Nikkei bricht wegen Zinserhöhungserwartungen in den USA ein; Verkäufe bei KI- und Halbleiteraktien
Am 8. Handelstag an der Tokioter Börse schloss der Nikkei-Durchschnitt mit einem Minus von 2563 Yen zum Vorwochenschluss bei 64.024 Yen. Das Minus betrug 3,85 Prozent und war damit der zweitgrößte Rückgang im Jahr 2026 nach dem Einbruch um 2892 Yen am 9. März. Nach dem US-Arbeitsmarktbericht vom Vorwochenende verstärkten sich die Erwartungen an eine Zinserhöhung in den USA, woraufhin sich Verkäufe vor allem auf Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) ausweiteten.
Ausweitung auf einen weltweiten Kurseinbruch
An den US-Märkten am Vorwochenende waren die wichtigen Aktienindizes deutlich gefallen, und auch in Tokio verlor der Nikkei am 8. Handelstag zeitweise mehr als 3000 Yen. In Asien weitete sich der Abwärtstrend ebenfalls aus. Der südkoreanische Leitindex KOSPI fiel zeitweise um mehr als 8 Prozent, worauf ein Circuit Breaker zur Unterbrechung des Handels ausgelöst wurde.
Steigende US-Zinsen belasten
Auslöser war der US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag bei 172.000 und damit deutlich über den Markterwartungen von 80.000 bis 110.000. Die US-Notenbank Federal Reserve (FRB) hatte mit Blick auf eine Abschwächung des Arbeitsmarkts in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 Zinssenkungen eingeleitet, doch die Sicht, der nächste geldpolitische Schritt werde nicht eine Senkung, sondern eine Erhöhung sein, verfestigte sich rasch.
Beim FedWatch, das anhand der Bewegung am US-Markt für Zins-Futures die Leitzinserwartungen berechnet, lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der FRB bis Jahresende am Abend des 5. nach US-Zeit bei mehr als 80 Prozent und damit deutlich über rund 50 Prozent am Vortag. In der Folge stieg die Rendite langlaufender US-Staatsanleihen am 5. auf das 4,5-Prozent-Segment und damit auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Auch am 8. Handelstag zog die Rendite langlaufender Anleihen im heimischen Anleihemarkt auf das 2,7-Prozent-Segment an, was Verkäufe aufgrund der relativ hohen Bewertung von Aktien verstärkte.
Verkäufe bei KI- und Halbleiteraktien
Besonders stark unter Druck gerieten die KI- und Halbleiterwerte, die den jüngsten Kursanstieg am Markt angeführt hatten. SoftBank Group (SBG) und Kioxia Holdings verzeichneten zeitweise Verluste von mehr als 10 Prozent, Tokyo Electron gab um etwas mehr als 8 Prozent nach, Advantest um etwas mehr als 7 Prozent. Technologiewerte insgesamt fielen deutlich.
Wachstumsaktien wie KI- und Halbleiterwerte weisen allgemein ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, während die Gewinnrendite tendenziell niedrig ist. Steigen die Zinsen, fällt die Gewinnrendite von Aktien im Vergleich zu den Anleiherenditen eher zurück, was den Verkaufsdruck verstärkt. Der Yield-Spread, der sich aus der Rendite neu ausgegebener 10-jähriger Staatsanleihen abzüglich der erwarteten Gewinnrendite des gesamten Tokioter Prime-Markts ergibt, verkleinert sein negatives Ausmaß weiter und signalisiert damit die hohe Bewertung von Aktien.
Shima Mineyoshi, Senior Fellow am Dai-ichi Life Institute of Asset Management and Economic Research, sagte: 'Die Renditen von Staatsanleihen liegen über der erwarteten Inflationsrate, und die Attraktivität von Investitionen hat zugenommen. Mit dem Anstieg der Zinsen ist der Aktienmarkt in eine Phase eingetreten, in der er zunächst zur Ruhe kommen dürfte.' Die 10-jährige erwartete Inflationsrate, gemessen an der Renditedifferenz zwischen Staatsanleihen und inflationsindexierten Anleihen und als Breakeven-Inflationsrate (BEI) bezeichnet, ist derzeit auf das 2,2-Prozent-Segment gestiegen und liegt damit über dem Inflationsziel der Bank of Japan von 2 Prozent.
Auch Sorge vor Yen-Aufwertung
Es gibt auch die Ansicht, dass anhaltende Kursschwäche zu einer weiteren Aufwertung des Yen und zu zusätzlichen Aktienverlusten führen könnte. Eiji Kinouchi, Chef-Technikanalyst bei Daiwa Securities, weist darauf hin, dass ausländische Anleger beim Investment in japanische Aktien häufig Positionen in Form von Käufen japanischer Aktien und Verkäufen von Yen aufbauen, um Wechselkursrisiken abzusichern.
In einer Phase fallender Aktienkurse könnten sich solche Positionen jedoch in umgekehrter Richtung auflösen, also in Verkäufe japanischer Aktien und Käufe von Yen. Kinouchi sagte: 'Der Anteil ausländischer Investoren an japanischen Aktien wird auf rund 30 Prozent oder etwas mehr als 300 Billionen Yen geschätzt. Selbst wenn die Hälfte davon abgesichert ist, wäre der Druck durch Verkäufe japanischer Aktien und Käufe von Yen erheblich.' Auch beim sogenannten 'Reiwa Black Monday' im Sommer 2024 habe die Auflösung von Positionen in Form von Käufen japanischer Aktien und Verkäufen von Yen den Rückgang beschleunigt.
Am Markt gilt die Zukunft des KI-Markts, der alle 30 bis 40 Jahre einen großen tektonischen Wandel auslösen könnte, als vielversprechend, und der jüngste Rückgang wird vielfach als technische Korrektur gesehen. Unmittelbar nach dem abrupten Einbruch vor allem bei KI- und Halbleiteraktien sagte Takayuki Ishibashi, Vice President bei Goldman Sachs Securities, jedoch: 'Es ist nur natürlich, vorerst mit zwei- oder dreimaligen weiteren Phasen fallender Aktienkurse zu rechnen.'
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