Chinesische KI legt in US-Unternehmen zu, niedrige Preise fördern die Einführung
In US-Unternehmen breitet sich der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) aus China aus. Es gibt Modelle, die für rund 1 % der Kosten hochleistungsfähiger US-KI genutzt werden können; entsprechend nimmt die Einführung etwa in Unternehmenssoftware zu. Besonders bei Unternehmensdiensten nähert sich der Anteil der Nutzung chinesischer KI 50 %.
Nutzungsquote seit Februar über 30 %
Laut dem US-Startup OpenRouter, das den Wechsel zwischen den KI-Modellen verschiedener Anbieter ermöglicht, lag der Anteil US-Unternehmen, die chinesische KI nutzen, seit Februar auf Token-Basis, also gemessen an der Datenverarbeitungsmenge, über 30 % und erreichte zeitweise 46 %. Damit stieg er deutlich von etwas über 4 % im ersten Halbjahr 2025.
Steigende Kosten machen chinesische Modelle zur Option
Hintergrund sind die höheren Kosten für die KI-Nutzung. Die Hochleistungsmodelle von US OpenAI und Anthropic sind so leistungsfähig geworden, dass sie komplexe, lang andauernde Aufgaben automatisieren können. Zugleich steigt mit der Ausweitung des Einsatzes in internen Abläufen und kundenorientierten Diensten der Token-Verbrauch, wodurch die Gebührenbelastung zunimmt.
Bei OpenRouter kostet die Ausgabe von 1 Million Token bei Anthropics 'Claude Opus 4.7' 25 Dollar, während Chinas 'DeepSeek V4 Flash' bei 0,18 Dollar liegt und damit unter 1 % bleibt. Beim Unternehmen, das 8 Millionen Nutzer, vor allem Ingenieure, hat, treibt dieser Preisunterschied den Wechsel voran.
US-Regulierung und Unsicherheit auf chinesischer Seite
Das US-KI-Startup Lindy stellte im Juni das Modell für seinen Dienst zur Automatisierung von E-Mails und Sitzungsnotizen von Anthropic auf DeepSeek um. CEO Flo Crivello sagte, die Leistung bleibe unverändert und die Umstellung spare innerhalb weniger Monate mehrere Millionen Dollar.
Harpreet Arora von dem US-Unternehmen Baseten, das eine Entwicklungsplattform für KI anbietet, weist darauf hin, dass Unternehmen zunehmend Modelle wählen, die für ihren jeweiligen Einsatzzweck ausreichend leistungsfähig sind, statt unbedingt das leistungsstärkste Modell zu nehmen.
Ein Faktor hinter der Hinwendung zu chinesischen Modellen sind allerdings auch US-Regulierungen. Anthropic setzte im Juni die Bereitstellung von 'Fable', dessen Leistung dem Spitzenmodell 'Mythos' entspricht, vorübergehend aus, nachdem es von der US-Regierung die Anweisung erhalten hatte, die Nutzung durch Ausländer einzuschränken.
Kyle Chan vom US-Institut Brookings sieht die Einschätzung wachsen, dass US-Modelle wegen der US-Exportkontrollen nicht unbedingt dauerhaft stabil nutzbar sind. Viele chinesische KI-Modelle seien als reproduzierbare 'Open-Source'-Modelle verfügbar; wer sie auf den eigenen Server herunterlädt und dort nutzt, sei weniger dem Risiko ausgesetzt, plötzlich keinen Zugriff mehr zu haben.
Eine Garantie, dass chinesische KI auch künftig frei genutzt werden kann, gibt es jedoch nicht. Nach Angaben von Reuters berieten chinesische Behörden mit Unternehmen, die fortgeschrittene KI entwickeln, darunter Alibaba Group und ByteDance, und prüften einen Vorschlag, den Auslandszugang zu fortgeschrittenen KI-Modellen zu beschränken. Berichten zufolge sollen auch 'Open-Source'-Modelle erfasst werden. Unternehmen stehen damit vor der Entscheidung, die Einführung unter Abwägung von Kostensenkungen und geopolitischen Risiken vorzunehmen.
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