Die Kooperation japanischer Unternehmen mit Nvidia beschleunigt sich, Abhängigkeitsproblem bei heimischer KI
Japanische Unternehmen kündigen nacheinander Kooperationen mit Nvidia an
Jensen Huang, Chief Executive Officer (CEO) des US-Halbleiterkonzerns Nvidia, hat seine wichtigsten Termine in Japan am 15. und 16. abgeschlossen. Er traf zahlreiche Unternehmenschefs und warb für die Unterstützung heimischer KI (künstliche Intelligenz), zugleich wurde die Abhängigkeit der japanischen Industrie von dem Konzern deutlich.
Nvidia informierte während seines Aufenthalts fortlaufend in einem offiziellen Blog über seine Aktivitäten. Dort wurden eigene Veranstaltungen, ein gemeinsames Event mit Sega, Empfänge und Mittagessen mit Führungskräften japanischer Unternehmen sowie eine Rede mit Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa im Lederjacken-Outfit vorgestellt. Der Blog trug den Titel 'Nvidia und Japan bringen KI und Robotik in alle Industrien'. Mehr als 40 Unternehmen, darunter Toyota Motor, Canon und Astellas Pharma, wurden genannt.
Auch die japanischen Unternehmen gaben nacheinander Partnerschaften und Kooperationen bekannt. Hitachi arbeitet bei der Erprobung des Betriebs einer weitgehend menschenleeren 'autonomen Fabrik' mit Nvidia zusammen, während Mitsubishi Heavy Industries Nvidias Technologie in einem Kühlsystem für Rechenzentren einsetzt.
Ansicht: Es geht lediglich um den Kauf von Halbleitern
Japans Industrie begrüßte Huang in gleicher Tonlage. Ein Unternehmensmanager sagte mit trockenem Lächeln: 'Auch wenn von Partnerschaft' oder 'Kooperation' die Rede ist, läuft es im Kern doch nur darauf hinaus, Nvidias Halbleiter zu kaufen.'
Huang hat Nvidia als um die Welt reisender Verkaufschef selbst als Marke gestärkt. Auch japanische Unternehmen dürften mit Verweisen auf die Zusammenarbeit mit dem Konzern vor allem Aktionären etwas präsentieren wollen.
Die Struktur, in der führende Unternehmen aus einer breiten Palette von Branchen im KI-Bereich mit Nvidia zusammenarbeiten, spiegelt die Tiefe der Abhängigkeit von der KI-Infrastruktur des Konzerns wider. Das gilt auch für heimische KI, die vom Wirtschaftsministerium unterstützt und von einem Firmenkonsortium um SoftBank entwickelt wird: Dafür sollen mit öffentlichen Mitteln rund 27.500 Nvidias KI-Halbleiter des Typs 'Rubin' gekauft werden. Die Kosten dürften sich auf mehrere hundert Milliarden Yen belaufen.
Heimische KI steht für ein Konzept, bei dem japanische Akteure das Modelldesign, die Datenspeicherung, das Training und den Betrieb sowie die Rechte am geistigen Eigentum übernehmen. Beim zentralen Rechensystem der KI-Infrastruktur bleibt Japan jedoch auf Nvidia angewiesen.
Warum Länder Nvidia suchen
Nur wenige Länder können ihre KI-Infrastruktur vollständig im eigenen Land aufbauen. Nvidia ist an der KI-Entwicklung in mehr als 20 Ländern beteiligt, darunter Großbritannien, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Schon den Begriff 'souveräne KI' hat Huang selbst vorangetrieben. Die Länder messen der Bedeutung eigener KI zunehmend großes Gewicht bei und versuchen, mit Staatsgeldern die KI-Infrastruktur von Nvidia zu sichern.
Ein Bericht des Oxford Internet Institute der Universität Oxford weist darauf hin, dass nur die USA und China über eine 'Compute-Souveränität' verfügen, die es erlaubt, hochmoderne KI-Rechenzentren mit heimischen Unternehmen aufzubauen. Bleibt die Abhängigkeit von dem US-Unternehmen Nvidia hoch, besteht auch das Risiko, dass die eigene KI-Infrastruktur stillsteht, wenn die US-Regierung Exportbeschränkungen verhängt.
Huang sagte am 16. bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsministeriums: 'Das Wissen aus Japans industrieller Praxis ist ein Schatz des Landes.' Solche Aussagen wiederholte er jedoch auch in Taiwan und Südkorea, weshalb sie auch als Teil seiner Verkaufstour gelten können. Die japanische Industrie zeigte sich begeistert vom Japan-Besuch des Stars der KI-Ära, doch ob aus Kooperationen und Partnerschaften tatsächlich konkrete Ergebnisse entstehen, wird sich erst noch zeigen.
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