Mehr Spielraum für Kooperation durch den Bevölkerungsrückgang - Reorganisationsdruck auf Luftfahrt und Convenience-Stores
Die japanische Bevölkerung ist im Januar erstmals seit 42 Jahren unter 120 Millionen gefallen. Mit dem sich vertiefenden Bevölkerungsrückgang rückt die Industrie von einem reinen Wettbewerbsmodus zunehmend in eine Phase, in der nach Kooperation gesucht wird.
Luftfahrt: Von Konkurrenz zu Zusammenarbeit
All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) haben sich bislang in harter Konkurrenz und mit anhaltenden Spannungen gegenübergestanden, sind angesichts sinkender Rentabilität im Inlandsverkehr nun aber auf Kooperation umgeschwenkt. Während steigende Kosten einschließlich Treibstoff die operative Lage verschärfen, fasste das Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus im Mai Gegenmaßnahmen zusammen, darunter auch Regelungen, die eine Abstimmung der Flugpläne zwischen Unternehmen unter Einbeziehung der Fair Trade Commission erlauben.
Auf Regionalstrecken fliegen beide Gesellschaften häufig zu ähnlichen Zeiten, weshalb es auch skeptische Stimmen gegenüber einer Zusammenarbeit gab. Dennoch erklärte ein Führungskraft, die an einem Expertenausschuss des Ministeriums teilnahm, man werde 'mit Tempo reagieren'; beide Unternehmen bemühen sich, ihre schwierige Lage rasch zu überwinden.
Standardisierung im Convenience-Store-Sektor
Auch bei Convenience-Stores schreitet angesichts von Bevölkerungsrückgang und Alterung die Branchenkooperation voran. Bei dem Erdbeben in Kumamoto im Juli versorgten sie die Betroffenen mit Onigiri und Produkten gegen Hitzschlag und fungierten als Infrastruktur zur Unterstützung der Katastrophengebiete, während landesweit die Zahl der Läden, deren Fortbestand in Frage steht, weiter zunimmt.
Bei Seven & i Holdings, dem Branchenführer, und FamilyMart, der Nummer zwei, begann im Juni die Vereinheitlichung des ATM-Betriebs. Nachdem Itochu, die Muttergesellschaft von FamilyMart, im vergangenen Jahr in Seven Bank investiert hatte, begann das Unternehmen damit, die Geldautomaten in FamilyMart-Filialen auf Geräte von Seven Bank umzustellen.
Ein Manager von Seven Bank sagte, man wolle 'den Plan, binnen vier Jahren 16.000 Geräte einzuführen, vorziehen'. Erwartet werden gewisse Rationalisierungseffekte, etwa durch effizientere Bargeldtransporte.
Von Konkurrenz zu Koexistenz
Im Fokus steht künftig, wie sich die Produktivität in Lieferketten für Waren einschließlich Lebensmitteln steigern lässt. Da auch Störungen in der Logistik infolge von Fahrermangel denkbar sind, wäre die Wirkung einer Kooperation zwischen Unternehmen erheblich.
Convenience-Stores sind keine von Staat regulierte Branche, doch in einer Schrumpfungsphase ist der Weitblick der Manager gefragt. Masahiro Okafuji, Chairman und CEO von Itochu, sagte über den im Mai verstorbenen Toshifumi Suzuki, Ehrenberater von Seven & i, dieser habe 'historisch die Entwicklung des Convenience-Store-Geschäfts getragen'; er habe bereits zuvor Kontakte gepflegt und Respekt gezeigt.
Okafuji lässt durchblicken, dass die Zeit vorbei ist, in der man ausgehend von stetigem Wachstum an allen Fronten konkurriert. Die Zahl der Filialen im Inland stagniert bei etwas über 50.000, und die Ansicht gewinnt an Boden, dass Zusammenarbeit im Hintergrund, etwa in der Logistik, zu einem neuen Wachstumsmodell führen kann.
Itochu ist seit der Gründung von Seven-Eleven Japan eng mit dem Unternehmen verbunden; Itochu Shokuhin ist zudem einer der wichtigsten Großhändler des Konzerns. Ein Szenario, in dem die einzelnen Filialen mit ihrem Profil konkurrieren, während auf der Basis des Geschäftsmodells zusammengearbeitet wird, erscheint durchaus plausibel.
Entscheidend ist, dass der Nutzen nicht auf Unternehmensgewinne beschränkt bleibt, sondern auch für die Kunden sichtbar ist. Um zu verhindern, dass Convenience-Stores aus den Regionen verschwinden, müssen auch die Erträge der Franchisenehmer steigen. In einem schrumpfenden Japan sind ein miteinander vereinbarer Wettbewerb und die Teilung von Erträgen gefragt.
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