KI-Sondereffekt heizt Finanzierungswettbewerb der Unternehmen an, Anleiheemissionen auf Rekordhoch
Anleiheemissionen auf Rekordhoch
Getrieben vom Sonderboom rund um Künstliche Intelligenz (KI) hat sich der Wettbewerb der Unternehmen um frisches Kapital verschärft. Die weltweiten Anleiheemissionen beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf rund 3,6813 Billionen Dollar (rund 580 Billionen Yen) und erreichten damit im Zeitraum Januar bis Juni zum zweiten Mal in Folge einen Rekord. Angesichts der Sorge vor den aggressiven Investitionen großer US-Tech-Konzerne verlangen Anleger zunehmend höhere Renditen.
Nach Angaben einer Untersuchung der London Stock Exchange Group (LSEG) lagen die weltweiten Emissionen 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Seit dem Tiefpunkt im Zeitraum Januar bis Juni 2022 nach der Corona-Pandemie stiegen sie vier Jahre in Folge und vergrößerten sich auf das 1,5-Fache. Die Zahl der Emissionen sank hingegen um 12 Prozent auf 10.408, was auf größere Einzeltransaktionen hindeutet. LSEG wertete Daten seit 2000 aus.
Kapitalbeschaffung konzentriert sich auf US-Konzerne
Auch die Kapitalbeschaffung, einschließlich Aktien und Wandelanleihen, belief sich auf rund 470 Milliarden Dollar und war damit die zweitgrößte je erfasste Summe nach dem Zeitraum Januar bis Juni 2021. Zusammen mit Anleihen erreichte das Volumen einen Rekord von rund 660 Billionen Yen und damit ein Niveau, das dem japanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahekommt.
Die großen Anleiheemissionen konzentrieren sich auf US-Unternehmen. Die größte kam von Amazon.com, das im März Anleihen im Volumen von 36,8 Milliarden Dollar platzierte und zusammen mit gleichzeitig begebenen Euro-Anleihen rund 54 Milliarden Dollar einsammelte. Die Mittel dürften für Investitionen in Cloud- und KI-Rechenzentren verwendet werden. Auch Meta und Nvidia begeben jeweils Anleihen über rund 25 Milliarden Dollar; Nvidia will das Geld für die Entwicklung fortschrittlicher Chips nutzen. Der Anteil der USA an den weltweiten Anleiheemissionen stieg erstmals seit sechs Jahren wieder über 30 Prozent.
In einem Ende Juni veröffentlichten Bericht von Bank of America (BofA) erreichten die weltweiten KI-bezogenen Anleiheemissionen seit Jahresbeginn 2026 insgesamt 220 Milliarden Dollar. Die gesamten Anleiheemissionen japanischer Unternehmen beliefen sich in Dollar gerechnet auf einen Rekord von 155,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, doch allein die KI-bezogenen Emissionen liegen deutlich darüber.
Wachsende Vorsicht der Anleger
Auch japanische Unternehmen weiten ihre Finanzierung aus. Die SoftBank Group entschied im April, Anleihen im Volumen von umgerechnet 570 Milliarden Yen in Dollar und Euro zu begeben. Die Mittel sollen unter anderem Kosten im Zusammenhang mit Beteiligungen an OpenAI decken. Panasonic Holdings hat im Juli ebenfalls Dollar-Anleihen über 500 Millionen Dollar begeben, und die KI-bezogene Kapitalbeschaffung nimmt weiter zu.
An den Märkten wächst die Sorge vor einem abrupten Anstieg des Anleiheangebots. Nachdem Amazon Anfang Juli eine Anleiheemission über 25 Milliarden Dollar beschlossen hatte, weiteten sich die Anleihe-Spreads, also die Aufschläge, für Hyperscaler einschließlich des Unternehmens schnell aus. Der Spread von Meta stieg von rund 1,2 Prozent auf rund 1,4 Prozent und spiegelte wider, dass Anleger, die bisher Emissionen in beispiellosem Umfang aufgenommen hatten, nun höhere Renditen verlangen.
Unklarheit bei der Monetarisierung
Es gibt auch Stimmen, die bezweifeln, dass die Vorabinvestitionen in Rechenzentren wie erwartet zu Ergebnissen führen werden. Die Investitionsausgaben der vier Unternehmen Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta übertrafen im Zeitraum Januar bis März 2026 erstmals seit 2020 die Gewinne aus dem Kerngeschäft. Meta plant für das Gesamtjahr 2026 Investitionen in Sachanlagen von 125 bis 145 Milliarden Dollar.
Oracle verwies in seinem im Juni veröffentlichten Geschäftsbericht darauf, dass KI-Investitionen scheitern könnten. Genannt wurden unter anderem Risiken, dass der Bau von Rechenzentren länger dauert oder dass große Kunden auch nach der Fertigstellung die Nutzungsgebühren nicht zahlen. Am 9. stufte S&P Global Ratings das langfristige Emittenten-Rating von Oracle wegen der Ausweitung der KI-Investitionen auf die niedrigste Investment-Grade-Stufe 'Triple-B-minus' herab.
Eine Konzentration der Mittel auf einzelne Branchen könnte die Marktinstabilität verstärken. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) erklärte in einem Bericht vom Juni angesichts des Ausbaus der KI-Finanzierung und der Ausweitung der Anleihe-Spreads: 'Sollte der KI-Boom an Fahrt verlieren, könnte auch die Stabilität des Finanzsystems gefährdet sein. Einer der besonders verwundbaren Bereiche ist der Anleihemarkt.'
John Waldron, Präsident und Chief Operating Officer (COO) von Goldman Sachs in den USA, sagte in einem Interview mit der Nihon Keizai Shimbun, der Wettbewerb um Finanzierungen rund um KI habe den Charakter eines 'Winner takes all'. Größere Unternehmen hätten besseren Zugang zu den Kapitalmärkten und könnten Ausgaben und Investitionen in KI wirksamer vorantreiben, sagte er.
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