OpenAI bietet Japan cyberorientierte KI an; Kooperation mit AISI
Cyberabwehr wird verstärkt
Der US-Konzern OpenAI hat Japan Zugang zu seiner neuesten künstlichen Intelligenz (KI) gewährt, wie am 29. bekannt wurde. Nach dem US-Unternehmen Anthropic wird damit deutlicher, dass öffentliche und private Akteure in Japan und den USA ihre Vorsorge gegen Cyberangriffe verstärken. Beide Unternehmen führen Gespräche mit den Regierungen verbündeter Länder, wodurch die Cyberabwehr zunehmend zum Hauptkampffeld im KI-Wettbewerb wird.
OpenAI stellte am selben Tag seinen Cyberabwehr-Ansatz 'Japan Cyber Action Plan' vor. Im Rahmen dessen wird Japan Zugang zu 'GPT-5.5-Cyber' erhalten, das am 7. vorgestellt wurde. Zunächst wird der Zugang für die drei Banken Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho freigeschaltet; künftig soll er auch auf andere Finanzinstitute ausgeweitet werden.
Erste Kooperation mit AISI in Asien
Mit dem staatlichen 'AI Safety Institute (AISI)', das in Japan die Sicherheit von KI bewertet, wurde ein Kooperationsmemorandum (MOC) unterzeichnet. Für OpenAI ist die Zusammenarbeit mit einer Einrichtung dieser Art nach den USA und Großbritannien die dritte, in Asien jedoch die erste. Damit werden unter anderem Risikoanalysen neuer Modelle möglich.
OpenAI-Strategiechef Jason Kwon reiste nach Japan und sprach am 29. mit Finanzministerin Satsuki Katayama und Wissenschaftsministerin Kimi Onoda. Katayama teilte nach dem Gespräch vor Journalisten mit, ihr sei die Zusage gegeben worden, den Zugang für einige japanische Finanzinstitute bereitzustellen. Dies sei aus Sicht der Stärkung der Cybersicherheit japanischer Finanzinstitute zu begrüßen, sagte sie.
Kwon sagte gegenüber der Nihon Keizai Shimbun und anderen Medien: 'Wir werden in Japan Cybersicherheit auf Spitzenniveau aufbauen. Wir werden bevorzugten und schnellen Zugang ausweiten.'
Der Leistungswettbewerb verschärft sich
OpenAIs neues KI-Modell 'GPT-5.5' ist für den allgemeinen Einsatz vorgesehen und öffentlich verfügbar. Das nun für Japan angekündigte 'GPT-5.5-Cyber' ist auf Cyberanwendungen spezialisiert und kann eine breitere Palette einschlägiger Maßnahmen unterstützen.
Aufmerksamkeit für leistungsstarke KI erregte im April Anthropic mit seinem neuen Modell 'Claude Mythos'. Es gilt als besonders stark beim Finden von Schwachstellen, zugleich wurde aber auch auf das Risiko missbräuchlicher Nutzung für Cyberangriffe hingewiesen. Der Zugang war daher auf rund 50 Unternehmen und Organisationen, überwiegend US-Firmen, sowie auf einige US-Behörden beschränkt. Später wuchs das Interesse, nachdem Regierungen verschiedener Länder um Zugang baten.
OpenAI, das im Bereich spezialisierter Cybermodelle zurücklag, will mit GPT-5.5-Cyber aufholen. Das Unternehmen führt Gespräche mit Regierungen verschiedener Länder, darunter Japan, und strebt an, den Standard für Cyber-KI zu setzen.
Das britische AI Security Institute (AISI) testete die Angriffsfähigkeit der Modelle beider Unternehmen. In einem am 30. April veröffentlichten Bericht wurde GPT-5.5 als etwa gleich stark wie Mythos eingestuft; in einer am 14. Mai veröffentlichten Fassung hieß es dann, Mythos habe leicht vorn gelegen. Die Bewertung ist damit weiterhin nicht abschließend geklärt. Google aus den USA erreicht bei der Gesamtleistung von KI-Modellen ein Niveau auf Augenhöhe mit OpenAI und Anthropic; im Bereich spezialisierter Cybermodelle gelten derzeit jedoch Mythos und GPT-5.5-Cyber als das führende Duo.
Verteidigungskooperation unter Verbündeten wird ausgeweitet
Am 15. reiste auch ein für internationale Politik zuständiger Spitzenmanager von Anthropic nach Japan und sprach mit Vertretern der regierenden Liberaldemokratischen Partei über den Zugang zu Mythos. Hinter der Annäherung beider Unternehmen mit leistungsstarker KI an Japan steht offenbar die Absicht, die Zusammenarbeit bei der Cyberverteidigung unter verbündeten Staaten wie Japan auszuweiten, bevor chinesische Technologie aufschließt.
In einem Benchmark, den Anthropic zur Beschreibung der Leistung von Mythos verwendet und der die Fähigkeit von KI zum Umgang mit Schwachstellen misst, rangieren auch Modelle chinesischer Anbieter wie MiniMax Group und Beijing Zhipu Huazhang Technology (Zhipu AI), ein aus der Tsinghua-Universität hervorgegangenes Start-up, weit vorn.
OpenAI dürfte in Kürze einen Börsengang beantragen und damit auch im Cyberbereich mehr Präsenz zeigen, um das Interesse der Investoren zu wecken. Anthropic kündigte am 28. an, Technologien mit einer Leistung nahe Mythos in den kommenden Wochen allgemein zugänglich zu machen. Dies sei möglich geworden, weil sich neben den technischen Tests auch die Entwicklung von Schutzmaßnahmen gegen missbräuchliche Nutzung für Cyberangriffe fortentwickelt habe.
Das Aufspüren und Ausnutzen von Schwachstellen durch KI, die den Menschen übertrifft, könnte soziale Infrastrukturen und die nationale Sicherheit erschüttern. Die Entwicklung von KI für die Cyberverteidigung ist damit auch zu einem Brennpunkt des US-chinesischen Machtkampfs geworden.
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