USA erlauben Patriot-Produktion in der Ukraine, um Engpässe zu lindern
USA erlauben Patriot-Produktion in der Ukraine
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump wird die Lizenzproduktion des US-Flugabwehrsystems Patriot in der Ukraine zulassen. Das teilte Trump am 8. bei einem Treffen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Bisher war dies nur den beiden Verbündeten Japan und Deutschland gestattet worden, was den Schritt außergewöhnlich macht.
Lieferengpässe stehen hinter dem Beschluss
Die USA haben durch Angriffe auf den Iran einen großen Teil ihrer Patriot-Bestände verbraucht und können die Anfragen der Ukraine nach Waffenhilfe mit der derzeitigen Produktionskapazität nicht mehr vollständig bedienen. Deshalb soll die Ukraine in die Lieferkette eingebunden werden.
Patriot gilt als eines der weltweit leistungsfähigsten Flugabwehrsysteme, das anfliegende Raketen erkennt und abfängt. Auch unter US-Waffen ist die Nachfrage in vielen Ländern besonders hoch, und die Freigabe der lokalen Produktion hat zudem eine symbolische Bedeutung für eine vertiefte Verteidigungskooperation.
Für die Produktion müssten zunächst Lizenzen von den großen US-Rüstungskonzernen Lockheed Martin und RTX, früher Raytheon Technologies, eingeholt werden. Hinzu kommt die Abstimmung mit Dutzenden Unternehmen, die an den Fertigungsstufen für Bauteile und andere Komponenten beteiligt sind. Trump sagte am 8., die betreffenden Unternehmen seien noch nicht informiert worden, fügte aber hinzu: 'Es wird funktionieren'.
Bis zum Produktionsstart könnten Jahre vergehen
Tom Karako vom US-Thinktank Center for Strategic and International Studies (CSIS), der sich mit Raketenabwehr befasst, sieht selbst bei einem reibungslosen Verlauf des Vorhabens: 'Es wird Jahre dauern, bis in der Ukraine das erste Patriot-System produziert werden kann'.
Japan vereinbarte 2005 eine Lizenzproduktion, Mitsubishi Heavy Industries begann im Geschäftsjahr 2008 mit der Fertigung. Selenskyj sagte am 9. über Mitsubishi Heavy Industries, das Unternehmen sei 'ein starkes Beispiel für die heimische Produktion von Abfangraketen', und zeigte sich offen für eine Fertigung in der Ukraine.
Deutschland einigte sich 2022 und nahm 2024 die Produktion auf. Auch die Ukraine könnte, wenn sie die Vorbilder Japan und Deutschland nutzt, früher als zunächst erwartet mit der Fertigung beginnen.
Laut CSIS halbierte sich der US-Patriot-Bestand durch die im Februar begonnenen Angriffe auf den Iran. Grund dafür war, dass viele Systeme für die Verteidigung Israels und anderer angegriffener Länder bereitgestellt wurden. Trump schrieb im März in den sozialen Medien, er habe sich mit den Vorstandschefs von sieben Unternehmen, darunter große US-Rüstungsfirmen, abgestimmt und eine Vereinbarung erzielt, die Produktion hochentwickelter Waffen zu vervierfachen.
Dennoch braucht die Ausweitung der Produktion in den USA Zeit, und Lieferungen an Verbündete und befreundete Staaten könnten selbst bei bereits geschlossenen Verträgen um Jahre verzögert werden. Die USA stehen für rund 40 Prozent der weltweiten Waffenexporte und liegen damit deutlich vor Russland, das auf etwa 10 Prozent kommt.
Westliche Staaten, darunter Japan und europäische Länder, waren bislang von den US-Lieferketten abhängig. Nach den Angriffen auf den Iran dürfte die Lage anhalten, dass die US-Produktion die Nachfrage vorerst nicht einholt. Darin liegt der Hintergrund für die Freigabe der Patriot-Produktion in der Ukraine.
Auch Verbündete bauen die Produktion aus
Die USA verlangen von ihren Verbündeten, die Verteidigungsausgaben auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben. Vor diesem Hintergrund könnte die Tendenz, Produktion innerhalb der Bündnisse zuzulassen, künftig breiter werden.
In Australien hat die inländische Fertigung des US-Mehrfachraketensystems GMLRS begonnen. Es ist das erste Mal, dass GMLRS außerhalb der USA produziert wird. Nach Angaben von US-Medien hat Deutschland die USA gebeten, die Tomahawk-Marschflugkörper vor Ort zu produzieren.
Auch bei der Luft-Luft-Rakete AMRAAM von RTX wird eine Fertigung in Europa geprüft. Die USA sondieren eine mögliche gemeinsame Produktion mit Belgien, Kanada, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Großbritannien.
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