Sachanlagen der vier US-Tech-Giganten in drei Jahren auf das 2,4-Fache gestiegen
Die Sachanlagen der vier großen US-Tech-Konzerne beliefen sich Ende Juni insgesamt auf 1,46 Billionen Dollar (rund 230 Billionen Yen) und haben sich in drei Jahren auf das 2,4-Fache vergrößert. Vor allem Amazon.com weitet die Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) aus und wandelt sich damit vom kapitalleichten Softwarekonzern zu einem riesigen Infrastrukturunternehmen.
Investitionen in Rechenzentren schießen nach oben
Die gesamten Sachanlagen von Amazon, Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, Microsoft und Meta stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48 Prozent. In einem Ranking der weltgrößten Unternehmen ohne Finanzwerte von QUICK FactSet lagen alle vier innerhalb der Top sieben. Amazon auf Platz eins kam auf 538,7 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie vor drei Jahren, und übertraf den bislang weltgrößten Staatskonzern Saudi Aramco um 100 Milliarden Dollar.
Alphabet auf Platz drei und Microsoft auf Platz vier wuchsen ebenfalls auf jeweils mehr als 330 Milliarden Dollar und überholten binnen eines Jahres den US-Konzern Exxon Mobil und Chinas PetroChina. Auch bei Meta auf Platz sieben erreichte der Umfang der Sachanlagen das 2,2-Fache von Toyota Motor, Japans größtem Unternehmen.
Hinter dem starken Anstieg steht der Ausbau von Rechenzentren, die für Entwicklung und Betrieb von KI unverzichtbar sind. Bei Alphabet entfallen mehr als 70 Prozent der Sachanlagen auf 'Technologieinfrastruktur' wie Server, Netzwerkausrüstung sowie Grundstücke und Gebäude der Anlagen.
Künftige Belastungen nehmen ebenfalls zu
Die vier Konzerne treiben den Ausbau ihrer eigenen Rechenzentren mit hoher Geschwindigkeit voran. Die Investitionspläne für 2026 steigen im Jahresvergleich um 85 Prozent auf bis zu 760 Milliarden Dollar, in einer Größenordnung ähnlich dem japanischen Staatsbudget.
Der Investitionsschub könnte noch anhalten. Laut Offenlegungen beliefen sich Verpflichtungen, die noch nicht in der Bilanz erfasst sind, darunter langfristig bestellte Ausrüstung und vor Inbetriebnahme geschlossene Leasingverträge, Ende Juni auf insgesamt 2,3 Billionen Dollar und damit auf das 4,3-Fache eines Jahres zuvor. Viele dieser Verpflichtungen werden später zu Sachanlagen; besonders auffällig ist der Anstieg bei Alphabet um das Neunfache und bei Meta um das Achtfache binnen eines Jahres.
Bislang setzten Tech-Unternehmen auf ein 'asset-light'-Modell: Mit Software, die von hochqualifizierten Mitarbeitern entwickelt wurde, konnten sie die Nutzung ohne massive Investitionen in Sachanlagen ausweiten und hohe Renditen erzielen. Doch die Verbreitung von KI, die enorme Rechenleistung erfordert, hat das Umfeld grundlegend verändert. Die Unternehmen errichten weltweit mehr Rechenzentren und entwickeln sich zu großen Infrastrukturkonzernen mit Anlagen in einer Größenordnung, die Öl-, Telekom- und Industrieunternehmen übertrifft.
Während die KI-Nachfrage derzeit steigt, ist das Angebot an Rechenkapazität knapp. Sobald Rechenzentren in Betrieb sind, können sie hohe Cashflows erzeugen, doch mit wachsendem Umfang der Sachanlagen steigt auch die Belastung durch Abschreibungen. Die Abschreibungen der vier Konzerne, gemessen an den Cashflow-Rechnungen für das zweite Quartal, beliefen sich auf insgesamt 44,5 Milliarden Dollar und erreichten bereits fast ein Drittel des operativen Gewinns der Unternehmen. Meta, das erstmals seit drei Jahren einen Rückgang des operativen Ergebnisses verzeichnete, nannte höhere Abschreibungen als einen Grund für den Rückgang.
Addiert man die Markterwartungen, dürften die Abschreibungen der vier Unternehmen im Jahr 2028 auf jährlich 360 Milliarden Dollar steigen und sich damit gegenüber 2026 verdoppeln. Die Nutzungsdauer von Servern liegt nur bei rund fünf Jahren, sodass auch die Quartalsergebnisse stark beeinflusst werden. Gelingt es nicht, Investitionen in Rechenzentren in Erträge umzuwandeln, könnten sie künftig zur Belastung für die Geschäftsentwicklung werden.
Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat, teilen Sie ihn gerne.