Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen zeitweise bei 2,900% – höchster Stand seit 30 Jahren
Anstieg der heimischen Zinsen
Am 9. Tag am heimischen Anleihemarkt stieg die Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen, ein Maßstab für die langfristigen Zinsen, zeitweise auf 2,900%. Das ist der höchste Stand seit September 1996 und zugleich ein 30-Jahres-Hoch. Gegenüber dem Vortag legte sie um 0,035 Prozentpunkte zu. Die Kurse gaben nach.
Nahostlage und Inflationssorgen
Vor dem Hintergrund einer erneuten Zuspitzung der Lage im Nahen Osten stiegen die Ölpreise, und der an Inflationssorgen geknüpfte Ausverkauf bei Anleihen verstärkte sich. Trump erklärte am 8., der Waffenstillstand mit Iran sei 'bereits vorbei'. Das US Central Command teilte am selben Tag über soziale Medien mit, dass es zusätzliche Luftangriffe auf Iran begonnen habe. Die iranische Seite deutete eine erneute Blockade der Straße von Hormus an.
Warnungen vor einer Verschlechterung der Staatsfinanzen
Seit Juni hatten sich Hoffnungen auf ein Ende der Kämpfe verbreitet, doch nun rücken die Spannungen im Nahen Osten wieder in den Fokus. Die höheren Ölpreise verstärkten die Inflationssorgen und setzten die Zinsen unter Aufwärtsdruck. Auch die 10-jährige US-Staatsanleiherendite als Maßstab für die langfristigen US-Zinsen kletterte am 8. zeitweise auf das 4,59%-Niveau und damit auf den höchsten Stand seit Ende Mai.
Auch die Sorge vor einer Verschlechterung der Staatsfinanzen unter der Regierung von Sanae Takaichi bleibt ausgeprägt. In dem Entwurf der Ende Juni von der Regierung vorgelegten Leitlinien für Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Reformen, der sogenannten Grundsatzrichtlinie für wirtschaftliche und fiskalische Steuerung, fehlte der bis 2025 enthaltene Begriff 'fiskalische Konsolidierung'. An den Märkten verbreitete sich die Einschätzung, dass die expansive Fiskalpolitik der Takaichi-Regierung die Haushaltsdisziplin lockern und Zinsen leichter steigen lassen könnte, was zu Zurückhaltung bei Käufen führt.
In demselben Entwurf hieß es, eine 'angemessene Geldpolitik' der Bank of Japan sei 'sehr wichtig'. Wirtschafts- und Fiskalminister Minoru Kiuchi sagte am 7. mit Blick auf die Marktreaktion auf den Entwurf, es handle sich um eine vom Zweck abweichende Wahrnehmung und um ein Missverständnis. Am 8. wurde bekannt, dass die Regierung ihre Formulierungen in Richtung einer Überarbeitung abstimmt. Dennoch bleibt die Sorge, dass die Geldpolitik der Bank of Japan von den Absichten der Regierung beeinflusst wird und in eine 'behind the curve'-Situation gerät, in der Zinserhöhungen mit dem Preisanstieg nicht Schritt halten.
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