Der Nikkei erholt sich in Tokio, Rückkäufe bei KI- und Halbleiterwerten
Rückkäufe bei KI- und Halbleiterwerten
Am 21. Handelstag in Tokio legte der Nikkei-Durchschnitt zu, und der Schlussstand am Vormittag lag mit 65.255 Punkten um 1.114 Punkte oder 1,74 Prozent über dem Stand vom vergangenen Freitag. Zwischenzeitlich hatte das Plus mehr als 1.500 Punkte erreicht. Nach dem fünftgrößten Tagesverlust der Geschichte am vergangenen Freitag griffen Anleger vor allem bei Aktien aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter zu, um eine technische Gegenbewegung zu spielen.
China-KI-Schock lässt nach
Der vergangene Woche die globalen Märkte erschütternde China-KI-Schock hat sich vorerst beruhigt. Am US-Markt am 20. Tag, als Japan Feiertag hatte, stieg der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), der aus wichtigen Halbleiterwerten besteht, um 0,59 Prozent gegenüber dem vergangenen Freitag und erholte sich erstmals seit vier Handelstagen. Auch an den asiatischen Märkten am 21. Tag legten der stark technologiegewichtete südkoreanische KOSPI und der Taiwan-Index zu und stützten damit den Markt in Tokio.
Besonders deutlich war die Erholung der KI- und Halbleiterwerte, die am vergangenen Freitag stark gefallen waren. Kioxia Holdings, die am 17. Tag bis zum unteren Limit der täglichen Kursbandbreite verkauft worden war, stieg zwischenzeitlich um 12 Prozent. Die SoftBank Group (SBG) legte zeitweise 5 Prozent zu, Advantest in einer Phase 6 Prozent.
Sorge vor breiterem China-KI-Einfluss
Das chinesische KI-Start-up Moonshot AI, auf Japanisch Tsuki no Yami, kündigte am Abend des 19. Tages an, keine neuen Nutzeranmeldungen mehr anzunehmen. Grund sei der sprunghaft gestiegene Nutzungsansturm und ein Mangel an den für die Verarbeitung benötigten Rechenressourcen. Das in der vergangenen Woche vorgestellte neue Modell 'Kimi K3' des Unternehmens wurde zunehmend als leistungsseitig nahe an US-KI gesehen, was Verkaufsdruck auf entsprechende Aktien auslöste, weil die Vormachtstellung der US-KI-Anbieter bedroht erscheine. Die Erwartung, dass sich chinesische KI rasch verbreiten werde, ließ jedoch nach und führte zu Rückkäufen.
Für KI-Dienste sind Server mit Bildverarbeitungsprozessoren (GPU) unerlässlich. Mit wachsender Nutzung müssen Halbleiter und Server ausgebaut werden, zugleich nimmt die Datenmenge für die Entwicklung zu, was die Bedeutung der Sicherung modernster Halbleiter weiter erhöht. Zwar gilt die Leistung chinesischer KI-Modelle selbst als hoch, doch wegen der US-Exportkontrollen wird der GPU-Bestand dort weiterhin als begrenzt angesehen.
Kenji Yasui, Analyst bei UBS Securities, sagte mit Blick auf das Rechenvolumen, es gebe zwischen den USA und China eine 'enorme Lücke' beim verfügbaren Bestand. Das Rechenvolumen auf chinesischer Seite könne sich schon bald dem Sättigungspunkt nähern, und auch für chinesische Unternehmen seien von westlichen Ländern entwickelte Spitzentechnologien bei Halbleitern unverzichtbar. Die Einschätzung, dass sich die Halbleiternachfrage nicht deutlich abschwächen werde und Aktienkurse nach einer vorübergehenden Korrektur rasch zurückkehren könnten, habe offenbar zur Beruhigung der Anleger beigetragen, sagte Yasui.
Warnung vor Überhitzung bleibt
Gleichwohl bleibt die Vorsicht vor einer Überhitzung der KI- und Halbleiterwerte bestehen, die seit Jahresbeginn fest tendiert haben. Laut Goldman Sachs haben Hedgefonds in sechs der vergangenen acht Wochen US-Technologieaktien netto verkauft. Das Ausmaß der Nettoverkäufe entspricht dem Niveau vom Sommer 2024, als seit Beginn der Erhebung vor mehr als zehn Jahren ein Rekord erreicht worden war.
Vincent Lin und andere Goldman-Analysten wiesen darauf hin, dass die anhaltend starken Kursschwankungen bei Halbleiter-, Speicher- und KI-Infrastrukturwerten und die seit Anfang Juni andauernden umfangreichen Verkäufe auf eine deutliche Reduzierung der Long-Positionen von Technologieinvestoren hindeuten. In einigen Fällen seien auch erste Anzeichen von Kapitulationsverkäufen zu sehen.
Auch die Sorge vor einer verschärften US-chinesischen Entwicklungskonkurrenz schwelt weiter. Chinesische KI-Unternehmen holen die USA rasch ein, und es gibt die Ansicht, dass der Leistungsabstand zwischen den KI-Modellen beider Länder nur etwa vier bis sechs Monate betrage. Zudem wird darauf hingewiesen, dass chinesische KI zu Preisen angeboten wird, die nur einen Bruchteil der US-Produkte ausmachen. Sollten Nutzer zu der günstigeren chinesischen KI abwandern, könnte der Markt erneut ins Wanken geraten. Ein volatiler Verlauf dürfte anhalten.
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