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Was Japans Auslassen auf Huangs Reise bedeutet – deutliche Unterschiede in der KI-Lieferkette

Kein Japan auf Nvidias Reiseplan: Sichtbarkeit sinkt in der KI-Revolution

Der Vorstandschef des US-Chipkonzerns Nvidia, Jensen Huang, reiste im Mai und Juni durch China, Taiwan und Südkorea, Japan besuchte er jedoch nicht. Damit rückte nicht nur Japans schwindende Präsenz im Halbleitersektor in den Fokus, sondern auch die Sorge, bei der Lieferkette der künstlichen Intelligenz (KI)-Revolution außen vor zu bleiben.

Starker Fokus auf Taiwan und Südkorea

Während seiner Reisen nach Taiwan und Südkorea Ende Mai und Anfang Juni lobte Huang die Industrie beider Länder wiederholt. Er sagte: 'Taiwan ist das Zentrum der KI-Revolution' und 'Ich bin gekommen, um meinen südkoreanischen Partnern meinen Dank zu überbringen', und positionierte beide Länder als wichtige Knotenpunkte.

Nach seiner Ankunft in Taiwan am 23. Mai aß Huang zunächst mit TSMC-Chef C.C. Wei und weiteren Managern zu Abend. Anschließend veranstaltete er ein Dinner mit mehr als 40 Unternehmenschefs, vor allem aus dem Umfeld von Hon Hai Precision Industry. Als er am 5. Juni nach Südkorea weiterreiste, trank er an diesem Abend mit SK-Gruppen-Chef Chey Tae-won und anderen Soju zu gegrilltem Schweinebauch. Am folgenden Tag nahm er an der Aufzeichnung einer beliebten Varieté-Sendung teil, am 7. Juni warf er den ersten Ball bei einem Profi-Baseballspiel.

Auch China im Blick

Auch die Annäherung an China setzte er fort. Mitte Mai besuchte Huang Peking als Teil einer Unternehmensdelegation, die US-Präsident Donald Trump zu Gesprächen mit der chinesischen Führung begleitete. Er nahm an einem Treffen im Großen Saal des Volkes teil und wurde auch dabei gesehen, wie er an einer Straßenecke lokale Gerichte probierte.

Das Rückgrat der Lieferkette liegt in Südkorea und Taiwan

Südkorea und Taiwan sind für Nvidias Lieferkette bei KI-Halbleitern unverzichtbar. Das als Fabless-Unternehmen agierende Unternehmen ist bei der Fertigung weitgehend auf TSMC angewiesen. Auch GPUs entfalten ihre Leistung erst dank der Hochleistungs-Memory-HBM-Chips von SK Hynix und Samsung Electronics.

China bleibt zugleich als Absatzmarkt weiter nicht zu ignorieren. Die US-Regierung verbietet den Export modernster Halbleiter nach China, doch der H200 der nächsten Generation darf unter bestimmten Bedingungen ausgeführt werden. Allerdings gilt als wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung ihren Unternehmen den Einsatz untersagt hat, sodass es bislang nicht zu tatsächlichen Lieferungen kam. Dennoch möchte Nvidia unbedingt vermeiden, von diesem riesigen Markt ausgeschlossen zu werden.

Auch Japan verfügt über eine Halbleiterindustrie. Bei Fertigungsanlagen wie denen von Tokyo Electron und Advantest sowie bei Materialien wie denen von Shin-Etsu Chemical liegen Stärken, doch es gibt nur wenige Unternehmen, die direkt mit Nvidia verbunden sind. Ein Manager eines Anlagenbauers bezeichnete das Unternehmen als 'einen Zulieferer der Kunden, etwa von TSMC'.

Auch ein Akteur wie Chinas KI-Entwickler, die global um Vorherrschaft ringen, ist in Japan nicht zu sehen. US-Techriesen wie Google und Microsoft investieren Milliarden in Rechenzentren und kaufen große Mengen an Nvidias Chips, doch japanische Unternehmen können in dieser Größenordnung nicht mithalten.

Kann Japan an der KI-Ära teilhaben?

Das diesjährige 'Japan Passing' ist nicht nur ein kurzfristiges Handelsproblem. Es zeigt auch Huangs Absicht, Unternehmen aus Taiwan und Südkorea nicht mehr nur als klassische Zulieferer, sondern als Partner für die gemeinsame Weiterentwicklung der KI-Revolution einzubinden.

