Anthropic wirft Alibaba Missbrauch von KI-Destillation vor
Mutmaßlich 25.000 unbefugte Konten genutzt
Das US-Start-up Anthropic teilte am 24. mit, dass seine künstliche Intelligenz (KI) 'Claude' von der chinesischen Internet-Handelsgruppe Alibaba missbraucht worden sein soll. In einem Mitte Juni an US-Senatoren gesandten Schreiben warf das Unternehmen Alibaba vor, eine als 'Destillation' bezeichnete Methode genutzt und seine Technologie zur Verbesserung von KI umgeleitet zu haben.
Nach Angaben von Anthropic habe Alibaba von Ende April bis Anfang Juni rund 25.000 unbefugte Konten verwendet, und die Interaktionen mit Claude hätten sich insgesamt auf 28 Millionen belaufen. Als Destillation wird eine Methode bezeichnet, bei der Ausgabedaten bestehender leistungsstarker KI-Systeme zum Training genutzt werden, um eine andere KI effizient zu entwickeln. Das Unternehmen untersagt in seinen Nutzungsbedingungen unautorisierte Destillation und erlaubt die Nutzung von Claude zudem nicht aus dem chinesischen Festland und Hongkong.
Alarm wegen Destillation durch chinesische Akteure
Anthropic stufte die Destillation durch chinesische Akteure als organisierte Unregelmäßigkeit ein und kritisierte, diese profitierten von den Investitionen der USA, ohne die Kosten und Risiken der Entwicklung fortschrittlicher KI zu tragen. Gegenüber dem US-Kongress forderte das Unternehmen, den Informationsaustausch zwischen US-KI-Firmen über Maßnahmen gegen Missbrauch zu fördern und ein Gesetz zu schaffen, das Sanktionen gegen chinesische Unternehmen ermöglicht, die Destillation betrieben haben.
Das Unternehmen erklärte, man werde 'weiter gegen die Bedrohung durch unzulässige Destillation vorgehen und mit dem Kongress sowie der US-Regierung zusammenarbeiten'. Eine Stellungnahme von Alibaba lag nicht vor. Alibaba entwickelt KI-Modelle unter dem Namen 'Qwen' und gewinnt mit im Verhältnis zur Leistung vergleichsweise günstigen Nutzungsgebühren Unterstützung.
Bereits im Februar hatte Anthropic auch drei chinesische KI-Start-ups namentlich genannt und ihnen vorgeworfen, unzulässige Destillation betrieben zu haben: DeepSeek, Moonshot AI und Minimax Group. Die neuesten Modelle 'Mythos 5' und 'Fable 5' wurden von der US-Regierung als exportkontrollpflichtig eingestuft und werden derzeit nicht mehr angeboten. Das Unternehmen hatte sich schon zuvor für schärfere Halbleiterbeschränkungen gegenüber China ausgesprochen; die Forderung, die KI-Entwicklung in China zu verlangsamen, deckt sich dabei tendenziell mit der China-Haltung der Regierung von US-Präsident Donald Trump.
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