Texas prüft Rechenzentrumspläne wegen möglicher Belastung des Stromnetzes
Mehr als das Fünffache der Stromnachfrage
Der republikanische Gouverneur von Texas, Abbott, wies am 3. an, die sich noch in einer frühen Phase befindlichen Baupläne für Rechenzentren umfassend zu prüfen und zu kontrollieren. Grund dafür ist, dass das Volumen der Anträge von Rechenzentren und anderen Einrichtungen auf Anschluss an das Stromnetz des Bundesstaates mehr als 474 Gigawatt erreicht hat. Abbott kündigte zudem an, die Pläne eingehend zu prüfen und sie abzulehnen, falls sie als unangemessen eingestuft würden.
474 Gigawatt übersteigen die Gesamtkapazität der japanischen Kraftwerke von rund 260 Gigawatt deutlich und entsprechen mehr als dem Fünffachen des gesamten Strombedarfs von Texas. Es wird angenommen, dass bei einigen Vorhaben aus spekulativen Gründen lediglich die Anschlussanträge vorangetrieben wurden, ohne dass eine entsprechende Substanz dahintersteht. Sollten die Anschlüsse hingegen wie geplant umgesetzt werden, könnte dies die Stabilität des texanischen Stromnetzes beeinträchtigen und zu einem starken Anstieg der Strompreise führen.
Der Bundesstaat will prüfen, wie konkret die Vorhaben sind. Dabei soll unter anderem festgestellt werden, ob die Rechenzentren eigene Stromerzeugungsanlagen errichten, Systeme zur Wiederverwendung von Kühlwasser einsetzen und wie weit die Finanzierung vorangeschritten ist. Als unangemessen eingestufte Vorhaben sollen abgelehnt werden.
Trump äußert ungewöhnlich deutliche Unzufriedenheit
US-Präsident Trump äußerte am 7. in einem Videointerview mit dem US-Onlinemedium Punchbowl News ungewöhnlich deutliche Unzufriedenheit mit Abbotts Vorgehen. 'Neulich schien es, als sei Texas gegen Rechenzentren. Ich glaube, das ist ein Fehler', sagte er. Er behauptete zudem, 'es gibt Regionen, die Rechenzentren willkommen heißen, und in diese Regionen fließt viel Geld'.
Hintergrund dürfte die Einschätzung sein, dass Trump die Probleme rund um Rechenzentren selbst gelöst habe. Ende Juli hatte Trump damit geworben, mehr als 220 Unternehmen für das von ihm als 'Schutzversprechen für Stromverbraucher' bezeichnete Vorhaben gewonnen zu haben. Dabei verpflichten sich Unternehmen, den Anstieg der Strompreise infolge des Baus von Rechenzentren zu übernehmen, nachdem er Energieversorger und andere Akteure in der Hauptstadt Washington zusammengebracht hatte.
Das Versprechen weist jedoch Schlupflöcher auf. Die Unternehmen haben zwar zugesagt, die auf Grundlage des Versprechens anfallenden Kosten zu zahlen, doch sind weder Verpflichtungen noch Sanktionen vorgesehen. Das US-amerikanische Brookings Institution weist darauf hin, dass Bundesstaaten und Versorgungsbehörden eine Politik zum Schutz der Bewohner als Stromzahler etablieren sollten.
Gouverneur betont Zusammenarbeit mit großen Tech-Konzernen
Nachdem Abbott unerwarteten Widerspruch von Trump erhalten hatte, veröffentlichte er am 10. eine Pressemitteilung, wonach die US-Unternehmen OpenAI und Meta, die jeweils Baupläne für Rechenzentren haben, seinen Anweisungen zugestimmt hätten. Damit dürfte er seine Zusammenarbeit mit großen Tech-Konzernen demonstriert und betont haben, dass er Rechenzentren nicht pauschal ablehnen wolle.
Nach einer bis Mai durchgeführten Umfrage des US-Instituts Gallup lehnten sieben von zehn Amerikanern den Bau von Rechenzentren in ihrer Region ab. Auch bei den US-Zwischenwahlen im November ist das Thema zu einem der wichtigsten Streitpunkte geworden. Angesichts des wachsenden Widerstands der Bevölkerung ist es für Abbott, der eine vierte Amtszeit anstrebt, zu einer wichtigen politischen Aufgabe geworden.
Für Trump ist Abbott eine zentrale Figur in Texas, einer Hochburg der Republikaner. Eine Verschärfung des Konflikts zwischen den beiden könnte Unruhe im republikanischen Lager auslösen.
Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat, teilen Sie ihn gerne.