Einsatz chinesischer KI nimmt bei US-Unternehmen zu, günstige Preise und Offenheit wirken als Treiber
Getrieben von den niedrigen Kosten und der Offenheit chinesischer KI weitet sich deren Einsatz bei US-Unternehmen aus. Auch die vorübergehende Sperrung der fortschrittlichen KI 'Mythos' auf Anweisung der US-Regierung hat den Wechsel der genutzten Systeme beschleunigt.
Niedrige Preise treiben die Ausweitung der Nutzung
Brian Armstrong, Chef des großen Kryptobörsenbetreibers Coinbase Global, schrieb Ende Juni in den sozialen Medien, die Kosten für den KI-Einsatz halbiert zu haben. Das Unternehmen hat angesichts steigender Gebühren den Einsatz der chinesischen KIs 'GLM' und 'Kimi' ausgeweitet.
GLM wurde von Beijing Zhipu Huazhang Technology (Z.AI) entwickelt, Kimi von Moonshot AI. Beide eignen sich besonders für Coding und lang andauernde Aufgaben; die Gebühr pro Token liegt bei etwa einem Zwanzigstel des neuesten Modells von Anthropic. Auch das Mitte Juni erschienene 'GLM-5.2' erregte mit seiner Leistungsfähigkeit Aufmerksamkeit: In einem Praxistest mit rund 9000 Fragen belegte es unter etwa 500 Modellen Platz fünf. Unter US-KI-Insidern wird es teils mit DeepSeek verglichen.
Seit dem Erscheinen von OpenAIs 'ChatGPT' im Jahr 2022 liegt die KI-Leistung weiter bei US-Unternehmen vorn, während chinesische Anbieter aufholen. Allerdings setzen viele US-Unternehmen auf geschlossene Systeme ohne Offenlegung technischer Details, während chinesische KI häufig als offene Variante verfügbar ist und sich leichter kopieren lässt.
Im Juni springt die Nutzung chinesischer KI kräftig an
Mit der Weiterentwicklung der KI steigen die Nutzungskosten für Unternehmen. Immer häufiger werden komplexe Aufgaben über längere Zeit an KI ausgelagert, wodurch auch der Token-Verbrauch und damit die Kosten zunahmen. Auch US-Unternehmen wie Airbnb und Uber Technologies veröffentlichen zunehmend, dass sie chinesische KI intern einsetzen.
Im Juni wurde auf Anweisung der US-Regierung 'Mythos' sowie das leistungsgleiche 'Fable' vorübergehend unzugänglich, was die Hinwendung zu chinesischer KI weiter beschleunigte. Dass die US-Regierung, die bei KI-Regulierung zuvor zurückhaltend war, zu einer stärker kontrollierenden Haltung überging und das Risiko eines plötzlichen Ausfalls durch staatliche Eingriffe in den Fokus rückte, trug ebenfalls zur Ausweitung der Nutzung bei.
Das US-Startup OpenRouter bietet einen Dienst an, mit dem sich mehr als 400 KI-Modelle je nach Aufgabe einsetzen lassen. Auf Basis der Nutzungsdaten von mehr als 8 Millionen Anwendern verglich das Unternehmen den Token-Verbrauch von US- und China-KI. Demnach lag die chinesische KI zu Jahresbeginn noch bei weniger als der Hälfte des US-Niveaus, übertraf die US-Anbieter aber ab Februar zeitweise. Im Juni beschleunigte sich das Wachstum. In der Woche bis Ende Juni erreichte die Nutzung chinesischer KI insgesamt 25 Billionen Token und verdoppelte sich damit gegenüber Ende Mai. Das entsprach 78 Prozent mehr als in den USA.
Beim Anteil nach Unternehmen lag DeepSeek im Juni mit 19 Prozent vorn. Auch Z.AI und Xiaomi legten bei der Nutzung zu, während die Anteile von Google und OpenAI aus den USA zurückgingen. OpenRouter sieht eine steigende Preissensibilität der Nutzer und geht davon aus, dass die chinesische Dominanz anhalten wird.
USA warnen vor Technologietransfer
Während die Präsenz chinesischer KI zunimmt, wächst in den USA die Sorge. Wie im Handel und in der Verteidigung verschärfen die USA und China auch im Bereich KI den Wettbewerb um die Technologieführerschaft der nächsten Generation. US-Unternehmen investieren Milliarden in Entwicklung und Infrastruktur, auch die US-Regierung unterstützt sie.
Dario Amodei, CEO von Anthropic, warnt, dass KI in China zur Überwachung der Bürger und zur Stärkung autoritärer Systeme eingesetzt werden könne, wodurch die Demokratie geschwächt werde. Die Hochleistungschips von Nvidia unterliegen weiter einem Exportverbot nach China, um den technologischen Aufstieg des Landes zu bremsen.
Besonders kritisch sehen US-Unternehmen das sogenannte Distillation-Verfahren chinesischer Firmen. Dabei werden die Ausgaben eines leistungsstarken Modells für die Entwicklung anderer KI genutzt. Das kann die Leistung effizient steigern, doch viele US-Unternehmen verbieten eine unautorisierte Nutzung als Verstoß. Mitte Juni schrieb Anthropic an US-Senatoren und forderte Maßnahmen, weil der chinesische Alibaba-Konzern systematisch Distillation betreibe.
Auch offene Modelle bergen Risiken
Offene Modelle bringen weitere Risiken mit sich. Es gibt keine Garantie, dass chinesische Unternehmen ihre Systeme dauerhaft extern anbieten. Sollte ein Modell mit der Leistung von Mythos erscheinen, könnten die Risiken eines Missbrauchs für Cyberangriffe oder die Entwicklung biologischer Waffen sprunghaft steigen.
Shinichi Takayanagi, KI-Experte bei der Boston Consulting Group, weist darauf hin, dass offene Modelle wegen ihrer Kopierbarkeit schwer zu regulieren sind, etwa durch Nutzungsverbote oder Vorabprüfungen. Zugleich sei zu erwarten, dass der Preiswettbewerb auch auf die US-KI Druck ausübt und es schwieriger macht, ausreichend zu investieren. In diesem Fall könnten Sicherheitsmaßnahmen ins Hintertreffen geraten.
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