Interventionsspekulationen lassen Yen-Käufe von Privatanlegern steigen, Regierung und BoJ alarmiert
Yen-Käufe nehmen in Erwartung einer Intervention zu
Für Regierung und Bank of Japan, die nach Möglichkeiten für eine Devisenmarktintervention suchen, um den Yen-Verfall zu stoppen, ist das Verhalten der Privatanleger Anlass zur Sorge. Gemeint sind Privatanleger im Devisenhandel auf Margin-Basis, die unter dem Spitznamen 'Mrs. Watanabe' bekannt sind. Der Trend, vor einer erwarteten Yen-Kaufintervention vorsorglich Yen-Kaufpositionen aufzubauen, hat sich verstärkt und könnte die Wirkung einer Intervention beeinflussen.
Yen-Käufe von FX-Anlegern wirken zwar einem weiteren Rückgang des Yen entgegen, doch wenn die Währung nach einer Intervention steigt, nehmen Gewinnmitnahmen in Form von Yen-Verkäufen zu und können den Auftrieb rasch abschwächen. Umgekehrt kann ein zu spätes Eingreifen und ein weiterer Yen-Verfall dazu führen, dass verlustbedingte Yen-Verkäufe zunehmen und den Abwärtstrend des Yen noch beschleunigen. Das ist einer der Faktoren, den Regierung und BoJ genau beobachten.
Höchster Anteil seit Juni-Ende
Besonders auffällig war dieser ungewöhnliche Yen-Kauf zuletzt Ende Juni, als der Yen-Wechselkurs auf ein Niveau von Ende der 161er-Region je Dollar fiel und sich damit dem tiefsten Stand seit 39 Jahren und sechs Monaten näherte.
Eine Auswertung der Wochendaten von GMO Click Securities, Gaitame.com und Central Tanshi FX durch den Autor ergab, dass der Anteil von Yen-Käufen und Dollar-Verkäufen an den gesamten Dollar-Yen-Positionen von Mrs. Watanabe am 24. Juni 70,3 % erreichte. Damit breitete sich das sogenannte 'Interventionstrading' aus, also der Aufbau von Yen-Kaufpositionen in der Erwartung eines Yen-Anstiegs infolge einer Yen-Kaufintervention.
Ein Yen-Verkaufsanteil von mehr als 70 % ist nicht ungewöhnlich, doch ein Yen-Kaufanteil von über 70 % ist selten. Die 70,3 % waren der höchste Wert seit 2013.
Yen-Käufe trotz höherer Kosten fortgesetzt
Hinter dem schwerer steigenden Yen-Kaufanteil als beim Yen-Verkauf stehen Unterschiede in der Bilanz aufgrund der Zinsdifferenz. Bei Yen-Verkäufen und Dollar-Käufen lassen sich eher Erträge erzielen, weil der Dollarzins über dem Yen-Zins liegt. Bei Yen-Käufen und Dollar-Verkäufen fallen dagegen umgekehrt Zahlungen an.
Das sind die sogenannten Swap-Punkte. Bei Gaitame.com bedeutet das für eine über den 2. auf den 3. Juli gehaltene Position: Bei Yen-Verkauf und Dollar-Kauf werden pro 10.000 Dollar 170 Yen gutgeschrieben, während bei Yen-Kauf und Dollar-Verkauf 200 Yen zu zahlen sind.
Dennoch bauten FX-Anleger Ende Juni 'Yen-Kaufpositionen in außergewöhnlichem Umfang' auf, wie Takuya Kanda vom Gaitame.com Research Institute sagte. Der Grund dürfte sein, dass der Yen-Verfall auf den tiefsten Stand seit 39 Jahren und sechs Monaten realistisch erschien und die Wahrscheinlichkeit einer Intervention als äußerst hoch eingeschätzt wurde.
Risiko einer Beschleunigung durch Yen-Verkäufe
Allerdings sank der Yen-Kaufanteil eine Woche später, am 1. Juli, auf 62,8 %. Nach Äußerungen des Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, und anderen Signalen ließ die Erwartung einer US-Zinserhöhung etwas nach, und mit einsetzenden Dollar-Verkäufen verlor das 'Interventionstrading' an Schwung.
Dennoch liegt der Yen weiterhin auf einem deutlich schwachen Niveau. Sollte der Yen in Zukunft weiter unter Druck geraten, könnten die Yen-Käufe von FX-Anlegern, die eine Intervention stärker erwarten, erneut zunehmen. Für die Behörden sind dabei zwei Punkte wichtig.
Wie bereits gezeigt, kommt es nach einer Yen-Kaufintervention häufig zu erheblichen Gewinnmitnahmen in Form von Yen-Verkäufen, was die Wirkung der Intervention leicht abschwächen kann. Wenn die Entscheidung für ein Eingreifen hingegen zu spät fällt und der Yen weiter sinkt, könnten verlustbedingte Yen-Verkäufe den Abwärtstrend noch weiter verstärken.
Die Bedeutung von Mrs. Watanabe ist groß. Laut einem Bericht der Bank of Japan entfielen im April 2022 rund 20 % aller Spotgeschäfte im heimischen Markt auf 'Transaktionen im Zusammenhang mit Privatanlegern'.
Die Behörden, die den Zeitpunkt für eine Intervention sondieren, sollen den Bewegungen ausländischer Spekulanten besonderes Gewicht beimessen, doch auch die Aktivitäten der Privatanleger sind in dieser Phase nicht zu ignorieren.
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