US-Aktienhandel 23 Stunden lang: Online-Broker bereiten sich auf Handel am Tag vor
Handel mit US-Aktien auch tagsüber möglich
Wichtige japanische Online-Broker werden den 23-stündigen Handel mit US-Aktien voraussichtlich bereits im Dezember unterstützen. Wenn Käufe und Verkäufe auch am Tag japanischer Zeit möglich werden, können Privatanleger leichter zwischen japanischen und US-Aktien auswählen, während sich die Handelszeiten mit denen der Tokioter Börse überschneiden.
Betroffen sind Titel, die an der New York Stock Exchange oder an der Nasdaq notiert sind. Bisher war der Handel auf die Nacht- bis frühen Morgenstunden japanischer Zeit beschränkt, doch nach dem Start des 23-stündigen Handels können US-Aktien auch während der Handelszeiten der Tokioter Börse in Echtzeit gehandelt werden. Damit verwischt die bislang nach Zeitfenstern getrennte Grenze zwischen den wichtigsten Märkten.
Die Reaktionen der Häuser fallen unterschiedlich aus
Von den 20 großen Wertpapierhäusern in Japan planten nach einer Umfrage unter den 19 Unternehmen, die geantwortet hatten, neun, den ab Dezember beginnenden 23-Stunden-Handel so umzusetzen, dass auch tagsüber gehandelt werden kann. SBI Securities, Rakuten Securities, Monex Securities und Matsui Securities wollen ab dem 6. Dezember, dem ersten Tag der Handelsausweitung, mitziehen. Mitsubishi UFJ eSmart Securities prüft ein schrittweises Vorgehen, abhängig von der Nachfrage.
Rakuten will die Handelszeit für US-Aktien unter Einbeziehung des außerbörslichen Handels auf insgesamt 16 Stunden ausweiten und Echtzeithandel ermöglichen. Auch Matsui Securities will die bisher in der Winterzeit von 18 Uhr bis 6 Uhr des Folgetags geltende Handelszeit um 11 Stunden verlängern. Parallel dazu treibt das Haus die Modernisierung der Systeme voran, die Handelsvolumen und Kundenergebnisse erfassen. PayPay Securities bietet US-Aktien seit dem Start des Dienstes grundsätzlich rund um die Uhr an und wird nun mit der Anpassung des bestehenden Systems ab dem ersten Tag reagieren.
Direktvertrieb zeigt sich zurückhaltend
Zurückhaltender reagieren hingegen Wertpapierhäuser, die Aufträge persönlich oder telefonisch annehmen. Unter den Direktvertrieben gaben nur Okasan, Tokai Tokyo und Mito an, sie prüften eine Umsetzung. SMBC Nikko Securities und Ichiyoshi Securities sagten, sie planten derzeit keine Reaktion. Nomura Securities, Daiwa Securities, Mizuho Securities, Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities, Aizawa Securities, Kyokuto Securities und Toyo Securities teilten mit, sie prüften noch, ob und wie sie reagieren.
Hintergrund sind die hohen Kosten, die mit der Ausweitung verbunden sind. Direktvertriebe wickeln einen großen Teil der Aufträge manuell ab und müssen daher ihre Kernsysteme anpassen und die Personalbesetzung überdenken. Ihre Kundschaft besteht überwiegend aus institutionellen Anlegern, zudem ist die Nachfrage schwer abzuschätzen. Entscheidend wird sein, ob sich die Anpassungskosten durch entsprechende Erträge decken lassen.
Zuflüsse von Privatanlegern nehmen zu
Bei ausländischen Aktien, vor allem bei US-Titeln, ist der Handel durch Privatanleger stark gestiegen. Besonders sichtbar sind dabei wohl Daytrader und andere kurzfristig aktive Anleger. Nach Angaben des Finanzministeriums belief sich das über Investmentfonds abgewickelte Handelsvolumen mit Auslandsaktien im Jahr 2025 auf 77 Billionen Yen und lag damit etwa doppelt so hoch wie fünf Jahre zuvor. Die Beliebtheit breit gestreuter Fonds mit globaler Aktienanlage hat das Interesse der Anleger auf Auslandsaktien ausgeweitet. Der Präsident von Rakuten Securities, Yuji Kusunoki, rechnet damit, dass mit Beginn des 23-Stunden-Handels ein bestimmter Teil der jungen Anleger, die bislang japanische Aktien handelten, auf US-Aktien ausweichen wird.
Auch in den USA häufen sich große Börsengänge. Das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX, das im Juni per Börsengang an die Börse ging, übertraf in Japan die Zielmarke für Kaufinteressenten um mehr als das Dreifache und kam auf mehr als 1 Billion Yen. Auch das US-Unternehmen OpenAI, das Künstliche Intelligenz entwickelt, sowie das US-Unternehmen Anthropic planen einen Börsengang, sodass der Zufluss japanischer Anlagemittel in die USA voraussichtlich weiter zunehmen wird.
Auswirkungen auf die Tokioter Börse im Fokus
Beim 23-stündigen Handel mit US-Aktien rückt auch die Reaktion der Tokioter Börse in den Fokus. In den USA und anderen Märkten sind die Bedingungen für Privatanleger günstiger als in Japan, und US-Aktien können bereits ab einer Aktie gekauft werden. In Japan gilt dagegen grundsätzlich eine Mindestgröße von 100 Aktien, und bei vielen Titeln ist dafür ein beträchtlicher Kapitaleinsatz nötig. Die Handelszeit in Japan beträgt nur 5,5 Stunden und ist damit deutlich kürzer als in den USA und anderen Märkten.
Wenn die Investitionen japanischer Anleger in US-Aktien weiter zunehmen, könnte das auch die Standortwahl japanischer Unternehmen für Börsennotierungen beeinflussen. Der Smartphone-Bezahldienst PayPay war im März erstmals an der Nasdaq gelistet. Das zeigte, dass sich auch ohne Börsengang in Japan Kapital von japanischen Anlegern einwerben lässt. Sollte sich die Verlagerung aus dem heimischen Kapitalmarkt weiter verstärken, wäre dies auch ein Gegenwind für das von der Regierung ausgegebene Ziel einer 'Nation für Vermögensverwaltung'.
Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat, teilen Sie ihn gerne.