China weitet Kohlechemie-Investitionen angesichts der Unsicherheit um die Straße von Hormus aus
Schwerpunkt auf Energiesicherheit
Die chinesische Regierung treibt den Ausbau der Kohlechemie voran, die aus Kohle unter anderem Harze herstellt. Angesichts der Spannungen zwischen den USA und dem Iran und der schwer kalkulierbaren sicheren Passage durch die Straße von Hormus will Peking mit heimischer Kohle die Energiesicherheit stärken. Laut chinesischen Medien beläuft sich das Volumen der entsprechenden Projekte auf mehr als 600 Mrd. Yuan (rund 14 Billionen Yen).
China geht einen ähnlichen Weg wie einst Japan, das früher aus Kohle Stadtgas und Chemikalien herstellte. Anders als Japan, das seine Rohstoffe aus Umweltgründen auf Erdöl und Flüssigerdgas (LNG) umgestellt hat, hat China die Entwicklung von Kohlentechnologien fortgesetzt. Während Staatspräsident Xi Jinping das Erreichen des Emissionshöchststands bei CO2 bis 2030 anstrebt, hält das Land neben dem Ausbau von Solar- und Windkraft an der Abhängigkeit von Kohle fest.
Weltweit eines der größten Projekte in der Mu-Us-Wüste
In der Mu-Us-Wüste im chinesischen Binnenland baut das staatliche Unternehmen Shaanxi Coal and Chemical Industry Group aus der Provinz Shaanxi einen der weltweit größten Kohlechemie-Komplexe. Dabei wird Kohle bei hoher Temperatur mit Sauerstoff und Wasserdampf umgesetzt, um Synthesegas zu erzeugen, aus dem dann Chemikalien produziert werden. Die Gesamtfläche nach Fertigstellung soll rund 16 Quadratkilometer betragen und damit achtmal so groß sein wie Tokyo Disney Resort. Der jährliche Kohleverbrauch wird auf rund 30 Mio. Tonnen veranschlagt, was etwa 30 Prozent des in Japan für die Stromerzeugung eingesetzten Kohleverbrauchs entspricht. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 230 Mrd. Yuan; der Vollbetrieb ist für Ende 2027 geplant.
Die erste Phase mit einer Investition von rund 50 Mrd. Yuan ist bereits in Betrieb und produziert unter anderem Rohstoffe für Polyesterharz. Im Juni 2026 wurde mit einer Investition von rund 180 Mrd. Yuan der Bau der zweiten Phase in vollem Umfang aufgenommen. Zusätzlich zu Standardharzen wie Polyethylen wird auch die Produktion von Materialien für Fahrzeugbatterien und Solarpaneele erwartet.
Investitionen weiten sich in Kohleförderregionen aus
Auch in der Stadt Yulin in der Provinz Shaanxi am Rand der Mu-Us-Wüste baut das von der Zentralregierung beaufsichtigte Staatsunternehmen China Energy Investment Corporation einen Kohlechemie-Komplex. Teile davon sind bereits in Betrieb. Seit September 2025 wird zudem mit einer Investition von rund 80 Mrd. Yuan der Bau weiterer Anlagen zur Produktion von Polyethylen und anderen Produkten vorangetrieben. Bei voller Auslastung dürfte der Komplex jährlich mehr als 10 Mio. Tonnen Kohle verbrauchen.
Laut einem auf Chemie spezialisierten chinesischen Medium schreitet der Bau auch in den Kohleförderregionen Xinjiang, Innere Mongolei und Ningxia außerhalb der Provinz Shaanxi voran. Die Investitionen in Werke, die sich im Bau befinden oder mit behördlicher Genehmigung in die Bauvorbereitung gegangen sind, übersteigen zusammen 600 Mrd. Yuan.
Rohölersatz und Rentabilität im Fokus
Die chinesische Regierung setzt auf Kohlechemie, um die Importabhängigkeit von Rohöl zu verringern. Hinzu kommt das wahrgenommene Durchfahrtsrisiko in der Straße von Hormus; zudem griffen die USA auch Venezuela in Südamerika an, einen Lieferanten chinesischen Rohöls. Chinas Importabhängigkeit bei Rohöl beträgt rund 70 Prozent.
In einem Bericht von Ende Juli wies Great Wall Securities darauf hin, dass anhaltend hohe Rohölpreise vor dem Hintergrund des geopolitischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran sowie der Risiken für die Passage durch die Straße von Hormus die Kohleindustrie indirekt stützen würden. Zhao Dong, stellvertretender Vorsitzender von Sinopec, erklärte Ende März zudem, dass Kohlechemie-Unternehmen voll ausgelastet seien und größere Wartungsarbeiten verschöben.
Als Xi 2021 die Provinz Shandong besuchte, die reich an Ressourcen wie Erdöl und Kohle ist, sagte er, China müsse als große Industrienation seine Energieversorgung aus eigener Kraft sichern. Bei einem Besuch in Yulin im selben Jahr sprach er von großem Potenzial der Kohlechemie.
Laut chinesischen Medien wird die Marktgröße der Kohlechemie im Jahr 2025 auf 1,33 Bio. Yuan geschätzt und dürfte bis 2032 auf 1,75 Bio. Yuan wachsen, was einem Plus von 30 Prozent gegenüber 2025 entspricht. Unter Experten gibt es jedoch auch die Einschätzung, dass die Unternehmensgewinne erheblich unter Druck geraten, wenn der Ölpreis unter ein bestimmtes Niveau fällt.
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