Bankaktien steigen weltweit am staerksten - weitere Zinserhoehungen und Kapitalflucht stützen
Aufnahmebecken fuer Auslandskapital
Japanische Bankaktien zeigen sich fest. Sie verzeichnen einen staerkeren Anstieg als Bankwerte in den USA und Europa, getragen von der Erwartung groesserer Zinsmargen und steigender Kreditvergabe durch die fortgesetzten Zinserhoehungen der Bank of Japan. Zudem gewinnen sie als Zufluchtsort fuer Mittel aus derzeit schwachen KI- und Halbleiterwerten an Bedeutung.
Anfang Juli, bei Besuchen in Hongkong und Singapur, erhielt Toyoki Samejima, Senior Analyst bei SBI Securities, von den Hedgefonds, mit denen er sich traf, zahlreiche Fragen wie: 'Wir wollen uns ueber Megabanken hinaus breiter aufstellen. Welche Regionalbanken betreiben interessante Initiativen?'
Samejima sagte: 'Es gab keinen Anleger, der bei japanischen Bankaktien skeptisch war. Das Interesse als Alternative zu KI- und Halbleiterwerten ist ziemlich hoch.'
Bankenrally gewinnt an Tempo
Der Nikkei-Durchschnitt hat im Juli aufgrund einer Gegenbewegung bei KI- und Halbleiterwerten seit Ende Juni um mehr als 8600 Yen nachgegeben. Auch am 29. war der Korrekturdruck stark, und Titel wie Kioxia Holdings rutschten durchweg um mehr als 10 Prozent ab.
In diesem Umfeld sind Bankaktien gefragt. Mitsubishi UFJ Financial Group stand am 13. erstmals an der Spitze der Boersenwerte japanischer Unternehmen. Dass ein Finanzinstitut fuehrt, war das erste Mal seit 40 Jahren.
Die Aufwaertsbewegung der Bankaktien, die Ende 2022 an Fahrt gewann, als die Bank of Japan die Bandbreite fuer Schwankungen der langfristigen Zinsen erweiterte, geht nun ins fuenfte Jahr und gewinnt weiter an Dynamik. Die Aktie von Mitsubishi UFJ liegt seit Jahresbeginn per 29. bei plus 46 Prozent und naehert sich damit den deutlichen Jahresanstiegen von 52 Prozent im Jahr 2024, 51 Prozent im Jahr 2013 und 54 Prozent im Jahr 2005. Seit dem Boersengang im Jahr 2001 koennte dies der groesste Jahresanstieg werden.
Zinsmarge und Kredite wirken als Rueckenwind
Die Staerke japanischer Bankaktien sticht auch weltweit hervor. Der Branchenindex 'Banken' im Topix liegt seit Jahresbeginn per 28. bei plus 44 Prozent. Das liegt deutlich ueber dem Plus von 15 Prozent des 'KBW Nasdaq Bank Index', der grosse US-Banken umfasst, und ueber dem 18-Prozent-Anstieg des Bankenindex im Stoxx 600 in Europa.
Hintergrund ist, dass die Markterwartungen fuer den Endpunkt der Geldpolitik der Bank of Japan, den Terminal Rate, nach oben verschoben wurden. Der Leitzins liegt derzeit bei 1 Prozent, waehrend der OIS-Markt fuer den Satz 'in zwei Jahren fuer ein Jahr' bei rund 2,1 Prozent notiert. Unter Investoren in den USA und Europa, die nach der Corona-Pandemie Inflation erlebt haben, halten es nicht wenige fuer moeglich, dass er bis auf 2,5 Prozent steigen kann.
Ken Kamoshita, Leiter des Aktienmanagements bei PGIM Japan, sagte: 'Ich werde Bankaktien halten, solange die Spekulationen ueber einen hoeheren Terminal Rate nicht verschwinden.'
Viele inlaendische Banken, darunter Mizuho Financial Group und Regionalbanken, gehen in ihren Geschaeftsplaenen fuer das am 31. Maerz 2027 endende Geschaeftsjahr von einem Leitzins von 0,75 Prozent aus. Daher nimmt am Markt die Tendenz zu, 'hoehere Gewinnprognosen und staerkere Massnahmen zur Rueckgabe an die Aktionaere vorwegzunehmen', sagte Nana Otsuki, Senior Fellow bei Pictet Japan.
Auch die Unternehmensnachfrage steigt
Die Ertragsquelle der Banken ist die Zinsmarge, also die Differenz zwischen Kreditzinsen und Einlagenzinsen. In Japan wurde der Anstieg der Einlagenzinsen durch die lange Phase lockerer Geldpolitik gedaempft.
Laut Samejima von SBI liegt die sogenannte Folgequote, also wie stark Finanzinstitute ihre Zinsen im Vergleich zu einem Anstieg des Leitzinses anheben, bei Tagesgeldzinsen nur bei rund 40 Prozent, waehrend Kreditzinsen 80 bis 90 Prozent erreichen. Deshalb steigt in Phasen hoeherer Zinsen oft die Erwartung, dass sich die Zinsmarge ausweitet.
Zusaetzlich stuezt auch das Wachstum der Kreditvergabe. Nach den Daten der Bank of Japan zu Kredit- und Einlagenentwicklungen im Juni stieg der durchschnittliche Kreditbestand der Banken landesweit gegenueber dem Vorjahresmonat um 6,3 Prozent; das Wachstum war so stark wie seit fuenf Jahren und zehn Monaten nicht mehr.
Dass das Wachstum der Kredite laenger unter dem der Einlagen lag, hielt lange an, doch seit 2022 uebersteigen die Kredite die Einlagen. Das steht im Kontrast dazu, dass das Einlagenwachstum nur bei rund 1 bis 2 Prozent liegt.
Investitionen zur Einsparung von Personal, um auf den Arbeitskraeftemangel zu reagieren, sowie Investitionen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation (DX), einschliesslich KI, nehmen zu, und auch M&A, also Fusionen und Uebernahmen, haeuften sich. Vor dem Hintergrund der Forderung der Tokioter Boerse nach einer 'Managementpraxis mit Blick auf Kapitalkosten und Aktienkurs' schreitet die Unternehmensumstrukturierung voran und stuetzt sowohl die Nachfrage nach Finanzierung als auch die Provisionsertraege.
Auch die Regierung hat einen Plan vorgelegt, bis zum Fiskaljahr 2040 in 17 strategische Bereiche, darunter KI, gemeinsam von Staat und Privatsektor mehr als 370 Billionen Yen zu investieren. Koichi Niwa, Analyst bei UBS Securities, erwartet: 'In einer Phase, in der sich die Normalisierung der japanischen Wirtschaft fortsetzt, werden Unternehmenskredite von nun an wachsen.'
Allerdings weist Niwa darauf hin, dass 'es noch viele auslaendische Investoren gibt, die keine japanischen Finanzaktien halten'. Neben dem makrooekonomischen Faktor steigender Zinsen spiele auch die Beurteilung der Ertragskraft einzelner Banken eine grosse Rolle.
Es ist durchaus moeglich, dass ein Teil des Kapitals, das bislang auf KI- und Halbleiterwerte konzentriert war, weiterhin als bevorzugte Zuflucht in japanische Bankaktien fliesst.
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