Yen zeitweise auf 163 je Dollar, Tief seit rund 39 Jahren und sieben Monaten
Dollar-Käufe überwiegen wegen Nahost-Spannungen
Vor dem Hintergrund angespannter Nahostlage griffen in Krisenzeiten Dollar-Käufe um sich, und am Morgen des 21. auf dem New Yorker Devisenmarkt gab der Yen gegenüber dem Dollar nach und notierte zeitweise bei 163 je Dollar. Das war der schwächste Stand seit Dezember 1986 und damit das Tief seit 39 Jahren und sieben Monaten.
Auch höhere Ölpreise belasten den Yen
Der Yen fiel damit noch unter das Anfang Juli markierte Tief von 162,84 Yen je Dollar. Am 21. um 17 Uhr japanischer Zeit lag er noch bei rund 162,60 Yen, weitete die Verluste danach jedoch rasch aus.
US-Präsident Donald Trump schrieb am 20. in den sozialen Medien, Iran werde für jeden getöteten US-Soldaten den Preis mehrfach zahlen müssen. Aus Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und Iran in einen umfassenden militärischen Zusammenstoß eskalieren könnte, wurde der Dollar gegenüber einer breiten Palette von Währungen gekauft.
Die pro-iranische bewaffnete Huthi-Bewegung erklärte am 20., sie werde gegen Saudi-Arabien mit Blick auf das Rote Meer sofort eine 'Seeblockade' verhängen. Erwartete Störungen des Energieverkehrs ließen die Ölpreise steigen, und die Ansicht, Japans handelsbedingtes Defizit könne wegen der Abhängigkeit von Ölimporten zunehmen, trug ebenfalls zu Yen-Verkäufen und Dollar-Käufen bei.
Auch US-Zinsausblick stützt
Die Sorge vor erneut anziehender Inflation in den USA bleibt ausgeprägt. Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Fed, sagte in einer Anhörung vor dem US-Kongress am 14. er werde ein dauerhaft hohes Inflationsniveau nicht hinnehmen. Der am selben Tag veröffentlichte Verbraucherpreisindex (CPI) für Juni verlangsamte sich zwar im Anstieg, doch sei die Aufgabe 'noch nicht erfüllt', sagte er.
Weil Trump Powell einst für die Fed nominiert hatte, die von ihm stets zu kräftigen Zinssenkungen gedrängt worden war, erwartete der Markt teils, auch Powell neige zu Zinssenkungen. Vor diesem Hintergrund stützte die Inflationsvorsicht die Festigkeit des Dollar. Der Dollar-Index, der die Stärke des Greenback gegenüber wichtigen Währungen misst, lag über 100 Punkten und damit im Bereich der höchsten Stände seit Mai 2025.
Abwärtssorgen beim Yen bleiben
Der Verkaufsdruck auf den Yen bleibt bestehen. Neben dem im Vergleich zu großen Zentralbanken niedrigen Leitzins werden strukturelle Yen-schwächende Faktoren wie das Handelsdefizit und Auslandsaktienkäufe privater Anleger über das neue NISA-System berücksichtigt. Auch die Einschätzung, dass die Regierung von Sanae Takaichi eine expansive Fiskalpolitik und ein lockeres Finanzumfeld anstrebt, belastet den Yen.
Die Regierung und die Bank of Japan griffen Ende April, als der Yen in den Bereich von 160 je Dollar gefallen war, sowie im Juli 2024, als er bis auf 161 je Dollar nachgab, zu Yen-Käufen am Markt. Mit dem erneuten Vorstoß in den historischen Tiefbereich nimmt am Devisenmarkt nun auch die Wachsamkeit vor einer weiteren Yen-Kaufintervention wieder zu.
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