Die Marktkapitalisierung von Nvidia überschritt zeitweise 5 Billionen Dollar, rund 800 Billionen Yen. Da sich die Aufmerksamkeit der Anleger jedoch auf Memory-Unternehmen verlagert, entwickelt sich der jüngste Aktienkurs im Vergleich zu anderen Halbleiterwerten eher verhalten. Huang versucht, mit Unternehmen aus Südkorea und Taiwan eine neue Wachstumsgeschichte zu schreiben und die Führungsrolle in der KI-Revolution zu behaupten.

In einer Rede in Taiwan positionierte er sein Unternehmen wiederholt als 'KI-Infrastrukturunternehmen'. Über Server für KI-Rechenzentren und KI-PCs will Nvidia in ein breites Spektrum von Bereichen vordringen, von der Unternehmenswelt bis ins Privatleben. Das Unternehmen will nicht nur Lieferant von Komponenten wie GPUs bleiben, sondern schon in der Entwurfsphase von KI-Anwendungen mitwirken.

Diese Haltung zeigt sich auch in der Zusammenarbeit vor Ort. Bei einer eigenen Veranstaltung in Taiwan stellte Nvidia einen Halbleiter für KI-PCs vor, der gemeinsam mit MediaTek entwickelt wurde. Der Chip soll GPUs und CPUs verbinden und den Einsatz von KI-Agenten unterstützen, die verschiedene Aufgaben selbstständig ausführen.

In einer Fabrik von Hon Hai in Taiwan wurden zahlreiche Technologien zur Produktionsmodernisierung eingeführt. Mithilfe von KI-Agenten werden demnach der Betrieb von Robotern, Sensoren und Maschinen-signalen gesteuert, um die Fertigungseffizienz zu steigern. Für eine im Bau befindliche Hon-Hai-Anlage ist die Lieferung von 10.000 GPUs geplant.

In Südkorea kündigte Huang an, dass Nvidia 2027 gemeinsam mit der SK-Gruppe das Rechenzentrum der nächsten Generation, die 'AI Factory', in Betrieb nehmen werde. Die Kombination aus GPUs und HBM soll energieeffizientes Hochleistungsrechnen ermöglichen und so die Produktivität der Nutzerunternehmen steigern. SK will diese AI Factory auch in andere Teile Asiens, darunter Japan, vermarkten.

Zusammen mit SK will Nvidia zudem mit LG, Hyundai Motor und Doosan, also großen Konzernen der Chaebol-Gruppe, an 'Physical AI' für die autonome Steuerung von Robotern mitentwickeln. In China treibt das Unternehmen außerdem die Zusammenarbeit mit dem humanoiden Roboterentwickler Unitree Robotics sowie Investitionen in das autonome Fahr-Startup WeRide voran.

Abstand zu japanischen Unternehmen

Huang besuchte Japan 2025 und kündigte an, gemeinsam mit Fujitsu Halbleiter für KI zu entwickeln. Auch der Industrieroboterhersteller Fanuc arbeitet mit Nvidia an der Entwicklung von KI-gestützten Robotern. Im Vergleich zu Südkorea und Taiwan bleibt der Umfang der gemeinsamen Entwicklungen jedoch begrenzt.

Nvidia versucht, Unternehmen aus den Bereichen Halbleiterfertigung, optische Komponenten, Server und KI-Entwicklung durch Partnerschaften und Beteiligungen in sein eigenes Ökosystem einzubinden. Damit stellt sich die Frage, wie viel Attraktivität Huang im heutigen Japan noch sieht, wenn er ohne Pause von Ort zu Ort reist.

Als Apple einst mit dem iPhone die Smartphone-Revolution auslöste, wurden japanische Unternehmen in dieses Ökosystem eingebunden. Elektronikteilehersteller wie Murata Manufacturing und TDK sowie Halbleiterunternehmen wie Sony Group und Kioxia wurden zu einer Brücke für Japans Einstieg in die neue Welle, nachdem das Land bei digitalen Unterhaltungselektronikprodukten zurückgefallen war.

Kann Japan diesmal bei der KI-Revolution dieselbe Position sichern? Führende KI-Unternehmen wie Anthropic und Palantir Technologies haben Japan zuletzt nacheinander besucht, doch sie treten dort eher als Anbieter von Systemen denn als Partner für gemeinsame KI-Entwicklung auf.

Das 'digitale Defizit', also die Zahlungen an IT-Dienstleistungen US-amerikanischer Unternehmen, ist ein Problem für Japan. Das Wirtschaftsministerium veröffentlichte im April 2025 eine Schätzung, wonach sich das digitale Defizit bis 2035 auf 18 Billionen Yen ausweiten dürfte. Ob Japan auch in der KI-Revolution Partner von Unternehmen an der Spitze werden kann, wird über den künftigen nationalen Wohlstand entscheiden.

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