Nvidias CEO nach neun Monaten wieder in Japan, Fokus auf Noetra-Partnerschaft
Nvidias Vorstandschef Jensen Huang wird bei einer Veranstaltung am 15. und 16. in Japan auftreten. Er dürfte dort den Verkauf von Halbleitern an das von SoftBank und anderen gegründete Unternehmen für künstliche Intelligenz (KI) anpreisen; damit wird der Trend, nationale KI als nächste Wachstumsbranche zu positionieren, noch deutlicher.
Zusammenarbeit mit Noetra im Fokus
Huang befindet sich erstmals seit Oktober 2025 wieder auf einer offiziellen Reise nach Japan, also seit rund neun Monaten. Bei seinem letzten Besuch hatte er eine Partnerschaft mit Fujitsu zur gemeinsamen Entwicklung von KI-Halbleitern bekanntgegeben. Auch bei seinen Reisen nach Taiwan und Südkorea seit Ende Mai stellte er Kooperationen mit lokalen Unternehmen in den Vordergrund; bei diesem Japan-Besuch steht nun die Partnerschaft mit dem staatlich geförderten KI-Unternehmen 'Noetra' im Fokus.
Noetra ist ein Entwickler von Basismodellen für Physical AI und wurde von den vier Kernunternehmen SoftBank, NEC, Honda und Sony Group gegründet. 44 inländische Unternehmen aus der Industrie und anderen Branchen beteiligen sich, und auch die Regierung unterstützt das Projekt mit bis zu 1 Billion Yen. Zu einer Veranstaltung am 16., die vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie ausgerichtet wird, sollen Huang und der Präsident von Noetra kommen. Noetra dürfte in seiner Entwicklungsplattform Nvidias neueste KI-Halbleiter einsetzen; Huang wird damit seine Stärke im 'Top-Verkauf' ausspielen.
Nachfrage mit souveräner KI erschließen
Der Hintergrund für den verstärkten Einsatz von 'souveräner KI', also KI, die in einem Land entwickelt und betrieben wird, ist, dass KI zunehmend zu einem strategischen Gut der wirtschaftlichen Sicherheit wird. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump wies im Juni an, die Nutzung von Anthropics fortschrittlichem KI-Modell 'Mythos' durch Ausländer einzuschränken; die Bereitstellung wurde vorübergehend ausgesetzt. Dass die Entwicklung der modernsten KI-Modelle in den Händen der USA liegt, verstärkt die Sorge anderer Länder.
In Europa unterstützt die französische Regierung das heimische KI-Start-up Mistral AI. Auch China baut unter staatlicher Führung eine eigene KI-Versorgungskette auf, gestützt auf Unternehmen für die Entwicklung von KI-Modellen wie DeepSeek und auf Halbleiter von Huawei Technologies (Huawei). Für Nvidia könnte diese souveräne KI zu einer neuen Einnahmequelle werden. Das Unternehmen ist in KI-Entwicklungspläne in mehr als 20 Ländern eingebunden, darunter Großbritannien, Deutschland und Frankreich sowie Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE).
Umsatz über 30 Milliarden Dollar
Nvidia liefert die für den Bau von Rechenzentren in verschiedenen Ländern benötigten KI-Halbleiter; der Umsatz im Zusammenhang mit souveräner KI für das Geschäftsjahr bis Januar 2026 stieg auf mehr als das Dreifache des Vorjahres und lag über 30 Milliarden Dollar (rund 4,9 Billionen Yen).
Zugleich dient die stärkere Fokussierung auf souveräne KI auch der Risikostreuung. Mehr als 50 Prozent von Nvidias Umsatz mit Rechenzentren entfallen auf fünf Unternehmen, darunter die US-Konzerne Google und Microsoft sowie Hyperscaler, also große Cloud-Anbieter. Der Aktienkurs schwächelt seit Mai, doch ein wachsendes Interesse an souveräner KI könnte die Anlegerstimmung verbessern und eine Erholung der Aktie auslösen.
Allerdings verschärft sich der Wettbewerb. Das kanadische KI-Unternehmen Cohere hat angekündigt, ein deutsches Konkurrenzunternehmen zu übernehmen, um die Entwicklung souveräner KI zu unterstützen. Reuters berichtete am 1., dass die französischen Aufsichtsbehörden Vorbereitungen treffen, Nvidia wegen des Verdachts wettbewerbswidrigen Verhaltens anzuklagen. Dies könnte zu einer hohen Geldstrafe führen.
Ob Nvidia seinen Vorsprung halten kann, bleibt ungewiss. Das US-Halbleiter-Start-up Cerebras Systems plant, bis Ende 2027 Rechenzentren mit seinen Halbleitern in Norwegen, Finnland, Frankreich und anderen Ländern auf eine Leistung von 200 Megawatt auszubauen. Um souveräne KI zu einer nächsten Einnahmequelle zu machen, muss Nvidia auch die Bewegungen der Aufsichtsbehörden und Wettbewerber im Blick behalten.
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