoft. Während Angreifer von KI entdeckte Schwachstellen nach Belieben ausnutzen können, müssen Verteidiger sie nach Prüfung durch Experten beheben. Der Cyberkonflikt rund um KI neigt damit zu einer asymmetrischen Lage, in der die Angreifer im Vorteil sind.
Bedeutung von Prüfungen vor der Bereitstellung
Für Unternehmen und Organisationen ist die wirksamste Nutzung die Schwachstellenprüfung während der Entwicklung und vor der Bereitstellung. Bisher war es üblich, Software rasch zu veröffentlichen und bei Problemen nach dem Launch zu aktualisieren, doch mit KI lassen sich Schwachstellen möglicherweise kostengünstig reduzieren. Künftig ist auch denkbar, dass Auftraggeber vertraglich Prüfungen vor der Bereitstellung verlangen.
Es ist riskant, KI Schwachstellen, die erst nach der Veröffentlichung entdeckt wurden, autonom beheben zu lassen, doch als Unterstützung für Fachkräfte ist der Einsatz denkbar. Entscheidend wird es sein, die für Korrekturen benötigte Zeit zu verkürzen und mit begrenztem Personal reagieren zu können. Dennoch ist es schwierig, Schwachstellen vollständig zu beseitigen. Die Japanische Software-Vereinigung, ein Allgemeiner Incorporated Verein in Tokio-Minato, veröffentlichte im Juli einen Vorschlag, wonach es Fälle geben kann, in denen laufende Systeme oder angebotene Dienste zur Behebung von Schwachstellen gestoppt werden müssen. Künftig könnten Serviceunterbrechungen und der Wechsel zu Ersatzdiensten zunehmen.
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