BoJ belässt Leitzins bei 1,0 % und beobachtet Lage im Nahen Osten sowie am Devisenmarkt
Zinserhoehungskurs bleibt bestehen
Die BoJ entschied bei ihrer geldpolitischen Sitzung am 31., den Zielwert fuer den unbesicherten Call-Geldsatz ueber Nacht als Leitzins bei 1,0 % zu belassen. Erst auf der vorangegangenen Sitzung im Juni hatte sie angesichts der Spannungen im Nahen Osten und steigender Rohoelpreise die Zinsen angehoben; nun will sie die Auswirkungen auf Konjunktur und Preise abwarten.
Als Grundlage fuer eine weitere Zinserhoehung nannte sie neben der Lage im Nahen Osten auch die Auswirkungen der Entwicklung an den Devisenmaerkten, an denen der Trend zu einem schwaecheren Yen und staerkeren Dollar anhaelt, auf Konjunktur und Preise. BoJ-Praesident Kazuo Ueda wird am Nachmittag des 31. Juli eine Pressekonferenz abhalten und die Entscheidung erlaeutern.
Der unveraenderte Satz wurde mit der Mehrheit von acht der neun Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses beschlossen. Ratsmitglied Hajime Takata verwies auf Risiken steigender Preise aus dem Ausland und schlug vor, den Satz auf 1,25 % anzuheben, da sich eine neue Phase mit Bedarf an flexiblen Massnahmen eroeffne. Der Antrag wurde jedoch mit grosser Mehrheit abgelehnt.
Prognosen im Ausblicksbericht nach oben korrigiert
Veroeffentlicht wurde auch der vierteljaehrliche Ausblicksbericht zur Wirtschafts- und Preisentwicklung. Die mittlere Prognose fuer das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Geschaeftsjahr 2026 wurde auf 0,6 % festgelegt und damit um 0,1 Prozentpunkte gegenueber der April-Prognose angehoben. Fuer das Geschaeftsjahr 2027 wurde die Prognose ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte auf 0,8 % angehoben. Die Bank rechnet damit, dass die weltweit robuste Nachfrage nach kuenstlicher Intelligenz (KI) sowie staatliche Konjunkturmassnahmen die Wirtschaft stuetzen.
Im April hatte der Ausblicksbericht auf das Risiko hingewiesen, dass die verschaerfte Lage im Nahen Osten zu massiven Stoerungen in der Lieferkette fuehren koennte. Dieses Mal hiess es, das Risiko habe sich verringert, auch weil die Ersatzbeschaffung von Rohstoffen mit hoher Abhaengigkeit vom Nahen Osten voranschreite.
Bei den Preisprognosen senkte die Bank die Vorjahresrate des Verbraucherpreisindex (VPI) ohne frische Lebensmittel fuer das Geschaeftsjahr 2026 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,5 % und beruecksichtigte damit unter anderem die Verlaengerung staatlicher Zuschuesse fuer Strom- und Gasrechnungen. Fuer das Geschaeftsjahr 2027, wenn diese Massnahmen auslaufen, wurde die Prognose hingegen um 0,1 Prozentpunkte auf 2,4 % angehoben.
Risiko hoeherer Preise im Blick
Der Erzeugerpreisindex, der die Preisentwicklung von Waren im Handel zwischen Unternehmen misst, stieg im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,1 %. Im Ausblicksbericht hiess es, die Unternehmen reichten die hoeheren Kosten zunehmend weiter und dies koenne sich kuenftig auf breiter Front auf Preissteigerungen auf Verbraucherebene auswirken.
Die Bank verwies auch auf den Anstieg der mittelfristigen Inflationserwartungen und betonte mit Blick auf die Kerninflation ohne voruebergehende Faktoren, es gebe das Risiko, dass sie ueber das Ziel der Preisstabilitaet von 2 % hinaus nach oben ausschlage. Zum Ausbau der KI-Nachfrage hiess es, falls die Nachfrage nach Materialien und Bauteilen staerker als erwartet steige, koennte der Aufwaerts-druck auf die Preise weiter zunehmen. Auch die Folgen des schwachen Yen duerften demnach ueber den kraeftigen Anstieg der Importpreise derzeit auf eine breitere Preiserhoehung wirken, einschliesslich langlebiger Gueter.
Die BoJ bewertete den geldpolitischen Rahmen auch nach den bisherigen Zinserhoehungen weiterhin als locker und uebernahm die Formulierung, sie werde zur Sicherung der Preisstabilitaet weiterhin den Leitzins anheben und den Grad der geldpolitischen Lockerung anpassen. Steigt die Kerninflation ueber das Ziel von 2 %, wuerde dies der Wirtschaft schaden, hiess es. Um ein solches Szenario zu verhindern, seien weitere Zinserhoehungen notwendig.
Zu den Punkten, an denen Zeitpunkt und Tempo weiterer Zinserhoehungen geprueft werden, kamen neben der Lage im Nahen Osten neu die Ausweitung der KI-bezogenen Nachfrage und die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen hinzu. Ueda war im Juni wegen einer Behandlung einer Infektionskrankheit ins Krankenhaus eingeliefert worden und hatte die geldpolitische Sitzung in diesem Monat verpasst. Es war das erste Mal, dass ein amtierender BoJ-Praesident eine regulaer anberaumte Sitzung versaeumte. Er wurde inzwischen entlassen und nahm dieses Mal ab den Beratungen am ersten Sitzungstag am 30. Juli teil.
Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat, teilen Sie ihn gerne.