Trump zum Abendessen im Schloss Versailles eingeladen – Macrons Kalkül
Der französische Präsident Emmanuel Macron lädt US-Präsident Donald Trump nach dem Ende des Gipfels der sieben führenden Industrienationen (G7) zu einem Abendessen im Schloss Versailles ein. Beobachtern zufolge dürfte es ihm darum gehen, Trump auch in der Ukraine-Unterstützung zu einer engeren Abstimmung mit Europa zu bewegen.
Abendessen in Versailles
Nach Angaben der US-Regierung wird Trump am 17. an dem Abendessen im Schloss Versailles teilnehmen. Er dürfte im Anschluss an den Gipfel abreisen, der vom 15. bis 17. in Évian im Osten Frankreichs stattfindet.
Annäherung mit großem Aufwand
Macron dürfte das prunkvolle Schloss Versailles bewusst gewählt haben, um Trumps Vorliebe für spektakuläre Inszenierungen entgegenzukommen. Es ist ein französisch geprägter Auftritt auf historischer Bühne, doch eine verbindliche Zusage von Trump könnte ausstehen.
Fortgesetztes Aneinander vorbeireden beim G7
Macron trat 2017, im selben Jahr wie Trumps erste Amtszeit, sein Präsidentenamt an und ist damit das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der G7. Bereits 2017 lud er das Ehepaar Trump nach Paris ein und nahm mit ihnen in einem Restaurant am Eiffelturm das Essen ein.
Doch Macrons Versuch, sich nicht an den USA zu orientieren und multilaterale Zusammenarbeit hochzuhalten, steht Trumps America-First-Ansatz deutlich entgegen. Beim G7-Gipfel 2019 im französischen Biarritz reichte es gerade einmal für eine einseitige Gipfelerklärung.
Als Trump jedoch die US-Präsidentschaftswahl im November 2024 gewann, übermittelte Macron umgehend Glückwünsche. Gegen Jahresende lud er ihn auch zur Zeremonie in Notre-Dame de Paris ein, das nach dem Brand restauriert worden war. Da Europa, auch die Ukraine, bei der Sicherheitsarchitektur lange auf die USA gesetzt hat, dürfte Macron sich in der Rolle gesehen haben, Trump in der Spur zu halten.
Abkühlung durch Veröffentlichung privater Nachrichten
Die bisherigen Annäherungsversuche haben allerdings nicht den erhofften Erfolg gebracht. Beim Thema hoher US-Zölle, der Palästina-Frage sowie dem Konflikt zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite sind die Differenzen ungelöst.
Im Januar sorgte Trump für Aufsehen, als er eine Nachricht veröffentlichte, die Macron ihm im Zusammenhang mit dem Treffen in Davos geschickt hatte: 'Lassen Sie uns in Paris gemeinsam zu Abend essen'. Die Veröffentlichung einer privaten Nachricht zwischen Staatschefs ist ungewöhnlich. Trump reiste nach dem Konferenzbesuch direkt ab, ohne in Paris Halt zu machen.
Anfang April wurde berichtet, Macron habe einen abfälligen Witz über seine Ehefrau Brigitte gemacht. Macron, der sich zu diesem Zeitpunkt in Japan und Südkorea aufhielt, sagte, es sei 'nicht einmal eine Reaktion wert', und kritisierte Trump indirekt mit den Worten, man könne nicht bei allem und jedem übertreiben.
Für die USA ist Frankreich ein alter Verbündeter, der die Unabhängigkeit von Großbritannien unterstützt hat. Die Freiheitsstatue in New York wurde von Frankreich anlässlich des 100. Jahrestags der US-Unabhängigkeit 1876 geschaffen. Die historischen Beziehungen sind eng, doch zwischen den heutigen beiden Staatschefs herrscht deutliche Dissonanz. Auch beim Treffen in Évian dürfte diese Distanz spürbar werden.
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