Mit US-Teilerleichterung soll der Verschiffungsbetrieb von iranischem Rohöl wieder anlaufen
Die USA haben die Sanktionen gegen Iran vorübergehend gelockert und den Verkauf sowie Transport von iranischem Rohöl erlaubt. Dadurch hat der Abtransport des im Persischen Golf zurückgehaltenen Öls begonnen. Iran könnte dadurch Einnahmen von mehr als 1 Billion Yen erzielen.
Großer Tanker läuft von der Insel Kharq aus
Am westlichen Pier der Insel Kharq, Irans Ölexport-Drehscheibe im Persischen Golf, löste sich am 23. um 3 Uhr Ortszeit (8.30 Uhr Japanzeit) der Supertanker 'Imperas' langsam von der Kaimauer. Der Tiefgang beträgt rund 21 Meter, die Ölladung von etwa 2 Millionen Barrel gilt als nahezu voll.
Nach Angaben der Schiffs-Informationsseite 'MarineTraffic' fährt das Schiff unter der Flagge von Sao Tome und Principe. Um 22.30 Uhr am 23. befand es sich vor Katar; im Ziel-Feld des Automatic Identification System (AIS) stand 'chinesische Besatzung an Bord', und das Schiff steuert die Straße von Hormus an.
Eine Auswertung von Satellitenbildern der Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2 der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), aufgenommen am 20., ergab nach Analyse der NIKKEI, dass am westlichen Pier drei große Schiffe zu sehen waren, die als Tanker gelten. Eines davon war 'Imperas'. Bis zum Vortag, dem 19., waren dort seit mehr als einem Monat keine Schiffssilhouetten zu erkennen gewesen; die Aktivität hat sich rasch belebt. Bei MarineTraffic wurden zudem zahlreiche Positionsdaten von Schleppern übermittelt, die das An- und Ablegen großer Schiffe unterstützen.
Lockerung der Sanktionen beschleunigt Verschiffung
Die USA erklärten am 22., dass sie auf Grundlage der am 17. von beiden Seiten unterzeichneten Absichtserklärung den Verkauf und Transport von iranischem Rohöl und Erdölprodukten von den Sanktionen ausgenommen hätten. Sollte innerhalb der kommenden 60 Tage in den Gesprächen eine endgültige Einigung erzielt werden, sollen alle Sanktionen aufgehoben werden.
Das US-Militär hat seit Mitte April eine Seeblockade gegen Schiffe aufrechterhalten, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Auf Kharq lagerte offenbar nicht verschiffbares Rohöl; Iran soll zudem alte Tanker genutzt haben, um Öl zu horten. Nach der teilweisen Lockerung dürfte nun unverzüglich mit dem Abtransport begonnen worden sein.
Vor der Übergabe möglicherweise 122 Millionen Barrel Rohöl
Laut Claire Jungman von der britischen Analysefirma Vortexa belief sich der Anteil an iranischem Rohöl, das auf Tankern und anderen Schiffen geladen, aber noch nicht übergeben worden war, zum 19. auf mindestens 69 Millionen Barrel. Einschließlich der außerhalb des Persischen Golfs befindlichen Mengen und der Ladungen der nicht ortbaren 'Schattenflotte' komme man auf 122 Millionen Barrel.
Der Kassapreis für Dubai-Rohöl, eine Referenzsorte aus dem Nahen Osten, lag am 23. bei rund 70 Dollar je Barrel. Wenn Iran zu diesem Preis alles verkaufen würde, ergäbe das Einnahmen von 8,5 Milliarden Dollar, also etwa 1,3 Billionen Yen.
Sollten die Verhandlungen über eine endgültige Einigung zwischen den USA und Iran jedoch ins Stocken geraten oder scheitern, könnten die Sanktionen wieder in Kraft treten. Washington erklärte, man habe in Gesprächen auf hoher Ebene, die am 21. begonnen hatten, vereinbart, dass die iranische Seite Inspektionen durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) akzeptiere; Teheran bestreitet dies jedoch.
US-Präsident Donald Trump warnte am 22.: 'Wenn Iran das Abkommen nicht einhält oder unangemessen handelt, werde ich tun, was ich tun muss.'
Die USA begannen 1979 mit Sanktionen gegen Iran und weiteten sie später auf ausländische Unternehmen sowie den Finanz-, Schifffahrts- und Versicherungssektor aus. Mit dem iranischen Atomabkommen von 2015 wurden sie teilweise gelockert, doch die Trump-Regierung stieg 2018 aus dem Abkommen aus und verschärfte sie erneut.
Nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) beläuft sich Irans Rohölexport im Jahr 2025 auf 1,66 Millionen Barrel pro Tag. Getrieben von der starken Nachfrage aus China hat sich das Volumen gegenüber den 400.000 Barrel im Jahr 2020, dem niedrigsten Wert seit 1980, vervierfacht. Es liegt jedoch weiterhin unter dem Niveau von mehr als 2 Millionen Barrel in den 1990er- und 2000er-Jahren.
Öl ist eine der wichtigsten Säulen der Staatseinnahmen Irans. 2019 hatte der damalige US-Außenminister Mike Pompeo darauf hingewiesen, dass 40 Prozent der Einnahmen des iranischen Regimes aus dem Ölverkauf stammten.
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