Vom Börsenfieber zum Rückschlag: SK-Absturz und Bonuswelle machen die Schieflage sichtbar
Südkoreanische Aktien schnellten dank der Speichernachfrage nach oben, und Kapital floss in SK Hynix und Samsung Electronics. Doch seit der zweiten Junihälfte 2026 setzte sich die Ansicht durch, die KI-Investitionen großer US-Techkonzerne seien überzogen, worauf der Markt abrupt drehte. Erwartungen an hohe Boni und der Unmut privater Anleger über fallende Kurse traten zugleich offen zutage.
Vom KOSPI-Anstieg zum Rückschlag
Seit der Amtseinführung von Präsident Lee Jae-myung im Juni 2025 verstärkte sich der Aufwärtstrend des südkoreanischen Leitindex KOSPI. Neben dem Regierungsversprechen, den seit Jahren diskutierten Korea-Diskount zu beseitigen, stützten auch die Erwartungen auf steigende Ergebnisse bei Speicherchips dank der Nachfrage nach künstlicher Intelligenz (KI) den Markt. Auch ausländische Investoren richteten ihren Blick auf Südkorea: Im Juni 2026 markierte der KOSPI mit 9000 ein Rekordhoch und lag binnen eines Jahres mehr als dreimal so hoch wie zuvor.
Als jedoch in der zweiten Junihälfte 2026 die Sicht aufkam, die KI-Investitionen großer US-Techkonzerne seien zu hoch, kippte die Stimmung abrupt. Rund um SK Hynix und Samsung Electronics weitete sich der Ausverkauf aus, und der KOSPI lag am 12. August bei 6579, knapp 30 Prozent unter dem Höchststand. Samsung Electronics notierte 29 Prozent unter dem Juni-Hoch, SK 48 Prozent darunter. Beide Konzerne meldeten für das zweite Quartal Rekordgewinne, doch die Nervosität am Markt blieb bestehen.
Boniwelle und verschärfter Wettbewerb um Talente
Als ein Faktor, der die Schwankungen am südkoreanischen Aktienmarkt noch verstärkte, gilt ein Ende Mai eingeführter gehebelter ETF auf Einzelwerte. Das Produkt zielt darauf ab, die Kursbewegung bestimmter Aktien wie Samsung oder SK zu verdoppeln, und zog Privatanlegergeld an. Während des Kurssturzes im Juli ergriff die Regierung zwar Maßnahmen wie eine Vorabaufklärung der Anleger und Kaufbeschränkungen, doch der Eindruck, zu spät reagiert zu haben, ließ sich nicht vermeiden. Der Ärger der Anleger, die zum Hoch gekauft hatten, ist groß.
Die Folgen beschränken sich nicht auf den Aktienmarkt. Der Nettogewinn von Samsung Electronics und SK dürfte im Geschäftsjahr bis Dezember 2026 auf rund 30 Billionen Yen steigen, und die Industrie beobachtet aufmerksam die Entwicklung der erfolgsabhängigen Vergütung. SK Hynix gibt 10 Prozent des operativen Gewinns an die Beschäftigten weiter; Schätzungen von Wertpapierhäusern vom Juli zufolge dürfte der operative Gewinn im Geschäftsjahr bis Dezember 2026 bei 266 Billionen Won liegen, das sind rund 28 Billionen Yen. Ausgehend von rund 40.000 Beschäftigten ergibt sich rein rechnerisch ein Jahresbonus von bis zu 70 Millionen Yen.
Auch bei Samsung kam es in diesem Frühjahr zu Arbeitskämpfen. Die gruppenweite Gewerkschaft des Samsung-Konzerns trat im Mai mit Streikdrohungen in Verhandlungen, worauf sich selbst der südkoreanische Ministerpräsident einschaltete. Die Regierung bezifferte den wirtschaftlichen Schaden eines Streiks auf 100 Billionen Won, etwa 10 Billionen Yen. Am Ende wurde ein Streik vermieden, und Samsung einigte sich darauf, einen Bonus in der Größenordnung von SK in Form von eigenen Aktien auszuzahlen. Nach Berechnungen des Unternehmens dürfte der Wert der 2026 ausgegebenen Aktien bei bis zu 55 Millionen Yen liegen.
Eine Gesellschaft im Gefühl des Abgehängtseins
Der KI-Boom trieb die Boni und Aktienkurse beider Konzerne nach oben, legte aber zugleich die Ungleichheit in der südkoreanischen Gesellschaft offen. Im Mittelpunkt steht das Gefühl des Abgehängtseins. Eine Beamtin in einem Zentralministerium sagte: 'Ich besitze keine Aktien, und anders als in der Privatwirtschaft steigt mein Gehalt auch nicht. Wenn ich von Geldgeschichten höre, bekomme ich das Gefühl, abgehängt zu sein.'
In Südkorea stützt die Halbleiterbranche zwar die Wirtschaft, doch zugleich vergrößert sich der Abstand zwischen denjenigen, die von diesem Aufschwung profitieren, und jenen, die außen vor bleiben. Neid und Bewunderung für die Großkonzerne sind weit verbreitet, und nicht wenige Menschen wenden sich der Geldanlage zu, um ebenfalls von steigenden Kursen zu profitieren. Bricht der Markt ein, wächst nicht nur der Unmut über die Unternehmen, sondern auch über die Politik. Der starke Anstieg der Speicherpreise weitet die Verwerfungen in der südkoreanischen Gesellschaft insgesamt aus.
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