Nahostkrise zeigt Stärke japanischer Handelshäuser bei Sicherung von Lieferketten
Handelshäuser halten Lieferketten in der Nahostkrise aufrecht
Katsuya Nakanishi, Präsident von Mitsubishi Corp., sagt: 'Handelshäuser leben von den nationalen Interessen Japans.' In der Nahostkrise im Frühjahr trat diese Rolle erneut deutlich hervor. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus brachte Japans Energieversorgungsketten durcheinander, auch der Vertrieb von Naphtha aus dem Nahen Osten stockte.
Mitsubishi Corporation Chemical gab Bestände aus Vorratstanks an zehn Standorten im Inland frei, während die Zentrale von Mitsubishi Corp. Importe unter anderem aus Südkorea vorantrieb. Flüssigerdgas (LNG) wurde durch in Kanada erschlossene Mengen ergänzt. Von Kundenunternehmen häuften sich Anfragen wie: 'Selbst ein einziges Fass reicht, wir brauchen es sofort.' Tochtergesellschaft und Zentrale reagierten gemeinsam.
Vorrang für die Stabilität der Lieferketten
Japans Energie-Selbstversorgungsquote liegt nur bei etwa 15%. Für das rohstoffarme Land wurde die Zuspitzung im Nahen Osten zur ersten größeren Krise seit längerer Zeit. Auch die großen Handelshäuser, die für das Geschäftsjahr bis März 2027 neue Rekordgewinne in Aussicht haben, stellten die Sicherung der Lieferketten über kurzfristige Erträge.
Masayuki Omoto, Präsident von Marubeni, teilte intern mit: 'Die Aufrechterhaltung der Lieferketten hat Vorrang.' Marubeni steht für rund 40% der japanischen Naphtha-Importe, doch da die USA von westlichen Rohstoffkonzernen besetzt waren, suchte das Unternehmen nach alternativen Bezugsquellen. Mitte April erschloss Marubeni auf Basis von Informationen lokaler Mitarbeiter neue Handelspartner, unter anderem in Peru und Indien.
Die Lieferung von Naphtha verzögerte sich teilweise, zu einem Rohstoffmangel kam es jedoch nicht. Takayuki Tanaka, Professor an der Senshu University und Kenner der Handelshäuser, sagt: 'Handelshäuser kennen die globalen Lieferketten genau und können ihre Stärke ausspielen, wenn diese neu geordnet werden müssen.'
Ein Modell zwischen nationalem Interesse und Ertrag
Die Wurzeln der Handelshäuser reichen bis zur Kameyama Shachu zurück, die Ryoma Sakamoto und andere 1865 in Nagasaki gründeten und aus der später die Kaientai hervorging. Die Ursprünge von Mitsubishi Corp. und Mitsui & Co. lagen in Zaibatsu-Konglomeraten, die mit der staatlichen Industriepolitik Schritt hielten. Handelshäuser verfolgten nicht nur Gewinne, sondern spielten auch eine Rolle dabei, ein Bild von der Zukunft des Landes zu entwerfen.
Auch nach der Auflösung der Zaibatsu nach dem Krieg fungierten sie als stille Stützen des japanischen Veredelungshandels. Obwohl sie durch wiederholte Unternehmensinvestitionen heute längst mehr sind als reine Handelsfirmen, hat sich ihr Charakter als 'Infrastrukturunternehmen', die in Krisen Lieferketten verbinden, nicht verändert. Während sich die Welt stärker fragmentiert, sichern sich Staaten Ressourcen; auch Lebensmittel, Wasser und digitale Ressourcen wie künstliche Intelligenz (KI) sind Gegenstand des Wettbewerbs geworden.
Japans Importabhängigkeit ist hoch; der Anteil importierter Güter am Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreicht derzeit 20%. Die fünf großen Handelshäuser Mitsubishi Corp., Itochu, Mitsui & Co., Sumitomo Corp. und Marubeni haben in den vergangenen fünf Jahren zusammen jährlich mehr als 3 Bio. Yen Nettogewinn erwirtschaftet. Das hohe Ertragsniveau steht nicht losgelöst von der verschärften Konkurrenz um Ressourcen und Lieferketten.
In Europa werden Stimmen laut, man solle sich Japans 'SHOSHA' zum Vorbild nehmen. Deutsche Hersteller wie BMW sollen der Bundesregierung vorgeschlagen haben, ein handelshausähnliches Modell zu prüfen, das gemeinsam mit staatlichen Stellen weltweit Rechte an Seltenen Erden erschließt, um Chinas Exportbeschränkungen zu begegnen. Auch OpenAI in den USA soll sich unter der Regierung von US-Präsident Trump einer sicherheitspolitisch ausgerichteten Entwicklung angenähert haben; Unternehmen müssen daher die Vereinbarkeit mit nationalen Interessen stärker berücksichtigen.
Gleichzeitig gehen Geschäfte, die mit staatlicher Industriepolitik verbunden sind, auch mit Verlusten einher. Die großen Handelshäuser haben in der Vergangenheit mehrfach hohe Verluste verbucht, ihre Geschäftsführung aber fortgesetzt und dabei Gewinne aufgebaut. In den vergangenen Jahren haben sie sich auch in Beliebtheitsranglisten von Hochschulabsolventen für Arbeitgeber auf oberen Plätzen etabliert. Der Sinn, 'Geld zu verdienen und Japan zu stützen', zieht die junge Generation an. Das Modell der Handelshäuser bietet auch für Unternehmen im In- und Ausland Anhaltspunkte.
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