Off-Balance-Verbindlichkeiten aus KI-Investitionen bei US-Big-Tech erreichen 1,65 Billionen Dollar
Bei US-Big-Tech schnellen die außerbilanziellen künftigen Verbindlichkeiten aus Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) in die Höhe. Zusammen kommen die fünf großen Konzerne auf 1,65 Billionen Dollar (rund 268 Billionen Yen), etwa das Achtfache von vor rund vier Jahren. Damit liegen sie über den tatsächlichen Schulden, was die Prüfung der Anlagerisiken weiter erschwert.
Off-Balance-Verbindlichkeiten übersteigen die tatsächlichen Schulden
Betroffen sind Alphabet, Microsoft, Amazon.com, Meta und Oracle. Eine Auswertung der jüngsten Quartalsberichte und anderer Unterlagen ergab außerbilanzielle Verbindlichkeiten von 1,65 Billionen Dollar. Das übersteigt die tatsächlichen Schulden in der Bilanz von insgesamt rund 1,35 Billionen Dollar. Besonders Meta fällt mit rund 420 Milliarden Dollar deutlich aus dem Rahmen; das entspricht dem 2,8-Fachen der realen Werte.
Die großen Tech-Konzerne bauen für die KI-Entwicklung unverzichtbare Rechenzentren und Rechenkapazitäten rasch aus. GPUs und Server werden häufig über langfristige Kaufverträge gesichert; auch beim Bau von Rechenzentren setzen Unternehmen zunehmend auf Leasingverträge mit externen Betreibern, um die Anfangsbelastung gering zu halten und zugleich Kapazitäten zu sichern. Rechnungslegungsseitig gelten noch nicht ausgelieferte GPUs oder noch nicht in Betrieb genommene Rechenzentren als außerbilanziell und erscheinen nicht in der Bilanz.
Nur in Anhangangaben sichtbar und schwer erkennbar
Oracle treibt gemeinsam mit OpenAI das große Rechenzentrumsprojekt 'Stargate' voran und setzt dabei auf Leasingverträge mit externen Betreibern. Die nicht sichtbaren Verbindlichkeiten des Unternehmens beliefen sich Ende Mai 2026 auf 273,3 Milliarden Dollar und haben sich in vier Jahren mehr als ver-30-facht.
Solche Verbindlichkeiten werden nicht in der Bilanz, sondern etwa in den Anhangangaben der Quartalsberichte erläutert. Das ist bilanziell korrekt, für Privatanleger ist das Risiko jedoch schwerer zu erfassen. Morgan Stanley hat die Analyse in einem Investorenbericht vertieft, und Moody's wies im Februar ebenfalls auf den starken Anstieg noch nicht in Betrieb genommener Leasingverträge hin.
Die großen Tech-Konzerne rechnen derweil mit Erträgen, die die künftigen Verbindlichkeiten übertreffen. Der Auftragsbestand etwa im Cloud-Geschäft von Microsoft, Alphabet und Amazon belief sich trotz unterschiedlicher Definitionen Ende März auf insgesamt 1,45 Billionen Dollar. Matt Garman, CEO von AWS, der Amazon-Tochter, betonte: 'Es handelt sich nicht um spekulative Investitionen.'
Auch Mittel institutioneller Investoren werden genutzt
Zur Ausweitung der unsichtbaren Verbindlichkeiten trägt auch eine Finanzierung bei, die institutionelle Investoren einbindet. Meta hat mit der US-Investmentfirma Blue Owl Capital ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet und baut in Louisiana ein riesiges Rechenzentrum. Zum Zeitpunkt der Ankündigung 2025 lagen die gesamten Entwicklungskosten bei 27 Milliarden Dollar, doch Meta sichert sich Rechenkapazitäten mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz, indem es 20 Prozent an der Betreibergesellschaft hält und die Anlage per Leasing nutzt. Am 13. des Monats teilte das Unternehmen zudem mit, dass die Gesamtinvestition an diesem Standort voraussichtlich mehr als 50 Milliarden Dollar erreichen wird.
Meta hat außerdem einen Vertrag abgeschlossen, der die Verluste der Investorenseite absichert, falls das Rechenzentrum nicht mehr benötigt wird und der Leasingvertrag gekündigt werden muss. Die großen Tech-Konzerne investieren bereits mehr, als sie mit ihrem eigenen Geschäft verdienen, und beschleunigen ihre Investitionen in Sachanlagen zusätzlich zu Anleiheemissionen und Kapitalerhöhungen auch durch Mittel institutioneller Investoren.
Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beschrieben in einem Bericht vom März die Methode, bei der Mittel von institutionellen Investoren eingeworben werden, ohne die tatsächlichen Schulden zu erhöhen, als 'shadow borrowing'. Ein leitender Mitarbeiter einer inländischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verweist darauf, dass die Sorge zunimmt, die tatsächliche finanzielle Belastung sei größer als die in der Bilanz sichtbare.
Zirkuläre Risiken der KI-Investitionen
Die unsichtbaren Verbindlichkeiten werden sich früher oder später weitgehend in sichtbare Verpflichtungen verwandeln. Wenn Rechenzentren in Betrieb gehen, steigt die tatsächliche Belastung; verlangsamt sich das Wachstum der KI-Nachfrage, könnte das zu niedrigeren Auslastungsquoten und fallenden Vermögenswerten führen.
Die aktuelle KI-Branche wird teilweise durch 'zirkuläre Investitionen' getragen: US-Unternehmen wie Nvidia und große Tech-Konzerne beteiligen sich an Rechenzentrumsbetreibern und KI-Firmen ihrer Kunden, und das Geld fließt dann in Form von GPU-Käufen oder Cloud-Gebühren zurück. Das ähnelt der Dotcom-Blase, als große Telekommunikationsausrüster Geld in aufstrebende Internetfirmen ihrer Kunden steckten, und begünstigt Überinvestitionen.
Rund vier Jahre nach dem Debüt von ChatGPT hat sich generative KI zu einem Bereich ausgeweitet, der auch sicherheitspolitische Bedenken auslöst, etwa durch eine Umnutzung für Cyberangriffe. Hinter dem enormen Kapital, das dieses Wachstum trägt, türmen sich die außerbilanziellen Verbindlichkeiten weiter auf.
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