Anthropic will KI mit gedrosselten Cyber-Funktionen extern bereitstellen
Bereitstellung mit gedrosselten Cyber-Funktionen
Das US-Start-up Anthropic teilte am 28. mit, dass es innerhalb der kommenden Wochen eine Technologie mit vergleichbarer Leistung wie die künstliche Intelligenz (KI) 'Claude Mythos' für die Öffentlichkeit bereitstellen werde, die wegen ihrer hohen Fähigkeit zu Cyberangriffen nicht öffentlich zugänglich gewesen war. Eine Nutzung auch außerhalb der USA, einschließlich Japan, gilt als wahrscheinlich.
Das Unternehmen erklärte auf seiner Website, es könne innerhalb weniger Wochen allen Kunden ein Modell auf demselben Niveau wie Mythos liefern. Der Ausbau von Schutzmaßnahmen gegen den Missbrauch für Cyberangriffe schreite voran, sodass eine Veröffentlichung in Reichweite sei.
Mythos gilt als deutlich besser als herkömmliche KI-Modelle darin, Schwachstellen in Systemen zu finden. Anthropic hatte im April eine öffentliche Freigabe mit Verweis auf die Notwendigkeit ausreichender Sicherheitsvorkehrungen ausgesetzt und das Modell nur in einem begrenzten Testbetrieb angeboten. Knapp zwei Monate später dürfte das Unternehmen dank vorangeschrittener technischer Validierung einen Punkt erreicht haben, an dem ein Modell mit ähnlicher Leistung veröffentlicht werden kann.
Details zu dem Modell für die allgemeine Bereitstellung nannte Anthropic nicht. Zum Schutz vor Missbrauch dürfte die Fähigkeit, Schwachstellen in Software zu identifizieren, jedoch bewusst gedrosselt werden. Mythos ist ein Large Language Model (LLM), das nicht auf Cyber-Anwendungen beschränkt ist und sich für ein breites Spektrum an Einsatzzwecken eignet.
Als Schwachstellen gelten Bugs oder Fehler, die als Einfallstor für Cyberangriffe dienen. Findet der Entwickler sie frühzeitig, kann das zu einer Behebung führen; werden sie jedoch missbraucht, drohen Datenlecks oder Systemausfälle. Nach Angaben von Anthropic wurden unter den Anwenderunternehmen mithilfe von Mythos insgesamt mehr als 10.000 Schwachstellen entdeckt.
Bislang hatte Anthropic Mythos nur rund 50 Unternehmen und Organisationen, vor allem aus den USA, sowie Teilen von US-Behörden zur Verfügung gestellt. Große US-Techkonzerne und Finanzhäuser erhielten Zugriff und nutzten das Modell zur Verbesserung ihrer Abwehr, japanische Unternehmen und Behörden konnten es jedoch nicht nutzen, was die Skepsis verstärkte.
In Japan dürften die drei Megabanken in Kürze Zugriffsrechte auf Mythos erhalten. Anthropic sagte, man stimme die Bereitstellung für Länder außerhalb der USA, darunter Japan, eng mit der US-Regierung ab.
Opus 4.8 vorgestellt
Am selben Tag stellte Anthropic auch das neue Modell 'Claude Opus 4.8' vor, das leistungsschwächer ist als Mythos. Es wird ab sofort für dialogorientierte KI-Apps und für Unternehmen angeboten.
Im Vergleich zum bisherigen 'Opus 4.7' sei die Zuverlässigkeit des KI-Verhaltens gestiegen. Zuvor kam es vor, dass die KI selbst dann plausibel den Abschluss einer Aufgabe meldete, wenn die Arbeit nicht wie vom Nutzer angewiesen vorangekommen war.
Nach Angaben des Unternehmens ist die Genauigkeit von Opus 4.8 gestiegen, mit der die KI eigene Auslassungen bei Aufgaben erkennt. Bei der in der Softwareentwicklung genutzten Code-Erstellung habe sich die Wahrscheinlichkeit, eigene Fehler zu übersehen, auf ein Viertel verringert. Der Preis für Unternehmenskunden blieb unverändert.
Anthropic teilte am 28. zudem mit, dass die Bewertung des Unternehmenswerts 965 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 154 Billionen Yen, erreicht habe und man damit erstmals OpenAI aus den USA übertroffen habe. Von US-Investmentfirmen und anderen Investoren erhielt das Unternehmen eine Kapitalbeteiligung in Höhe von 65 Milliarden Dollar; die für die Finanzierungsrunde zugrunde gelegte Bewertung stieg damit auf das 2,5-Fache des Niveaus von Februar. Der annualisierte Umsatz auf Basis der Erlöse des jüngsten Monats lag bei 47 Milliarden Dollar und damit etwas mehr als fünfmal so hoch wie Ende 2025.
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