Finanzaufsicht prüft Zinsstresstauglichkeit von Regionalbanken, detaillierte Anhörungen ab August
Die Finanzdienstleistungsaufsicht hat mit einer Untersuchung begonnen, ob die Regionalbanken im ganzen Land über eine Geschäftsstruktur verfügen, die steigenden Zinsen standhält. Bereits im August will sie den Kreis der Institute eingrenzen und mit detaillierten Anhörungen beginnen. Geprüft werden soll, ob sie dem Wettbewerb um Einlagen und den nicht realisierten Verlusten auf gehaltene Anleihen gewachsen sind; falls nötig, sollen Verbesserungen angestoßen werden.
ALM aller Banken wird geprüft
Es ist ungewöhnlich, dass das für die Bankenführung zentrale ALM-System (Asset-Liability Management, integriertes Management von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten) bei sämtlichen Regionalbanken überprüft wird. In einer Welt mit Zinsen steigen zwar die Margen im Kreditgeschäft, zugleich haben jedoch immer mehr Regionalbanken Schwierigkeiten, die für die Kreditvergabe nötigen Einlagen zu sichern. Die Finanzaufsicht warnt vor Banken, deren Geschäftsmodell sich durch verschärften Wettbewerb destabilisieren könnte.
Zunächst hatte die Finanzaufsicht in diesem Frühjahr unter rund 100 Regionalbanken eine Umfrage mit etwa 15 Punkten durchgeführt. Dabei wurde unter anderem geprüft, ob Fachpersonal vorhanden ist, das Zinsänderungsrisiken erfasst, welche Abteilung und welche Person die Einlagen- und Aktienbestände kontrolliert und mit welchen Instrumenten Risiken begrenzt werden.
Für die Zukunft erwägt die Behörde, mit mindestens mehr als 10 Banken detailliertere Gespräche zu führen. Sie geht davon aus, dass Personal häufig nur scheinbar reichlich vorhanden ist, in der Praxis aber viele Beschäftigte mehrere Funktionen zugleich ausüben, sodass das Risikomanagement nicht ausreichend funktioniert, oder dass die Zuständigkeiten unklar sind.
Kredit-Einlagen-Quote über 80 Prozent
Die Kredit-Einlagen-Quote, die das Verhältnis von Krediten zu Einlagen bei Regionalbanken zeigt, verharrt weiter auf hohem Niveau von mehr als 80 Prozent. Um die Kreditvergabe auszuweiten, setzen einige Institute extrem hohe Festgeldzinsen an. Auch bei den stillen Verlusten auf Anleihen kann der tatsächliche Umfang größer sein als in den veröffentlichten Abschlüssen ausgewiesen, heißt es.
Die Finanzaufsicht will in den Gesprächen eine Neuaufstellung der Finanzierungsquellen und der Strukturen sowie die Ausbildung von Mitarbeitern mit fundierten Kenntnissen des Zinsumfelds einfordern. Hält sie die Probleme für äußerst gravierend, etwa weil die eigene Lage der Bank überhaupt nicht erfasst wird, zieht sie auch Prüfungen in Betracht.
Derzeit hat das Interesse an der Risikosteuerung der Finanzinstitute zusätzlich zugenommen, nachdem es im Zuge des Insolvenzverfahrens gegen den Kreditkarten-Abwickler Zento Shinkin (Osaka) zu weit mehr Aufmerksamkeit gekommen ist. Ein Führungskraft einer großen Regionalbank sagte: 'Mit dem Anstieg der Zinsen hat sich die Sicht auf Einlagen und Kredite um 180 Grad gedreht. Ohne grundlegende Überarbeitung der Strukturen drohen Probleme.' Die Finanzaufsicht will nun beurteilen, ob die Geschäftsstrukturen der Regionalbanken, die sich unter dem extrem niedrigen Zinsumfeld entwickelt haben, mit der Phase steigender Zinsen zurechtkommen.
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