Präzisionsangriffe von US-Streitkräften und saudi-arabischem Militär auf proiranische Gruppen im Irak
US-Streitkräfte und Saudi-Arabien führen gemeinsame Luftangriffe durch
Das US-Zentralkommando teilte am 28. mit, dass es gemeinsam mit den saudi-arabischen Streitkräften proiranische Gruppen im Irak bombardiert habe. Es handelte sich um eine Vergeltung für die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien und signalisierte, dass Angriffe auf Energieanlagen nicht hingenommen werden.
In einer Erklärung sagte das US-Zentralkommando, man habe im Irak Präzisionsangriffe gegen iranische Terroristen durchgeführt, die auf Anweisung der iranischen Revolutionsgarden die Energieinfrastruktur der US-Streitkräfte und Saudi-Arabiens angegriffen hätten. Die proiranischen Gruppen hätten in den vergangenen 72 Stunden mehr als 30 Drohnenangriffe ausgeführt, Angriffe auf US-Streitkräfte seien jedoch nicht erfolgreich gewesen. US- und saudi-arabische Streitkräfte griffen mehrere Stellungen im Osten des Irak an.
US-Medien zufolge hat auch das saudi-arabische Verteidigungsministerium gemeinsam mit US-Streitkräften begrenzte und gezielte Luftangriffe gegen irakische proiranische Gruppen durchgeführt, die an Angriffen auf Ölanlagen beteiligt gewesen seien. Zudem seien mehrere aus dem Irak gestartete Drohnen abgefangen worden.
Wachsende Sorge vor höheren Rohölpreisen
Die gemeinsame Operation ist äußerst ungewöhnlich. Saudi-Arabiens mächtiger Kronprinz Mohammed soll Ende Februar US-Präsident Trump nachdrücklich zu Angriffen auf den Iran gedrängt haben. Andererseits dürfte die Einschätzung eine Rolle gespielt haben, dass ein direkter Angriff auf das iranische Kernland ein hohes Risiko von Vergeltung birgt, während ein Vorgehen gegen proiranische Gruppen eine Ausweitung des Konflikts begrenzen könnte.
Ziel des US-Zentralkommandos war die Volksmobilisierungskräfte PMF, ein Bündnis aus irakisch basierten schiitischen Milizen und anderen Gruppen. Die PMF teilten mit, dass mindestens 20 Menschen getötet und 32 verletzt worden seien. Das US-Zentralkommando hatte bis zum 23. an 13 aufeinanderfolgenden Tagen iranische Militäreinrichtungen und andere Ziele bombardiert, die Angriffe dann aber ab dem 24. eingestellt. Trump hatte erst am 27. erklärt, die Angriffe auf den Iran vorerst zu stoppen.
Strategie als Verhandlungspfand
Werden Ölanlagen angegriffen, führt das leicht zu höheren Rohölpreisen. Auch nach seiner Erklärung zum Stopp der Angriffe dürfte Trump iranische Schritte, die zu höheren Benzinpreisen in den USA führen könnten, nicht hingenommen haben. Vor den am 3. November anstehenden US-Zwischenwahlen steht er damit vor einer schwierigen Entscheidung.
Eine der weltweit größten Ölraffinerien des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Aramco wurde auch kurz nach Beginn der iranischen Angriffe durch US- und israelische Streitkräfte Ende Februar von einer Drohne getroffen. Als 2019 Aramco-Ölanlagen angegriffen wurden, halbierte sich die Produktion vorübergehend, und der Rohölpreis stieg zeitweise um 20 Prozent.
Der Iran lässt erkennen, dass er Rohöl, das als Achillesferse der US-Wirtschaft gilt, als Druckmittel einsetzen und die Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe zu seinen Gunsten beeinflussen will. Auch die proiranische Huthi-Miliz im Jemen erklärte am 28. in einer Mitteilung, sie habe einen saudischen Tanker mit mehreren ballistischen Raketen angegriffen. Dies sei Teil der am 20. ausgerufenen Seeblockade gegen schiffsbezogene saudische Interessen im Umfeld des Roten Meers gewesen, und der Tanker habe umgedreht, hieß es. Der genaue Standort der Fahrt war unklar, doch der Iran hat die Blockade der Straße von Bab al-Mandab, dem Ausgang des Roten Meers, als Verhandlungspfand genutzt. Auch die Huthi versuchen, dies einzusetzen, um die Kontrolle über die Transportrouten im Nahen Osten zu gewinnen.
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