Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen steigt zeitweise auf 2,865 % und erreicht Höchststand seit 30 Jahren
Ölpreisanstieg verstärkt Verkäufe von Anleihen
Am inländischen Anleihemarkt stieg die Rendite neuer 10-jähriger Staatsanleihen, der Richtwert für die langfristigen Zinsen, am 8. zeitweise auf 2,865 %. Das ist der höchste Stand seit September 1996 und damit der höchste Wert seit 30 Jahren. Gegenüber dem Vortag legte sie um 0,02 % zu. Die Anleihekurse gaben nach.
Wiederaufnahme des US-Importverbots belastet ebenfalls
Der Anstieg der Ölpreise löste über Inflationssorgen Verkäufe von Anleihen aus. Das US-Finanzministerium teilte am 7. mit, dass es die Importverbote für iranisches Rohöl und petrochemische Produkte wieder in Kraft setze. Dies gelte als Gegenmaßnahme auf Irans Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Daraufhin sprangen die US-Rohölfutures deutlich nach oben. Auch die langfristigen US-Zinsen stiegen in den Bereich von 4,5 %, und im In- und Ausland wächst die Wachsamkeit gegenüber einem Anstieg der Preise.
Skepsis gegenüber der Fiskalpolitik hält an
Auch die Erwartung, dass sich die Staatsfinanzen unter der Regierung von Sanae Takaichi verschlechtern könnten, setzt die Zinsen unter Aufwärtsdruck. In dem Entwurf der bis Ende Juni von der Regierung zusammengestellten Grundlinie für Wirtschaft und Finanzpolitik, bekannt als die wirtschafts- und fiskalpolitischen Leitlinien, wurde der bis 2025 enthaltene Verweis auf die 'fiskalische Konsolidierung' gestrichen. Aus der Erwartung heraus, dass eine expansive Fiskalpolitik die Haushaltsdisziplin lockern und Zinsen leichter steigen lassen könnte, halten sich Anleger mit Käufen zurück.
Spekulationen über die Geldpolitik der BOJ spielen ebenfalls eine Rolle
In demselben Entwurf wurde die 'angemessene geldpolitische Steuerung' der Bank of Japan als 'sehr wichtig' eingestuft. Am Markt wird die Sorge größer, dass der geldpolitische Kurs der BOJ von der Regierung beeinflusst werden könnte und die Zinserhöhungen mit dem Preisanstieg nicht Schritt halten, sodass die Notenbank hinter die Kurve gerät. Das hat Verkäufe von Anleihen und eine abwartende Haltung ausgelöst und die langfristigen Zinsen nach oben getrieben.
Wirtschafts- und Finanzminister Minoru Jinnai sagte am 7., die Marktreaktion auf den Entwurf der Grundlinie sei 'eine Fehlinterpretation und weiche vom eigentlichen Sinn ab'. Am selben Tag gab es auch Phasen sinkender langfristiger Zinsen, doch der Rückgang hielt nicht an, und die Rendite erreichte zeitweise 2,85 %, den höchsten Stand seit 30 Jahren.
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