Zufluss von Festlandkapital belebt die Büronachfrage in Hongkongs Finanzviertel
Leerstandsquote auf tiefstem Stand seit fast drei Jahren
Die Büroverfügbarkeitsquote im Finanzviertel Hongkongs lag im Zeitraum April bis Juni 2026 bei 13,1 Prozent und damit 3,6 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Nach Angaben des US-Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield (C&W) ist das der niedrigste Stand seit fast drei Jahren. Während die Leerstände in Hongkong insgesamt hoch bleiben, konzentriert sich die Nachfrage zunehmend auf das Finanzviertel.
Festlandkapital treibt die Nachfrage an
Hintergrund ist der stärkere Zufluss von Vermögen wohlhabender Anleger vom chinesischen Festland. Nach dem Inkrafttreten des Hongkonger Gesetzes zur Wahrung der nationalen Sicherheit im Jahr 2020 nahm die politische Unsicherheit zu, und westliche Unternehmen zogen sich in Serie zurück. Hinzu kam die Fertigstellung großer Entwicklungsprojekte; so verschlechterte sich der Büromarkt 2024 so stark, dass ihn der britische Immobiliendienstleister Savills als ein Niveau beschrieb, das selbst bei früheren Konjunkturabschwüngen wie dem Lehman-Schock nicht zu sehen gewesen sei. Die Mieten fielen gegenüber dem Höchststand von 2019 um rund 40 Prozent.
Vorstoß und Expansion von Finanzinstituten
Der französische Vermögensverwalter Ardian, der im Oktober 2025 in Hongkong an den Start ging, ist in seinem Büro im Landmark im International Finance Centre (IFC) bereits zu eng geworden. Senior Managing Director Jason Yao sagte, er habe den Vermieter um eine Erweiterung gebeten, sei aber mit 'keine freien Flächen' abgewiesen worden. Derzeit arbeiten dort 15 Menschen; das Ziel für Ende 2027 sei damit vorzeitig erreicht. Bis Ende 2026 soll die Zahl auf 20 steigen, weitere Expansionen sind geplant. Ardian will neben der Verwaltung von Geldern institutioneller Anleger auch das Geschäft mit Family Offices für vermögende Kunden ausbauen. In Hongkonger Family Offices fließt demnach neben Kapital vom Festland auch Geld aus Taiwan zu. Laut Boston Consulting Group (BCG) stieg das verwaltete Vermögen vermögender Kunden außerhalb der Region im Jahr 2025 um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 2,95 Billionen Dollar (rund 480 Billionen Yen); Hongkong belegte damit erstmals weltweit Platz eins.
Nebenwirkungen des Kapitalzuflusses
Hongkong hat anders als das Festland keine Kapitalverkehrskontrollen und erhebt weder Kapitalertragsteuer noch Dividendensteuer oder Erbschaftsteuer. Es dient als Ausweg für Festlandkapital, das im Immobilienabschwung keinen Platz findet; die US-Investmentfirma Adams Street Partners kam im November 2025 nach Hongkong. Auch der britische Hedgefonds Cube Research and Technologies plant, sein Büro im selben IFC-Gebäude wie Ardian noch 2026 deutlich zu vergrößern. Hinter den Anti-China-Protesten von 2019 stand unter anderem, dass der Zustrom chinesischen Kapitals die Preise von Vermögenswerten wie Wohnimmobilien steigen ließ und den Unmut über die Ungleichheit schürte. Der Hongkonger Hauspreisindex hat sich angesichts steigender Käufe durch Festlandakteure erholt und lag bis zum jüngsten Stand im Juni 13 Monate in Folge über dem Vormonat. Da die Bürgerbewegung verschwunden ist, steht die Verwaltung vor der Frage, wie sie mit gesellschaftlichem Unmut umgehen soll, falls die Hinwendung zum Finanzsektor weiter zunimmt.
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