Dollar-Käufe nehmen zu, der Yen fällt angesichts der Spannungen im Nahen Osten auf über 163 je Dollar
Die Dollarstärke und Yen-Schwäche haben sich erneut beschleunigt. Am 21. in New York fiel der Yen-Kurs auf mehr als 163 je Dollar und damit erstmals seit 1986. Vor dem Hintergrund der angespannten Lage im Nahen Osten nahmen Dollar-Käufe zu; Japans Grundsatzpapier zur Wirtschafts- und Finanzpolitik konnte die Sorge des Marktes vor einer weiteren Yen-Schwäche nicht mindern.
Dollar-Käufe dominieren wegen der Lage im Nahen Osten
Der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar hatte in den vergangenen zwei Wochen in einer engen Spanne geschwankt, drehte aber ab dem frühen Morgen des 21. nach US-Ostküstenzeit nach unten. Gegen 10 Uhr fiel er unter das jüngste Tief vom 1. Juli von 162 Yen 84 Sen je Dollar und rutschte, unter dem Einfluss von Yen-Kaufaufträgen in Erwartung einer Devisenintervention sowie Stop-Loss-Orders, schlagartig auf über 163 je Dollar - erstmals seit 39 Jahren und sieben Monaten.
Der Dollar-Index stieg um 0,2 Punkte gegenüber dem 20. auf mehr als 101. Die Warnung von US-Präsident Donald Trump am 21., die Region, in der der Iran angeblich nuklearbezogene Anlagen errichte, werde 'in Kürze sehr heftig angegriffen', löste riskoarme Dollar-Käufe aus. Mitte Juni hatten die USA und der Iran ein Memorandum zur Beendigung der Kämpfe unterzeichnet, doch die Sorge vor einer erneuten Eskalation bis hin zu einem umfassenden Konflikt nimmt zu.
Ein weiterer Faktor war die Ankündigung der proiranischen Miliz Huthi vom 20., gegen Saudi-Arabien mit Blick auf das Rote Meer umgehend eine 'Seeblockade' umzusetzen. Da mit einer länger anhaltenden Störung der Energieversorgung gerechnet wird, stieg der Frontmonat der WTI-Futures am 21. zeitweise auf mehr als 85 Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juni.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, ein Maßstab für die langfristigen Zinsen in den USA, stieg auf über 4,6 Prozent. Die Erwartung, dass auch in den USA der Inflationsdruck durchschlägt, stützte zudem die Dollar-Käufe mit Blick auf Zinserträge.
Faktoren, die die Yen-Schwäche stützen
Die Sorge vor einer Blockade des Roten Meeres wirkt für Japan auch als Faktor für Yen-Verkäufe. In Japan, das stark von Rohöl aus dem Nahen Osten abhängig ist, führt ein höherer Ölpreis leicht zu einem größeren Handelsdefizit. Atsuhide Sakamoto, Senior Economist bei der Sumitomo Mitsui Banking Corp. in New York, sagte, der unmittelbare Hauptgrund sei Dollar-Kauf, fügte aber hinzu: 'Die Logik, dass höhere Ölpreise das Handelsdefizit Japans ausweiten und dadurch die Yen-Schwäche fördern, wird mittel- bis langfristig wirksam.'
Das von den Märkten beachtete Regierungspapier mit den Leitlinien für die Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Reformen, das so genannte Grundsatzpapier zur Wirtschafts- und Finanzpolitik, lieferte keinen Anhaltspunkt dafür, den Yen-Verfall zu stoppen. Auf den im Juni veröffentlichten Entwurf wurde so reagiert, als solle er eine Zinserhöhung der Bank of Japan zurückhalten, woraufhin die langfristigen Zinsen stark gestiegen waren. In der am 21. vom Kabinett beschlossenen Fassung wurde ein Hinweis auf die Unabhängigkeit der Bank of Japan aufgenommen, was in gewissem Maß Rücksicht auf den Markt zeigte. Sakamoto sagte, die Yen-Verkäufe aus Sorge vor einer expansiveren Fiskalpolitik hätten nachgelassen, doch die Ansicht breite sich aus, dass es weiterhin an Auslösern für Yen-Käufe fehle.
Mit dem Durchbruch der Marke wächst auch die Interventionsangst
Mit dem Sprung über die Marke von 163 je Dollar nahm am Markt auch die Sorge vor einer Yen-Kaufintervention durch Regierung und Bank of Japan zu. Ein Vertreter einer japanischen Bank in New York sagte, man beobachte aufmerksam die Äußerungen von Finanzministerin Satsuki Katayama und Währungschef Atsushi Mimura am Morgen japanischer Zeit. Aus dem Finanzministerium kamen bislang nur wenige direkte Signale gegen die Yen-Schwäche, sodass sich der Markt wohl weiter auf die Aktivitäten der Behörden und den Zeitpunkt einer Intervention einstellen muss.
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