Wendepunkt durch SpaceX-Börsengang, Kapitalerhöhungen und Rückkehr an den Markt bei US-Big-Tech
Das US-Unternehmen SpaceX, das im Weltraumgeschäft und im Bereich künstliche Intelligenz (KI) tätig ist, ist am 12. an der Nasdaq an die Börse gegangen. Der milliardenschwere Börsengang (IPO) gilt als Wendepunkt für den seit dem Platzen der Dotcom-Blase über ein Vierteljahrhundert anhaltenden Trend zur Privatisierung von Unternehmen. Am Markt hat ein Wettbewerb um Kapital begonnen, angetrieben von der Erwartung einer ‚Ära der großen IPOs‘, in der Wachstumskapital eingesammelt wird.
Neuemissionen beschleunigen sich
Unter den US-Big-Tech-Unternehmen breitet sich der Einsatz von Eigenkapitalfinanzierungen rasant aus. Die von SpaceX im Zuge des IPO neu eingeworbenen Mittel beliefen sich auf 75 Milliarden Dollar (rund 12 Billionen Yen) und lagen damit deutlich über dem 29,4 Milliarden Dollar schweren IPO von Saudi Aramco im Jahr 2019.
Im Rennen um die Entwicklung von KI müssen Investitionen in einer Größenordnung von mehreren zehn Billionen Yen je Unternehmen gesichert werden. Alphabet (Google) legte in diesem Monat einen Plan zur Aktienemission über 84,7 Milliarden Dollar vor und übertraf damit SpaceX. Auch Oracle treibt einen Plan voran, 40 Milliarden Dollar über neue Aktien und Anleihen einzuwerben. Laut der Financial Times erwägt auch Meta eine Aktienemission im Umfang von mehreren zehn Milliarden Dollar.
Im Bereich der generativen KI konkurrieren Anthropic und OpenAI um den Zeitpunkt eines Börsengangs nach dem Vorbild von SpaceX. Am Markt wird erwartet, dass beide Unternehmen im September oder Oktober an die Börse gehen und jeweils rund 50 Milliarden Dollar einnehmen könnten.
Rolle des Aktienmarkts verändert sich
Goldman Sachs geht davon aus, dass der Anteil der Aktienemissionen am Marktwert im Jahr 26 von 0,6 Prozent im Vorjahr auf 1,8 Prozent steigen und sich damit dem Niveau von Aktienrückkäufen von 2,0 Prozent annähern wird. Sollten weitere Emissionen hinzukommen, könnte das Volumen erstmals seit 23 Jahren sogar die Aktienrückkäufe übertreffen.
Das zeigt, dass der Aktienmarkt, der sich zu einem Ort für Aktionärsrenditen entwickelt hatte, an dem Unternehmen Kapital an den Markt zurückgeben, seine eigentliche Funktion als Lieferant von Wachstumskapital wiedererlangt. Die Großfinanzierungen der Big Tech dürften ein Anlass sein, die Rolle und die Daseinsberechtigung des Marktes grundlegend zu überdenken.
Trend zur Privatisierung kehrt sich um
Die aufeinanderfolgenden Mega-IPOs spiegeln wider, dass die über ein Vierteljahrhundert andauernde Privatisierung von Unternehmenseigentum einen Wendepunkt erreicht hat. Mit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 beschleunigte sich die Privatisierung von Unternehmen. Bilanzfälschungen bei Enron und WorldCom kamen nacheinander ans Licht, und mit dem Sarbanes-Oxley Act wurde auch ein Gesetz verabschiedet, das von börsennotierten Unternehmen eine stärkere interne Kontrolle verlangt.
Unternehmen, die steigende Börsenkosten scheuten, verließen den Markt. Die Zahl der börsennotierten Unternehmen in den USA sank von 8090 im Jahr 1996 auf 3908 im Jahr 2025 und hat sich damit nahezu halbiert. Aufgefangen wurde die Privatisierung von Private-Equity-Fonds und Venture-Capital-Fonds.
Allerdings verfolgen auch diese Fonds letztlich das Ziel, ihre Beteiligungen irgendwann wieder an die Börse zu bringen und Kursgewinne zu realisieren. Angesichts des durch den KI-Boom gestiegenen Bewertungsniveaus am Börsenmarkt ist der aktuelle Markt ein idealer Ort für Verkäufe von Fonds und Start-ups.
Nachhaltigkeit der Ära der großen IPOs
Die Frage, ob der Markt die Flut an Kapitalerhöhungen aufnehmen kann, wird teils mit der reichlichen Liquidität beantwortet. Ryota Sakanaka, Aktienstratege bei Citigroup Securities, sagte: 'Der Trend zu Geldüberschuss nimmt weltweit wieder stärker zu, und er kann von der üppigen Liquidität absorbiert werden'.
Während die USA, Europa und Japan mit Zinserhöhungen die geldpolitische Straffung vorantreiben, hält China an einer Lockerung fest. Die Dynamik der Investitionen in Sachanlagen ist jedoch schwach, und überschüssige Mittel fließen in die globalen Finanzmärkte. Eine aus China stammende übermäßige Liquidität treibt so letztlich die Aktienkurse weltweit nach oben.
In der von SpaceX eingeläuteten Ära der großen IPOs kamen die drei Bedingungen für die Entstehung einer Blase zusammen: bahnbrechende technologische Innovation, Geldüberschuss und Spekulationslust der breiten Masse. Spekulationsobjekte dürften sich neben der SpaceX-Aktie auch auf die künftig börsennotierten Aktien von Anthropic und OpenAI ausweiten.
Der weitere Verlauf der Blase ist weiterhin nicht absehbar. Doch wie man diese gewaltige Welle meistert, entscheidet nicht nur über das Schicksal der Anleger, sondern auch über das der Unternehmen.
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