Anthropic stoppt Claude Mythos und Fable auf Wunsch der US-Regierung
Anthropic stellt Claude Mythos und Fable ein – auf Wunsch der US-Regierung
Bereitstellung sofort gestoppt
Das US-Unternehmen Anthropic teilte am 12. mit, dass es die Bereitstellung der fortschrittlichen KI-Modelle 'Claude Mythos 5' und 'Claude Fable 5' umgehend einstellt. Die US-Regierung habe die Modelle als Gegenstand von Exportkontrollen eingestuft und verlangt, dass sie nicht von Ausländern genutzt werden können.
Die an Verbraucher gerichtete App und die technologische Bereitstellung für Unternehmen wurden zum 12. eingestellt. Der öffentliche Rollout hatte erst am 9. begonnen, die Veröffentlichung war also noch ganz neu.
Behördliche Einstufung ist ungewöhnlich
KI-Modelle als Softwaretechnologie in die Exportkontrollen einzubeziehen, ist ungewöhnlich. Bislang hatte die US-Regierung vor allem die Regulierung von Hardware verschärft, die für die KI-Entwicklung genutzt wird, etwa von Halbleitern. Damit wird KI als strategische Ressource mit Bedeutung für die nationale Sicherheit eingeordnet, und das Engagement der Regierung deutlich verstärkt.
Anthropic hatte am 2. Juni den zuvor auf die USA konzentrierten Vertrieb von 'Mythos' auf mehr als 15 Länder, darunter Japan, ausgeweitet. In Japan hatten unter anderem drei große Banken Zugangsrechte zu 'Claude Mythos Preview' erhalten. Ob japanische Unternehmen oder die Regierung die Nutzung eingestellt haben, ist nicht bekannt.
Stopp für alle Ausländer gefordert
Nach Angaben des Unternehmens erhielt es von der US-Regierung am 12. kurz nach 17 Uhr US-Ostküstenzeit, also kurz nach 6 Uhr am 13. Japanzeit, ein Schreiben. Darin sei aus Gründen der nationalen Sicherheit gefordert worden, den Zugang von Ausländern zu Mythos 5 und Fable 5 zu unterbinden.
Das Schreiben habe verlangt, die Bereitstellung für alle Ausländer einzustellen, darunter auch für ausländische Mitarbeiter von Anthropic und für Personen mit Wohnsitz in den USA. Das Unternehmen stellte daraufhin die Versorgung aller Kunden ein, einschließlich US-Bürgern. Mehreren US-Medien zufolge können auch ausländische Mitarbeiter die Modelle nicht nutzen.
Anthropic sagt, die US-Regierung habe möglicherweise befürchtet, dass bei Fable eine Sicherheitslücke bestehen könnte, und das Modell deshalb den Exportkontrollen unterstellt. Das Unternehmen widersprach der Regierung und erklärte, es gebe keine schwerwiegenden Sicherheitsprobleme; man halte die Entscheidung für ein Missverständnis und arbeite an einer baldigen Wiederaufnahme der Nutzung.
Befürchtungen wegen Auswirkungen auf das Geschäft
Anthropic erklärte, von der US-Regierung keine konkrete Erklärung eines nationalen Sicherheitsrisikos erhalten zu haben. 'Wenn ähnliche Maßstäbe in der gesamten Branche angewendet würden, käme die Veröffentlichung neuer Modelle durch Anbieter fortschrittlicher Modelle faktisch zum Stillstand', sagte das Unternehmen und kritisierte das Vorgehen der Regierung als überzogen.
Im April stellte das Unternehmen die KI 'Mythos' vor, die besonders gut darin ist, Schwachstellen in Systemen zu finden. Wegen Bedenken, sie könne für Cyberangriffe missbraucht werden, hatte man von einer öffentlichen Freigabe abgesehen. In einer ersten Phase wurde sie nur 50 Unternehmen und Organisationen, vor allem US-Firmen, zur Verfügung gestellt; später gingen Zugriffsanfragen aus Japan und anderen Ländern ein.
Fable mit vergleichbarer Leistung wurde dagegen nach Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen veröffentlicht.
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