Gewinnmitnahmen bei KI-Halbleiterwerten, Nikkei zwischenzeitlich in den 63.000-Yen-Bereich
Morgen zunächst Erholung
Am 29. Handelstag an der Tokioter Börse fiel der Nikkei-Durchschnitt zum zweiten Mal in Folge und rutschte zeitweise um mehr als 1800 Yen unter den Vortag in den Bereich von 60.500 Yen. Zwar startete der Markt nach dem Rückgang um gut 2500 Yen am 28. fester, doch nach den Ergebnissen des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix setzte im weiteren Verlauf zunehmend Gewinnmitnahmen ein. Anleger warten weiter darauf, wann die Korrektur bei Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter ausläuft.
Der Nikkei begann stark und lag zwischenzeitlich mit mehr als 700 Yen im Plus, womit er wieder über die Marke von 63.000 Yen stieg. Die Abweichung nach unten von der 25-Tage-Linie wurde zum Stand vom 28. mit 8 Prozent angegeben und lag damit über den allgemein als überverkauft geltenden 5 Prozent, was einzelne Marktteilnehmer als Einstiegschance sahen.
SK Hynix-Zahlen belasten
Später hielt der Anstieg nicht an. Zum Handelsschluss am Vormittag lag der Index 675,06 Yen beziehungsweise 1,08 Prozent tiefer bei 61.689,86 Yen. Die vor Handelsbeginn am 29. japanischer Zeit veröffentlichten Zahlen von SK Hynix für das Quartal April bis Juni 2026 wiesen mit einem operativen Gewinn von 60,5426 Billionen Won einen Quartalsrekord aus, das Ergebnis lag jedoch unter der Markterwartung von 64,6610 Billionen Won. Aus der Enttäuschung heraus wurde die Aktie nach anfänglicher Stärke bis zu 12 Prozent tiefer gehandelt.
Auch am südkoreanischen Aktienmarkt kam es am 29. zu deutlichen Verlusten. Der Leitindex KOSPI fiel zeitweise um mehr als 8 Prozent, und der Circuit Breaker zur vorübergehenden Handelsunterbrechung wurde an zwei Tagen in Folge ausgelöst. Es war der neunte Einsatz in diesem Jahr. Auch Kioxia Holdings, deren Kursentwicklung sich zunehmend mit der des Marktes verbindet, legte nach einem starken Start zunächst zu, wurde dann aber verkauft und verlor zeitweise mehr als 11 Prozent, womit die Aktie unter die Marke von 40.000 Yen fiel. Vom Allzeithoch aus dem Juni betrug das Minus mehr als 60 Prozent.
Vorsicht vor KI-Investitionen hält an
Die heftigen Schwankungen bei Speicherwerten spiegeln wider, dass Anleger nicht sicher sind, wo die Korrektur bei KI- und Halbleiteraktien zum Stillstand kommen wird. Vor den anstehenden Quartalszahlen wichtiger Unternehmen gibt es zudem die Sicht, dass die kurzfristige Korrektur noch nicht ausreichend verlaufen ist. Die Sorge vor Überinvestitionen in KI bleibt ausgeprägt. Beim Ergebnis von Alphabet für das Quartal April bis Juni 2026, das der US-Konzern in der Vorwoche veröffentlicht hatte, verstärkte die Anhebung der Investitionspläne für das laufende Geschäftsjahr die Sorge vor höheren Kapitalausgaben und führte zu einem abrupten Kursrutsch.
Hiroshi Namioka, Chefstratege bei T&D Asset Management, sagte, angesichts der deutlichen Marktreaktion auf höhere Investitionsausgaben lasse sich nicht ausschließen, dass dies auch die Entscheidungsfindung von Herstellern von Halbleitern für KI-Anwendungen beeinträchtigen könnte. Am 29. stehen zudem die Quartalszahlen US-amerikanischer Technologiekonzerne wie Microsoft und Meta Platforms an, und Namioka sieht die Anleger nach den Ergebnissen noch skeptisch gegenüber weiteren Kursgewinnen.
Auch Erdbeben belastet
Belastend wirkte auch das Erdbeben, das am 28. in der Präfektur Kumamoto eine maximale Intensität von 7 auf der japanischen Skala erreichte. Tokyo Electron teilte am 28. mit, den Betrieb an seinem Standort in Kumamoto zu stoppen und Sicherheitsprüfungen durchzuführen. Zwar seien derzeit keine größeren Schäden an Gebäuden oder Anlagen festgestellt worden, doch die Sorge vor Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit belastete die Aktie den gesamten Tag über; sie schloss 9 Prozent tiefer. Der Zeitpunkt eines nachhaltigen Bodens für japanische Aktien bleibt weiter schwer abzusehen.
Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat, teilen Sie ihn gerne.